# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der einunddreißigſten Verſammlung Uns Menſchen hat er ſie geſchenkt. Wir, die wir unter dem Geſetz waren, wurden dadurch von dieſer Verpflichtung befreit und als Kinder anerkannt. Es ſteht der Verſöhnung mit Gott jetzt nicht mehr das un⸗ erfüllte Geſetz im Wege. Mehrere Gedanken wollen wir noch beſonders betonen. Daß JEſus das Geſetz Gottes vollkommen erfüllt hat, geht aus vielen Stellen des Neuen Teſtaments hervor, zum Beiſpiel aus den Aus⸗ drücken, die ihn als den Heiligen, Gerechten, Unſchuldigen ſchildern. Die köſtliche Stelle des Hebräerbriefs kommt nun gleich ins Gedächtnis: „Einen ſolchen Hohenprieſter ſollten wir haben, der da wäre heilig, un⸗ ſchuldig, unbefleckt, von den Sündern abgeſondert und höher, denn der Himmel iſt.“ Dem Verfaſſer des Hebräerbriefs iſt dies ein wichtiger Punkt. Er ſtellt den Hohenprieſtern des Alten Bundes JEſum gegen⸗ über. Sie mußten immer wieder opfern, und zwar nicht nur für des Volkes, ſondern auch für ihre eigene Sünde; denn ſie waren und blieben arme ſündige Menſchen. Wie ganz anders ſtand es da mit JEſu, dem Sohn Gottes, der vollſtändig rein und heilig war, und auch nicht im entfernteſten eines Opfers für ſeine eigene Perſon bedurfte! War JEſus aber vollkommen heilig, ſo hat er das Geſetz Gottes erfüllt. über dieſen Punkt herrſcht wohl kaum Streit. Daher bedarf es hier nicht weiterer Zitate aus der Heiligen Schrift. Ferner bezeugt Gottes Wort, daß JEſus dieſe Erfüllung für uns, als unſer Stellvertreter, vollbracht hat. Die Stelle Gal. 4, 4. 5, die wir vorhin hörten, lehrt dies doch ganz klar. JEſus wurde unter das Geſetz getan, auf daß wir die Kindſchaft empfingen. Er tat das, was wir hätten tun ſollen, aber nicht tun konnten. Eine andere wichtige Stelle iſt Röm. 5, 19: „Denn gleichwie durch eines Menſchen Ungehorſam viel Sünder worden ſind, alſo auch durch eines Gehorſam werden viel Gerechte.“ Der Gehorſam Adams und der Gehorſam Chriſti werden einander gegen⸗ übergeſtellt. Wie der Ungehorſam Adams zur Folge hatte, daß das ganze menſchliche Geſchlecht ſündlich wurde, ſo wurde durch den Ge⸗ horſam JEſu das menſchliche Geſchlecht gerecht. Chriſti Gerechtigkeit wurde uns Menſchen demnach zugerechnet, als hätten wir ſelbſt ſie vollbracht. Darin liegt, daß JEſus ſie als unſer Stellvertreter an unſerer Statt Gott dargebracht hat. So können wir denn frohlocken, wenn wir auf das Geſetz blicken, das uns den Eingang in den Himmel verſperrte. Dies Hindernis iſt überwunden; unſer Hoherprieſter hat das geleiſtet, was das Geſetz verlangt. Vgl. auch Röm. 5, 18. Man hat wohl behauptet, wenn dieſe Lehre verkündigt werde, dann falle alle chriſtliche Moral hin; denn wer wolle ſich noch bemühen, chriſtlich zu leben, wenn Chriſtus das Geſetz für uns erfüllt habe? Warum überflüſſige gute Werke tun? Die ſo reden, offenbaren damit nur ihren Unverſtand und ihre Unbekanntſchaft mit dem Weſen des Chriſtentums, das nämlich in einem lebendigen Glauben an JEſum Chriſtum ſeine Wurzel hat und ihm dient, weil es ihn liebt und ſich ihm dankbar erweiſen möchte. Ernſter ſchon iſt der Einwurf, unſere Verſöhnung werde allein dem blutigen Leiden JEſu zugeſchrieben; ſomit ſei es verkehrt, wenn man ſie in Zuſammenhang mit ſeiner Geſetzeserfüllung bringen wolle. Wir antworten: Es iſt allerdings richtig, daß wiederholt die Erlöſung und damit auch die Verſöhnung dem Tode JEſu zugeſchrieben wird. Röm. 5, 10 heißt es z. B.: „Denn ſo wir Gott verſöhnet ſind durch den Tod ſeines Sohnes, da wir noch Feinde waren, viel mehr werden wir ſelig werden durch ſein Leben, ſo wir nun verſöhnet ſind.“ Hier wird ausdrücklich bezeugt, daß wir Gott verſöhnt ſind durch den Tod ſeines Sohnes. Aber das bildet durchaus keinen Widerſpruch mit unſerer Lehre. Der Tod JEſu iſt eben der