# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der einunddreißigſten Verſammlung aber er will das nicht in einer Weiſe tun, die ſeine Gerechtigkeit verletzte und daher ſeinem Weſen zuwider wäre. Darum hat er in unermeß⸗ licher Liebe ſeinen Sohn unſern Hohenprieſter werden laſſen, der ſeiner Gerechtigkeit Genüge tut und zur ſelben Zeit auch das hinausführt, was ſeine Güte erſtrebt: die Rettung des Menſchengeſchlechts. Luther ſagt: „Ob nun wohl uns wird lauter aus Gnaden unſere Sünde nicht zuge⸗ rechnet von Gott, ſo hat er das dennoch nicht wollen tun, ſeinem Geſetz und ſeiner Gerechtigkeit geſchehe denn zuvor allerdinge und überflüſſig genug. Es mußte ſeiner Gerechtigkeit ſolche gnädige Zurechnung zuvor abgekauft und erlangt werden für uns.“ Die eben beſehenen Gründe gegen die Bibellehre von JEſu Werk fallen daher bei näherer Prüfung ſchnell hin. Ein Einwand anderer Art iſt der, daß Chriſtus ſich ſelbſt nicht als Hohenprieſter geſchildert habe und daß deshalb dieſe Lehre nicht auf unſere Annahme Anſpruch erheben dürfe. Man ſagt häufig, JEſu Lehre ſei hauptſächlich in den ſogenannten ſynoptiſchen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas ent⸗ halten. Johannes habe viel aus ſeinem eigenen hinzugefügt; ſein Evangelium könne man nicht als eine vollſtändig richtige Darſtellung von JEſu Predigt anſehen. Nun fände ſich aber in den Schriften des Matthäus, Markus und Lukas nichts von JEſu Wirken als dem unſers Hohenprieſters, der uns mit Gott verſöhne. Man gibt zu, daß in der Bibel dieſe Lehre ſtehe, nämlich bei Paulus. Man ſagt aber, dieſe Sache hätte Paulus aus dem alten Judentum herübergenommen ins Chriſten⸗ tum, zu deſſen großem Schaden; JEſus ſelbſt habe nichts Derartiges gelehrt. So redet man in gottesläſterlicher Weiſe von einer jüdiſch⸗ pauliniſchen Verſöhnungslehre. Es iſt ein ſchreckliches Gericht, das über die Leute gekommen iſt, die ſo reden, die nämlich die Bibellehre wohl kennen, auch zugeben, daß ſie in der Schrift ſteht, ſie aber doch nicht annehmen und ſich dann damit ſchützen wollen, JEſus habe ja dieſe Lehre nicht vorgetragen. Sie ſollten einmal bedenken, daß Paulus nicht ſeine eigene Lehre predigte, ſondern das Evangelium, das er von JEſu ſelbſt erhalten hatte. Ferner befinden ſie ſich in einem großen Irrtum, wenn ſie meinen, JEſus ſelbſt hätte nichts von ſeinem Wirken als unſer Verſöhner und Mittler geſagt. Wir wollen ihnen auf ihr eigenes Feld folgen, nämlich in die Evan⸗ gelien von Matthäus, Markus und Lukas. Der unbefangene Leſer muß zugeben, daß dort allerdings unſere Lehre verzeichnet ſteht. JEſus ſagt nämlich, wie wir Mark. 10, 45 leſen: „Denn auch des Menſchen Sohn iſt nicht kommen, daß er ihm dienen laſſe, ſondern daß er diene und gebe ſein Leben zur Bezahlung für viele.“ Da iſt in gar herrlicher, tröſtlicher Weiſe die Lehre von JEſu als unſerm Hohenprieſter vorge⸗ tragen, der ſein Leben hingibt als Bezahlung für uns. Daß der Name Hoherprieſter nicht gebraucht wird, tut der Kraft und Deutlichkeit dieſes Zeugniſſes keinen Abbruch. Ferner ſpricht unſer Heiland, als er das Abendmahl einſetzt: „Dies iſt mein Leib, der für euch gegeben wird. Das iſt mein Blut des Neuen Teſtaments, welches vergoſſen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ Daß er für ſeine Jünger in den Tod gehe und ſein Blut für ſie vergieße, iſt damit klar geſagt. Und dies liegt ferner in den Worten, daß er durch ſein Sterben ein neues Teſtament, einen neuen Bund, aufrichte, das heißt, einen neuen Bund zwiſchen ihnen und Gott. Wie hätte er beſtimmter und ſchöner ſeine Mittlerſchaft, ſein ſündeſühnendes Wirken, beſchreiben können? Es hat daher auch mit dieſem Einwand der Gegner, der gerade in unſerer Zeit viel in den Vordergrund gerückt wird, nichts auf ſich. Es iſt noch ein Argument da, das wir nicht mit Stillſchweigen übergehen ſollten, weil es heutzutage viel von ſich reden macht. Das iſt