# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 9 I. In der erſten Theſe haben wir es zunächſt mit der Frage zu tun, ob der Titel „Hoherprieſter“ für JEſum etwa von der Kirche geprägt worden iſt, um ſein Werk zu beſchreiben, oder ob die Schrift ſelbſt ihm dieſen Namen beilegt. Wir brauchen vielfach in unſerer Beſprechung religiöſer Dinge und in unſerer Verkündigung der Bibellehren Aus⸗ drücke, die nicht in der Bibel ſelbſt vorkommen, ſondern von der Kirche gebildet worden ſind. Das hervorragendſte Beiſpiel dafür iſt das Wort „Dreieinigkeit“. Durch dieſes Wort wird eine große Lehre der Schrift kurz zum Ausdruck gebracht, aber das Wort ſelbſt kommt in der Schrift nicht vor. Es iſt durchaus nicht verkehrt, daß wir uns dieſes Ausdrucks bedienen, weil das damit Geſagte ganz und gar mit der Schrift ſtimmt. Jedoch bleibt die Tatſache beſtehen, daß der Ausdruck ſich nicht in der Schrift findet. Andere Ausdrücke dieſer Art ſind zum Beiſpiel „Gnaden⸗ mittel“ und „Sakrament“. In bezug auf den Titel JEſu „Hoherprieſter“ iſt die Sachlage anders. JEſus wird in der Heiligen Schrift ausdrücklich unſer Hoher⸗ prieſter genannt. Gerade wie ihm dort der Titel Prophet und König beigelegt wird, ſo auch der Titel Hoherprieſter. Das geſchieht ſchon in der Weisſagung des Alten Teſtaments. Im 110. Pſalm finden wir die uns ſo wohlbekannten Worte: „Der HErr hat geſchworen und wird ihn nicht gereuen: Du biſt ein Prieſter ewiglich nach der Weiſe Melchiſedeks.“ Unter Chriſten herrſcht kein Zweifel darüber, daß dieſer Pſalm meſ⸗ ſianiſch iſt, das heißt, daß er von Chriſto handelt. Wird dies doch von JEſu ſelbſt deutlich gelehrt. Hier ſagt nun David, indem er empor⸗ blickt zu ſeinem HErrn, dem Meſſias: Der HErr hat es mit einem Schwur beſtätigt, daß du ein Prieſter biſt in alle Ewigkeit nach der Weiſe Melchiſedeks. Hier wird alſo JEſus deutlich Prieſter genannt. Gerade dieſe Stelle wird wiederholt im Hebräerbrief angeführt, und ſie bildet einen Teil des Beweiſes, worin der Verfaſſer dartut, JEſus ſei der rechte, wahre Hoheprieſter. Was die Worte „nach der Weiſe Melchiſe⸗ deks“ in ſich begreifen, das wird im 7. Kapitel dieſer Epiſtel näher dargelegt. Darüber ſpäter mehr. überhaupt iſt zu ſagen, daß das Hoheprieſtertum Chriſti im Mittelpunkt der Erörterung des Hebräer⸗ briefs ſteht. Immer wieder wird JEſu gerade dieſer Titel beigelegt. So heißt es ſchon im 2. Kapitel, V. 17: „Daher mußte er allerdinge ſeinen Brüdern gleich werden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hoherprieſter vor Gott, zu verſöhnen die Sünde des Volks.“ Gleich ein paar Verſe weiter, Kap. 3, 1, leſen wir: „Nehmet wahr des Apoſtels und Hohenprieſters, den wir bekennen, Chriſti JEſu.“ Be⸗ ginnend mit Kap. 5, legt der Verfaſſer dann genauer dar, was es mit dem Hohenprieſtertum JEſu für eine Bewandtnis habe, und dieſe Er⸗ örterung geht bis zum Ende von Kap. 9. Demnach wird JEſus nicht bloß gelegentlich einmal mit dieſem Titel bezeichnet, ſondern dieſe Sache wird zum Gegenſtand eingehender Beſprechung gemacht. Es iſt übri⸗ gens der Hebräerbrief die einzige neuteſtamentliche Schrift, worin JEſus dieſen Titel erhält, obwohl die hier zugrunde liegende Lehre natürlich an vielen andern Stellen des Neuen Teſtaments vorgetragen wird. Und daran können wir gleich den neuen Gedanken anknüpfen, daß nämlich von JEſu Wirken oft in Ausdrücken geredet wird, die vom Opferdienſt hergenommen ſind. So wird JEſus das Lamm Gottes genannt, das der Welt Sünde trägt. Sein Blut wird von Petrus beſchrieben als das eines unſchuldigen und unbefleckten Lammes. „Wir haben auch ein Oſterlamm, das iſt Chriſtus, für uns geopfert“, ſagt Paulus in der Oſterepiſtel. „Chriſtus hat uns geliebet und ſich ſelbſt dargegeben für