# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1928_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Verhandlungen der einunddreißigſten Verſammlung Lehrverhandlungen. JEſus Chriſtus unſer einiger und ewiger Hoherprieſter. Referent: Prof. W. Arndt. Wir wollen dieſes Jahr in unſerer Verſammlung, wie angekün⸗ digt, miteinander das Thema beſprechen: JEſus Chriſtus unſer einiger und ewiger Hoherprieſter. Nicht als ob etwa hierüber in den Kreiſen der Synodalkonferenz ein Streit ausgebrochen wäre und es deshalb nötig ſchiene, dieſen Gegenſtand einmal hier ausführlich zu behandeln. Gott ſei Lob und Dank, wir ſtehen hier wie ein Mann und verteidigen die große Wahrheit der Heiligen Schrift, daß JEſus unſer einiger und ewiger Hoherprieſter iſt. Man kann wohl noch weiter gehen und ſagen: Nicht bloß in den Kreiſen der Synodalkonferenz, ſondern überhaupt in der lutheriſchen Kirche Amerikas wird die Lehre des göttlichen Wortes in dieſem Stücke feſtgehalten. Soweit ich weiß, hat ſich in andern Synoden kein Widerſpruch gegen die große Lehre vom Hohenprieſtertum JEſu erhoben. Während wir an der Lehrſtellung der Synoden, die nicht mit uns glaubenseinig ſind, ſo manches zu tadeln haben, während beſonders gerade in der United Lutheran Church in der letzten Zeit wieder ganz ausdrücklich die Lehre von der Irrtumsloſigkeit der ganzen Heiligen Schrift in Zweifel gezogen worden iſt, und zwar an ſehr prominenter Stelle, ſo daß man fürchten muß, das Fundament der chriſtlichen Lehre werde in dieſem lutheriſchen Körper untergraben, ſo hält man doch in dieſen Synoden allgemein feſt an der Hauptwahrheit des Chriſtentums, daß Chriſtus unſere Sünden getragen hat; und das iſt es ja, was wir durch unſer Bekenntnis zu JEſu als unſerm Hohenprieſter lehren. Es iſt alſo nicht ein Lehrſtreit in der lutheriſchen Kirche Amerikas, was unſer Thema nahegelegt hat. Aber die Lage in der Kirche im allgemeinen läßt allerdings eine Beſprechung dieſes großen Gegenſtandes als zeitgemäß erſcheinen. In der heutigen Chriſtenheit wird nämlich gerade die Lehre von JEſu Erlöſung und der Verſöhnung Gottes durch ihn mehr und mehr geleugnet. Es hängt das zuſammen mit dem allgemeinen Abfall von der geoffenbarten Wahrheit, den wir um uns her wahrnehmen. Freilich hat es ſchon längſt in der äußeren Chriſtenheit bewußte Leugner der ſtellvertretenden Genugtuung unſers Heilandes — und damit der Hauptſache in ſeinem hoheprieſterlichen Wirken — gegeben. Und jedesmal wenn eine große Woge des Rationalismus, des Vernunft⸗ glaubens, das Schifflein der Kirche Gottes zu verſchlingen drohte, zeigte ſich auch viel Feindſchaft gegen dieſes Stück der göttlichen Offenbarung. Es iſt darum das heutige Geſchrei gegen die Lehre, daß JEſus als unſer Hoherprieſter ſich ſelbſt geopfert und ſein Blut für uns vergoſſen hat, durchaus nichts Neues, und die Gegner haben kein Recht, ſich den An⸗ ſchein zu geben, als hätten ſie jetzt im neunzehnten und zwanzigſten Jahrhundert eine große Entdeckung gemacht, nämlich dieſe, daß doch die Lehre von JEſu als dem Hohenprieſter ſehr ungereimt ſei und ſich für unſer erleuchtetes Zeitalter nicht mehr eigne. Schon längſt dageweſen! rufen wir dieſen Leuten zu. Die Kirche JEſu hat ſich ſchon viele Jahrhunderte mit den Gründen, die dieſe Feinde des Chriſtentums vorbringen, befaßt und ſie widerlegt. Aber eins muß zugegeben werden, und das iſt, daß die Bekämpfung der Lehre von JEſu hoheprieſterlichem Wirken in der äußeren Chriſtenheit jetzt eine Ausdehnung angenommen hat wie wohl nie zuvor. Nicht nur in theologiſchen Zeitſchriften, ſondern auch in Unterhaltungsblättern wird dagegen geſchrieben. Bücher kommen auf den Markt, die gerade für