# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1928. 7 das Volk verfaßt ſind, worin die bibliſche Lehre von der Verſöhnung heftig angegriffen wird. Hervorragende Sektenprediger unſers Landes in Gemeinſchaften, die noch als evangeliſch gelten wollen, verwerfen ungeſcheut dieſe Zentrallehre des Chriſtentums. Man ſchiebt die Bibel beiſeite und läßt ſich nicht von ihr leiten; hingegen ſtellt man alles unter den Geſichtspunkt der natürlichen Entwicklung, und da bleibt dann für die bibliſche Lehre von einem beſonderen göttlichen Hohenprieſter, der be⸗ ſtimmend, entſcheidend in die Weltlage eingriff und ſie ganz anders ge⸗ ſtaltete, kein Raum übrig. Der ſogenannte Modernismus, der ſich jetzt ſo breitmacht und der viele angeſehene theologiſche Schulen unſers Lan⸗ des beherrſcht, räumt natürlich, wie mit andern Offenbarungslehren, ſo auch mit dieſer, gründlich auf. So ſteht es in unſerm Lande. In Europa ſieht es nicht beſſer aus. Die Theologen, von denen man ſagt, daß ſie an der Spitze ſtehen, haben ſich abgewandt von der Lehre, die JEſum als unſern göttlichen Hohenprieſter preiſt. Harnack, Söderblom, Seeberg, Deißmann, Dean Inge, das ſind Namen bekannter Größen, und wir finden ſie alleſamt in Gegenſtellung zu der Lehre von der Verſöhnung durch Chriſti Blut. Die Lage iſt demnach überaus traurig. Es iſt klar, daß wir in einer Luft leben, die ſehr gefährlich iſt für alle Kinder Gottes, die bei der Schriftwahrheit bleiben wollen. überall wird das Gift des Unglaubens und der Chriſtusfeindſchaft, der Feindſchaft gegen unſere Zentrallehre ausgeſtreut. Wie leicht werden auch wir davon angeſteckt! Wenn ſo vielfach um uns herum Chriſti hoheprieſter⸗ liches Wirken geleugnet wird, und wenn alſo Feſthalten an dieſer großen Wahrheit bedeutet, daß wir gegen den Strom ſchwimmen müſſen, dann iſt es wahrlich nicht leicht, hier treu zu bleiben. Abgeſehen von allem andern, abgeſehen von der Tatſache, daß dieſe Lehre ſozu⸗ ſagen das Brot iſt, das wir jeden Tag bedürfen, macht dieſe Lage in der äußeren Chriſtenheit es ratſam, daß wir uns die herrliche Wahrheit von JEſu als unſerm Hohenprieſter bei dieſen unſern Verſammlungen vor⸗ führen und uns zum Feſthalten daran ermuntern. Und ſo wollen wir denn an unſere Verhandlungen herantreten mit dem aufrichtigen Gebet in unſerm Herzen, Gott wolle durch das, was hier geſagt wird, uns ſtärken, daß wir dem modernen Unglauben, der uns den Heiland rauben will, widerſtehen und bis ans Ende beim alten Evangelium von der Erlöſung durch Chriſti Blut beharren. Noch einen Gedanken möchte ich eingangs ausſprechen. Wenn wir auf den in unſerer Zeit weitverbreiteten Gegenſatz zu der Lehre von JEſu hoheprieſterlichem Wirken blicken, ſo entſteht die Frage: Wie kön⸗ nen wir dieſem Unglauben am wirkſamſten entgegenarbeiten? Es möchte dieſem oder jenem ſcheinen, der beſte Weg wäre, daß man über⸗ zeugend darlege, das hier von uns Gelehrte ſei nicht gegen die Vernunft; im Gegenteil, unſer Denken führe uns notwendigerweiſe geradehin zu den Lehrſätzen, die wir dieſes Stück betreffend in der Heiligen Schrift aufgezeichnet finden. So eine Annahme wäre grundverkehrt. Nicht mit philoſophiſchen Erörterungen, nicht mit tiefen mehr oder minder ſchwer⸗ verſtändlichen Spekulationen werden wir der Predigt von JEſu, unſerm Hohenprieſter, zum Siege verhelfen können. Auf der Vernunft be⸗ ruhende Beweisführungen haben nur den Wert, zu zeigen, daß die Gegner mit Waffen kämpfen, die bei gründlicher Prüfung ihr eigener Verſtand nicht als genügend anerkennt. Es wird dadurch dann die Haltloſigkeit ſo vieler Behauptungen gegen die chriſtliche Lehre von der Verſöhnung offenbar. Aber die Nichtigkeit eines Arguments erkennen und die mit letzterem bekämpfte Lehre annehmen — das ſind zwei ſehr verſchiedene Dinge. Nein, die Apoſtel JEſu haben uns den rechten Weg