# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 15 ſechszehnten und ſiebzehnten Jahrhunderts, mit ſcharfen Verſtandes⸗ waffen der bibliſchen Lehre entgegengetreten waren, finden wir im acht⸗ zehnten Jahrhundert den holländiſchen Arminianer Hugo Grotius da⸗ gegen Stellung nehmen, obwohl es ihm nicht ſo viel darauf ankam, die von der lutheriſchen Kirche vertretene Lehre zu bekämpfen, als vielmehr den Sozinianern entgegenzuwirken. Bald kam das Zeitalter des Ver⸗ nunftglaubens, der natürlich die Verſöhnungslehre der Heiligen Schrift nicht annehmen wollte. Ebenſo verwarfen viele der berühmten Theo⸗ logen der Folgezeit die Schriftlehre, beſonders die vielgenannten Männer Schleiermacher, Baur und Ritſchl. Mit welchen Argumenten will man denn die Schriftlehre wider⸗ legen? Man ſagt, Gott iſt ja die Liebe. Ihn als zürnenden Richter darzuſtellen, ſei ganz verkehrt, ſei geradezu heidniſch. Chriſtus brauche nicht als Hoherprieſter Gott mit uns zu verſöhnen, weil dieſer ſchon immer unſer liebevoller, barmherziger Vater geweſen iſt. — Was ant⸗ worten wir? Gewiß iſt Gott die Liebe. Das bezeugt die Schrift, und das bekennen wir gern mit ihr. Es iſt dies eine der herrlichſten Wahr⸗ heiten, die uns Gott ſelbſt offenbart. Aber Gott iſt auch die Gerechtig⸗ keit. Dieſelbe Heilige Schrift, die uns die Worte übermittelt: „Gott iſt die Liebe“, ſagt uns auch: „Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottloſe Weſen und Ungerechtigkeit der Menſchen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten.“ Gott ſchildert ſich ſelbſt als einen eifrigen Gott, der die Sünden der Väter heimſuchen wird an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied. Im 5. Pſalm ſagt David, indem er Gott anredet: „Du biſt nicht ein Gott, dem gottlos Weſen gefällt; wer böſe iſt, bleibt nicht vor dir.“ Wenn daher viele Prediger Gott beſchreiben als einen liebevollen Vater, dem es nicht einfalle, Strafe zu verhängen, ſo entwerfen ſie ein Bild von Gott, das durchaus nicht mit dem der Schrift ſtimmt. Und nicht bloß die Schrift, auch ihr eigenes Gewiſſen überführt ſie des Irrtums und der Lüge. Es hält ihnen vor, daß die Sünde etwas Schreckliches iſt und Gottes Strafe herausfordert, wenn ſie nicht gebüßt wird. Daß Gott gerecht iſt und die Sünde ahndet, merken wir auch an der Herrſchaft des Todes in der Welt, der von Gott wegen der über⸗ tretung ſeines Geſetzes verhängt worden iſt. So hält dieſes Argument der Feinde der Verſöhnungslehre durchaus nicht Stich. Es iſt, daß ich es kurz zuſammenfaſſe, gegen die Schrift, gegen das Gewiſſen und gegen die Erfahrung. Die Gegner treten häufig mit dieſem doppelten Argument auf: Gott kann ja die Sünde auch ohne das Wirken eines Hohenprieſters ver⸗ geben. Wenn man das leugnet, ſo leugnet man einfach Gottes Allmacht. Und man muß doch ferner annehmen, Gott wolle die Sünde gerne ohne das Opfer ſeines Sohnes vergeben. Wenn man das nicht zugibt, ſo be⸗ ſtreitet man ſeine Güte. — Auf ſolche Wege gerät man, wenn man ſich nicht einfach von dem Schriftwort leiten läßt. Man findet glänzend ſcheinende Argumente und läßt ſich dadurch blenden. Wie wenig ſtich⸗ haltig iſt doch das hier Vorgebrachte! Allerdings iſt Gott allmächtig, aber er tut nie etwas, was mit ſeinem eigenen Weſen in Widerſpruch ſtünde. Er kann alles, aber er begeht keine Sünde. Er hört nicht auf, das zu ſein, was er iſt. Weil er als der gerechte Herrſcher des Weltalls die Sünde nicht billigen, nicht gutheißen kann, ſondern ſie beſtrafen muß, ſo iſt es töricht, wenn jemand ſich damit tröſten will: Gott iſt allmächtig, er kann alſo auch ohne irgendein Opfer meine Sünden hinwegnehmen. Und was die Behauptung betrifft, Gott ſei gütig, deshalb werde er auch ohne ein beſonderes Opfer gerne die Sünde verzeihen, ſo iſt dieſer Schluß ebenfalls verkehrt. Gewiß iſt Gott gütig und will die Sünde vergeben,