# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 17 die Behauptung, daß die Lehre von JEſu hoheprieſterlichem Wirken eigentlich im Widerſpruch ſtehe mit dem, was er hauptſächlich gelehrt habe. Man weiſt dann gern hin auf das Gleichnis vom verlornen Sohn und ſagt, das dort Dargelegte könne nimmer in Einklang gebracht werden mit der Annahme, es ſei ein beſonderes Sühnopfer nötig, ehe wir bei Gott Aufnahme finden könnten. In dieſem Gleichnis, ſagt man, komme der Sünder reumütig zu Gott, und ſchon längſt ſei das Vaterherz bereit, ihm zu vergeben; mit Freuden werde er aufgenommen, und eines Mittlers, eines Verſöhners, werde nicht im geringſten gedacht. Es iſt richtig, daß hier das Sühnopfer unſers Hohenprieſters nicht erwähnt wird; aber iſt es damit als nicht beſtehend erwieſen? JEſus will in dieſem Gleichnis die große, wunderherrliche Wahrheit ſchildern, daß der reumütige Sünder, ſelbſt wenn er tief gefallen iſt, Vergebung erhält. Auf die Frage, wie der gerechte Gott dem Sünder vergeben könne, geht JEſus hier nicht ein. Dieſe Sache hat er zu andern Zeiten und bei andern Gelegenheiten erörtert. Er legt in dieſem Gleichnis nicht dar, wie Gott verſöhnt worden iſt, ſondern nur, daß er tatſächlich verſöhnt iſt und uns unſere Sünden gern verzeiht. So braucht auch dieſer Ein⸗ wand uns nicht im geringſten wankend zu machen in unſerm Feſthalten an dem Kernſtück des Evangeliums von JEſu hoheprieſterlichem Opfer. IV. Daß JEſus Verſöhnung herbeigeführt hat, haben wir bei der letzten Theſe geſehen. Es entſteht nun die Frage: Wie hat er es getan? Die Theſe antwortet: Durch ein Doppeltes, indem er nämlich als unſer Stellvertreter das Geſetz erfüllte und als unſer Stellvertreter litt und ſtarb. Nach der Schrift fordert Gott von uns Erfüllung ſeines Geſetzes. „Du ſollſt lieben Gott, deinen HErrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Du ſollſt deinen Nächſten lieben als dich ſelbſt. In dieſen zweien Geboten hanget das ganze Geſetz und die Propheten“, ſpricht Chriſtus. Du ſollſt — es iſt das eine Leiſtung, die Gott fordert, und die wir ihm, unſerm Schöpfer, ſchulden. Aber ſo gewiß dies iſt, ſo feſt ſteht auch, daß wir dieſen Gehorſam gegen Gottes Geſetz nicht darzubringen vermögen. Selbſt diejenigen, die bekehrt ſind, müſſen mit dem Apoſtel ausrufen: „Ich weiß, daß in mir, das iſt, in meinem Fleiſche, wohnet nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht.“ So iſt denn dies die Sachlage: Gott ſtellt Forderungen an uns, und wir können dieſen Forderungen nicht nachkommen. Die Folge iſt, daß die Gerechtigkeit Gottes uns als übertreter zum ewigen Tode verurteilt. Sollte uns geholfen werden, ſollte eine Verſöhnung zwiſchen Gott und uns ſtattfinden, ſo mußte dem göttlichen Geſetz Genüge geſchehen, es mußte erfüllt werden. Das iſt nun das eine, was JEſus als unſer Hoherprieſter, der uns mit Gott verſöhnt, geleiſtet hat: er hat das Geſetz Gottes an unſerer Statt gehalten. Das iſt klare Lehre der Heiligen Schrift. Paulus ſchreibt Gal. 4, 4. 5: „Da aber die Zeit erfüllet ward, ſandte Gott ſeinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geſetz getan, auf daß er die, ſo unter dem Geſetz waren, erlöſete, daß wir die Kindſchaft empfingen.“ Ja, in der Fülle der Zeit ſandte Gott ſeinen Sohn, und zwar nicht bloß in göttlicher, ſondern auch in menſchlicher Natur, nämlich von einem Weibe geboren. Der Sohn war als Gott über das Geſetz erhaben und brauchte es nicht zu erfüllen. Es war für die Geſchöpfe gegeben und nicht für den Schöpfer. Aber er ſtellte ſich freiwillig unter das Geſetz und ward dieſem gehorſam, vollbrachte alſo eine Leiſtung, zu der er nicht verpflichtet war und die er darum andern zuwenden konnte.