# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 13 euren Sünden werdet ihr gereiniget vor dem HErrn.“ Inwiefern dieſe Opfer ſühnende Kraft hatten, wollen wir ſpäter beſprechen; aber ſo viel iſt klar, wenn dieſe Opfer dargebracht wurden, dann wurde Gott ver⸗ ſöhnt, und Gott der HErr vergab dem Volk oder dem einzelnen Israe⸗ liten ſeine Miſſetat. Verſöhnung Gottes, das iſt auch das große Werk JEſu als unſers Hohenprieſters. Das ſagt die Schrift ausdrücklich. So heißt es Hebr. 2, 17: „Daher mußte er allerdinge ſeinen Brüdern gleich werden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hoherprieſter vor Gott, zu ver⸗ ſöhnen die Sünde des Volks.“ „Zu verſöhnen die Sünde des Volks.“ Es klingt das merkwürdig. Die Sünde braucht doch nicht verſöhnt zu werden. Und das iſt denn auch nicht die Meinung dieſes Ausſpruchs. Die Sünde verſöhnen heißt ſo viel wie die Sünde ſühnen, Genugtuung dafür leiſten, ſo daß Gott ſie vergibt. Ganz ähnlich heißt es Hebr. 9, 26: „Am Ende der Welt iſt er einmal erſchienen, durch ſein eigen Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menſchen geſetzt iſt, einmal zu ſterben, danach aber das Gericht, alſo iſt Chriſtus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden.“ Ein Opfer ſollte er darbringen, heißt es hier. Und Zweck desſelben ſollte ſein, die Sünde aufzuheben, die Sünde vieler weg⸗ zunehmen. Das Bild JEſu als unſers Hohenprieſters wird nun deut⸗ lich. Er bringt Gott ein Opfer dar ähnlich wie der Prieſter im Alten Bunde, und durch dieſes Opfer verſöhnt er Gott, der wegen der Sünde zürnt. Es liegt dies Opfer allerdings in der Vergangenheit. Nicht geſchieht es jetzt, nicht wird es erſt noch ſtattfinden. Chriſtus iſt ge⸗ opfert, ſagt der Hebräerbrief. „Es iſt vollbracht!“ ſo erklang es vor 1900 Jahren auf Golgatha; das große Werk iſt geſchehen, wir können darauf zurückblicken und uns desſelben getröſten. Die Heilige Schrift ſtellt dieſelbe Wahrheit auch dar unter dem Bilde der Mittlerſchaft zwiſchen Gott und den Menſchen, die Chriſtus übernimmt. Paulus ſchreibt 1 Tim. 2, 5. 6: „Es iſt ein Gott und ein Mittler zwiſchen Gott und den Menſchen, nämlich der Menſch Chriſtus JEſus, der ſich ſelbſt gegeben hat für alle zur Erlöſung, das ſolches zu ſeiner Zeit gepredigt würde.“ Die Welt hatte geſündigt und lag infolgedeſſen unter dem Zorn Gottes. Sollte dieſer Zorn ſie nicht ins ewige Verderben ſchleudern, ſo mußte etwas geſchehen. Es mußte jemand zwiſchen dem Beleidiger und dem Beleidigten vermitteln. Wenn hier auf Erden jemand einen Bekannten oder Freund beleidigt hat, ſo legt ſich wohl ein Dritter ins Mittel und verſucht eine Verſöhnung herbeizuführen. JEſus iſt zwiſchen Gott und die Menſchen, die die Sünde entzweit hatte, getreten und hat eine Verſöhnung herbeigeführt, indem er Gott den Menſchen gnädig ſtimmte. Verſöhnung hat Chriſtus herbeigeführt — das iſt auch der Sinn der köſtlichen Stelle 2 Kor. 5, 18: „Aber das alles von Gott, der uns mit ihm ſelber verſöhnet hat durch JEſum Chriſt und das Amt gegeben, das die Verſöhnung prediget.“ Es heißt dort allerdings: „Gott war in Chriſto und verſöhnete die Welt mit ihm ſelber.“ Das Werk der Ver⸗ ſöhnung wird Gott zugeſchrieben. Aber es heißt auch ausdrücklich, daß Gott es getan hat durch JEſum Chriſtum. Das iſt das unbegreifliche Liebeswunder, das wir im Werk JEſu vor uns ſehen. Gott iſt von uns beleidigt, und er zürnt uns; und ſiehe da, er ſelber, der Beleidigte, trifft nun Anſtalten, daß die Verſöhnung zwiſchen ihm und der Welt zuwege gebracht werden kann! Er ſendet ſeinen Sohn. Der wird der Mittler. Er wird der Hoheprieſter, der zwiſchen Gott und die ſün⸗ dige Menſchheit tritt, der, um ein altteſtamentliches Bild zu gebrauchen, mit dem Räuchwerk gelaufen kommt, wie die Plage wütet, und durch ſein Opfer den Zorn Gottes ſtillt und der Plage ſteuert.