# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 11 beigelegt worden iſt und der früher einmal als hoher Ehrenname galt; aber was nützen uns die Titel, mit denen man JEſum geſchmückt hat? So reden die, die die Schrift verwerfen. Aber uns, die wir an Gottes Wort feſthalten, iſt wahrlich dieſe Benennung JEſu nicht eine gleich⸗ gültige Sache. Wir ſehen dieſe Bezeichnung nicht an als einen titulus sine re, einen Namen ohne Bedeutung. Vielmehr wiſſen wir, daß JEſus das auch wirklich iſt, was Gott ihn nennt. Bezeichnet er ihn als Hohenprieſter, ſo iſt er es auch. Und daß dieſes Amt und dieſer Dienſt ſeinerſeits große Bedeutung hat für uns, das wollen wir mit Gottes Hilfe in den nächſten Punkten zu erkennen verſuchen. II. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß derjenige, der unſer Hoherprieſter ſein ſoll und will, auch die zu dieſem Amt nötigen Eigenſchaften haben muß, falls ſeine Amtstätigkeit für uns den vollen Nutzen haben ſoll. Die Heilige Schrift weiſt darum ausführlich nach, daß JEſus zu dieſem hohen Dienſt befähigt iſt. Viele Hoheprieſter hatte man im Alten Bunde gehabt. Welch große Reihe gewaltiger Gottesmänner, die in dieſem Amt ſtanden, treten uns beim Leſen der heiligen Geſchichte entgegen: Aaron, Eleaſar, Pinehas, Abjathar, Zadok, um die bekannteſten zu nennen. Aber ſo begabt und berühmt ſie auch geweſen waren: als ſie ihr Haupt zur letzten Ruhe legten, da war das Werk der Befreiung von der Sündenſchuld, wonach die Kinder Gottes ſich ſehnten, nicht weiter gediehen als bei ihrer Geburt. Sie waren trotz aller ihrer Vorzüge und ihrer großartigen Tätigkeit nicht imſtande geweſen, Israel und die Welt zu erlöſen. Ihnen gingen die dazu nötigen Fähigkeiten ab. In bezug auf JEſum läßt uns Gott nun in der Heiligen Schrift ſagen, daß er allerdings gerade die Eigenſchaften beſitze, die unſer rechter, wahrer Hoherprieſter haben müſſe. Der Hebräerbrief widmet dieſem Gegenſtand beſondere Ausführungen. Es würde zu weit führen, wollten wir auf alles eingehen, was hierüber uns geſagt wird. Die Haupt⸗ punkte ſind dieſe: 1. JEſus iſt Gottes Sohn, wahrer Gott; darum hat er unendliche Kraft und kann ein genügendes Opfer für uns darbringen. 2. Mit ſeiner Gottheit iſt auch ſeine Sündloſigkeit gegeben. Er braucht alſo nicht, wie die altteſtamentlichen Hohenprieſter, für eigene Sünden genugzutun. Er iſt vollkommen heilig, und ſein Wirken kann uns Sün⸗ dern voll und ganz zugute kommen. Man vergleiche über dieſe beiden Punkte beſonders Hebr. 7, 26—28. 3. JEſus iſt wahrer Menſch. Als ſolcher kann er leiden und ſterben und ſo das Erlöſungswerk vollbringen. Vgl. Hebr. 2, 14 ff. 4. Als Menſch kennt er unſere Schwachheit, unſere Verſuchungen, unſere Leiden und kann darum Mitleid mit uns haben und ein barmherziger Hoherprieſter ſein. Vgl. Hebr. 4, 15. 16. 5. Die Menſchen, für die er der Hoheprieſter iſt, ſind ihm nicht fremd, ſie ſind ſein eigen Fleiſch und Blut, ſie ſind ſeine Brüder, er gehört zu ihrem Geſchlecht. Vgl. Hebr. 2, 10—18. Nun, gehört er zu ihnen, dann wird er ſie auch nicht verlaſſen in der Not, ſondern wird als ihr Hoherprieſter ſich ihrer annehmen. Das ſind ſo die Hauptgedanken des Hebräerbriefs, in denen ausgeführt wird, daß JEſus befähigt war für ſein großes Werk als Hoherprieſter. Und ſo haben doch die Apoſtel überhaupt ge⸗ predigt. Wie Paulus im Römerbrief anfängt, ſein Evangelium darzu⸗ legen, da ſagt er von JEſu (Kap. 1, 3. 4), er ſei der Sohn Gottes, „der geboren iſt von dem Samen Davids nach dem Fleiſch und kräftiglich erweiſet ein Sohn Gottes nach dem Geiſt, der da heiliget“. Wir ſehen, er betont beides, die menſchliche Geburt JEſu aus dem Hauſe Davids — und damit ſeine menſchliche Natur — und ſodann ſeine wahre Gottheit.