# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der einunddreißigſten Verſammlung So legt er das Fundament für ſeine gewaltigen, troſtreichen Ausfüh⸗ rungen über JEſu Werk. Die andern Apoſtel haben ebenſo gepredigt. Wenn zum Beiſpiel Johannes die Chriſten mit dem Blutvergießen JEſu tröſtet, ſo fügt er hinzu: „Das Blut JEſu Chriſti, ſeines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ Offenbar will er ſagen: Bedenkt, daß das Blut JEſu nicht etwa nur edles Menſchenblut iſt; nein, es iſt das Blut des Sohnes Gottes, und als ſolches reinigt es von allen Sünden. Aus dieſem allem geht ſchon hervor, daß wir es hier nicht mit einer mühſeligen Spekulation zu tun haben, wenn wir von JEſu, unſerm Hohenprieſter, als wahrem Gott und wahrem Menſchen reden. Die moderne Theologenwelt, die Ritſchlianer und alle andern Rationaliſten, lacht darüber, daß wir JEſu wahre Gottheit betonen. Sie nennt das eine metaphyſiſche Erörterung, die keinen praktiſchen Wert habe. Ja, für den, der nicht an JEſu wahre Gottheit glaubt, hat allerdings der Hinweis auf die Göttlichkeit der Perſon unſers Hohenprieſters keine Be⸗ deutung. Er muß darin eine arge Täuſchung erblicken. Die führenden Theologen unſerer Tage ſind leider faſt alle Unitarier und alſo Leugner der Gottheit Chriſti. Aber Gott ſei Dank, wir gehören nicht zu dem Haufen, der JEſu ſeine göttliche Ehre rauben will; und weil wir in ihm den wahren Gott erkennen, ſo wollen wir bei der Betrachtung ſeines hohenprieſterlichen Wirkens auch gerade dieſe Seite ſeiner Perſon hervor⸗ heben; denn ſie gibt uns den Troſt, daß er wohl befähigt war, das unermeßlich große Werk der Sündentilgung zu vollbringen. Uns iſt dies ein hoher, herrlicher, herzerquickender Artikel, der Artikel von JEſu Gottheit. Er iſt der Grundſtein unſerer ganzen Hoffnung, den wir uns nicht nehmen laſſen wollen. — Hier möge noch ein ſchönes Wort Luthers angeführt werden, das die Konkordienformel im 8. Artikel zitiert, S. 683: „Wir Chriſten müſſen wiſſen, wo Gott nicht mit in der Wage iſt und das Gewicht gibt, ſo ſinken wir mit unſerer Schüſſel zugrunde. Das meine ich alſo: wo es nicht ſollte heißen: Gott iſt für uns geſtorben, ſondern allein ein Menſch, ſo ſind wir verloren. Aber wenn Gottes Tod und Gott geſtorben in der Wagſchüſſel liegt, ſo ſinket er unter, und wir fahren empor als eine leichte, ledige Schüſſel; aber er kann auch wohl wieder emporfahren oder aus ſeiner Schüſſel ſpringen; er könnte aber nicht in der Schüſſel ſitzen, er müßte uns gleich ein Menſch werden, daß es heißen könnte: Gott geſtorben, Gottes Marter, Gottes Blut, Gottes Tod. Denn Gott in ſeiner Natur kann nicht ſterben, aber nun Gott und Menſch vereinigt iſt in einer Perſon, ſo heißet's recht Gottes Tod, wenn der Menſch ſtirbt, der mit Gott ein Ding oder eine Perſon iſt.“ III. Wir gehen nun auf das Wirken JEſu als unſers Hohenprieſters ein. Was ſagt uns die Schrift darüber? Was hat er als unſer Hoher⸗ prieſter vollbracht? Die Hauptaufgabe der Hohenprieſter im Alten Teſtament war die, Gott zu verſöhnen, wenn er dem Volke wegen ſeiner Sünden zürnte. Um ſolche Verſöhnung zu bewerkſtelligen, brachten ſie Sühnopfer dar. Wir haben einen ergreifenden Bericht von einem be⸗ ſonderen Opfer dieſer Art in 4 Moſ. 16, 41 ff. Gott hatte genau vor⸗ geſchrieben, wie die gewöhnlichen Sühnopfer dargebracht werden mußten, 3 Moſ. 4, 1. 5, 1 ff. Es gipfelte alles Opfern für die Sünder in dem Gottesdienſt am großen Verſöhnungstage, am zehnten Tage des ſiebten Monats, da der Hoheprieſter mit dem Blut von Opfertieren in das Allerheiligſte ging und es dort ſiebenmal vor den Gnadenſtuhl ſprengte und das Volk damit reinigte. Gott ſprach 3 Moſ. 16, 30: „An dieſem Tage geſchieht eure Verſöhnung, daß ihr gereiniget werdet; von allen