# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Verhandlungen der einunddreißigſten Verſammlung Sünde zugerechnet wurde, ſo daß man ſozuſagen nichts mehr an ihm ſah als Schuld und übertretung. Ferner iſt hiermit gelehrt, daß JEſus die Strafe trug, die unſer übertreten verdient hatte. Die Worte Jeſaias' bringen dies klar zum Ausdruck: „Fürwahr, er trug unſere Krankheit und lud auf ſich unſere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geſchlagen und gemartert wäre. Aber er iſt um unſerer Miſſetat willen verwundet und um unſerer Sünde willen zerſchlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch ſeine Wunden ſind wir geheilet.“ Schließlich iſt noch zu betonen, daß JEſus als unſer Stellver⸗ treter litt und ſtarb. „Chriſtus hat uns erlöſet von dem Fluch des Geſetzes, da er ward ein Fluch für uns; denn es ſtehet geſchrieben: Verflucht ſei jedermann, der am Holz hänget!“ So ſchreibt Paulus. Wir haben den Fluch auf uns herabbeſchworen durch unſere übertretung des Geſetzes. JEſus tritt nun an unſere Stelle und wird verflucht für uns, an unſerer Statt. Das ſind in kurzen Worten die wunder⸗ baren göttlichen, ſeligen Wahrheiten, die uns bei der Betrachtung der Paſſion unſers Heilandes entgegentreten. Wir nennen den Gehorſam, den JEſus in ſeinem Leiden und Sterben zeigte, ſeinen leidenden Ge⸗ horſam, obedientia passiva. Gegen dieſes Kapitel von JEſu ſtellvertretendem Leiden wird nun ebenfalls viel geredet und geſchrieben und leider auch von Leuten, die noch den Chriſtennamen tragen und vorgeben, auf dem Boden der Heiligen Schrift zu ſtehen. Es iſt ein trauriges Stück Arbeit, ihre nichtigen Gründe gegen dieſe tröſtliche Wahrheit näher zu prüfen. Wir können anfangen mit dem, was einſt der Profeſſor an der lutheriſchen Univerſität zu Erlangen von Hofmann dagegen ins Feld führte. Gerade dieſer Theolog beſtreitet durchaus, daß JEſu Leiden ſtellver⸗ tretenden Charakter habe. Er gibt zu, daß JEſus für uns gelitten habe, nämlich zu unſerm Beſten, aber nicht, daß er an unſerer Statt in den Tod gegangen ſei. D. Walther unterbreitet in ſeiner Ausgabe von Baier zwei Zitate, in denen von Hofmann ſeine Stellung darlegt. Letzterer ſchreibt u. a.: „Wir haben denjenigen Teil der neuteſtament⸗ lichen Schrift, welcher vorzugsweiſe den Tod Chriſti als hoheprieſter⸗ liche Leiſtung und Opferleiden darſtellt, vollſtändig unterſucht, ohne dasjenige darin zu finden, was der ſeit [!] Anſelmus bräuchlichen Auffaſſung, im Unterſchiede von dem Ergebniſſe unſerer geſchichtlichen Erörterung desſelben, eigentümlich iſt. Auch dem Briefe an die Ebräer zufolge iſt JEſu Todesleiden nicht Strafe, obwohl Folge der Sünde der Menſchheit; nicht dem Zorne, ſondern dem Gnaden⸗ willen Gottes iſt damit Genüge geſchehen, nur freilich letzterem ſo, wie es geſchehen mußte, nachdem Sünde und Tod in der Welt war; nicht an Stelle der Menſchheit hat Chriſtus gelitten, ſondern ihr zugute, indem ſein Widerfahrnis Leiſtung des Heilsmittlers war; und nicht daß die Sünde jetzt entſprechend geſtraft, aber auch nicht, daß ſie durch JEſu ethiſches Tun im Leiden gebüßt iſt, macht das Weſen dieſer Verſöhnung aus, ſondern daß ſich die um unſers Heils willen gewordene Gemeinſchaft Gottes und JEſu Chriſti auch durch die äußerſte Folge der Sünde hindurch bewährt hat. . . . Allerdings iſt es recht eigentlich eine Aufgabe des Briefes an die Ebräer, darzutun, daß JEſus ſterben mußte. Aber dieſe Notwendigkeit begründet der Verfaſſer nicht damit, daß Gottes ſtrafender Gerechtigkeit genug⸗ getan werden mußte, ſondern ſie erwächſt unmittelbar aus der für den Zweck unſerer Erlöſung von Chriſto eingegangenen Gemeinſchaft mit der Menſchheit. Er hat als unſer Heilsmittler nicht anders zu Gott eingehen können, als nachdem er auch das Äußerſte erlitten hatte,