# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 19 Schlußſtein ſeines ganzen Werkes und wird deswegen oft hervorge⸗ hoben und herausgeſtrichen, ohne daß damit der Wert und die Be⸗ deutung ſeines übrigen Wirkens in Abrede geſtellt werden ſoll. Es heißt nämlich nicht, daß wir nur durch den Tod ſeines Sohnes Gott verſöhnt worden ſind. Das Wörtlein „nur“ fehlt. Wir haben hier ein Beiſpiel von Synekdoche, indem man einen Teil anſtatt des Gan⸗ zen nennt. Iſt es nötig, auf den Einwurf der Sozinianer einzugehen, die behaupteten, wenn JEſus das Geſetz für uns erfüllt hätte, dann wäre ja ſein Todesleiden nicht nötig geweſen, denn dann hätten die Men⸗ ſchen nicht als Ungerechte, ſondern infolge des Gehorſams JEſu als Gerechte in Gottes Augen dageſtanden, und ſein Tod wäre dann ganz überflüſſig geweſen? Es hat dies Argument allerdings auch Lutheranern imponiert. Bekanntlich hat ein lutheriſcher Theolog namens Georg Karg, den man auf lateiniſch Parſimonius nannte, geleugnet, daß die Geſetzeserfüllung JEſu zu unſerer Verſöhnung beigetragen habe. Er ließ ſich durch das eben angeführte Argument blenden: wenn JEſus dem Geſetz Gehorſam geleiſtet hätte als unſer Stellvertreter und ſeine Geſetzeserfüllung uns zugerechnet worden wäre, dann hätte ihn Gottes Gerechtigkeit ja nicht beſtrafen dürfen. Georg Karg aber zog ſeinen Irrtum zurück, tat einen Widerruf und machte das öffentlich bekannt. Man ſieht auch bald, auf wie morſchem Grunde dies Argument ruht. Es iſt ein Ding, ein Gebot halten, und ein anderes, die durch übertretung des Gebotes ver⸗ diente Strafe tragen. Wenn ein Mann einen Mord begeht, ſo ſühnt das ſein Verbrechen noch nicht, daß er von jetzt an tadellos lebt. Trotz ſeines guten Wandels wird das Gericht ihn, wenn es ſeiner habhaft wird, verurteilen. Die vermeintlichen Gründe gegen JEſu ſtellver⸗ tretende Geſetzeserfüllung oder ſeinen tätigen Gehorſam, wie man auch ſagt, fallen ſchnell in ſich ſelbſt zuſammen, wenn man ſie näher beſieht. Aber mit der Geſetzeserfüllung war es nicht getan, ſollte Gott mit uns verſöhnt werden. Wir waren dem Geſetz gegenüber nicht neutral geweſen. Es ſtand nicht ſo, daß wir es weder gehalten noch über⸗ treten hätten. So etwas gibt es nicht; nicht halten iſt übertreten. Ja, wir haben freventlich dagegen gehandelt und damit Schuld auf uns gehäuft, derentwegen Gottes Gerechtigkeit uns verdammen mußte. Wenn wir gerettet werden ſollten, ſo mußte dieſe Schuld geſühnt, die darauf geſetzte Strafe mußte getragen werden. Das Verdammungs⸗ urteil war geſprochen, und es mußte vollſtreckt werden. Da erſchien in unergründlicher Barmherzigkeit JEſus als unſer Hoherprieſter, nahm unſere Strafe auf ſich, ſtellte ſich unter die Strahlen des Zornes Gottes an unſerer Statt und befreite uns ſo von dem ewigen Fluch, den wir verdient hatten. Er tat das durch ſein unſchuldiges Leiden und Sterben. Chriſtus, unſer Hoherprieſter, bringt ein Opfer dar, haben wir gehört. Es iſt ein Sühnopfer zur Tilgung unſerer Schuld. Das Opferlamm, ſehen wir nun bei dieſer Theſe, iſt er ſelbſt. Das Kreuz auf Golgatha, das Fluchholz, wird zu einem heiligen Altar. Der Hoheprieſter erſcheint, um zu opfern. Und ſiehe, er wird ſelber an das Holz genagelt und damit auf den Altar gelegt. So erduldet er, was wir verdient haben. Hat er die Strafe getragen, ſo ſind wir davon frei. Es liegt hierin die große Wahrheit, daß JEſus unſere Sünden auf ſich nahm und ſich zurechnen ließ, als hätte er ſelbſt ſie begangen. Paulus ſchreibt: „Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“ Wie deutlich iſt hier doch dies gelehrt, daß JEſu unſere