# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der achtundzwanzigſten Verſammlung “We All Believe in One True God”, “Abide, O Dearest Jesus, among Us with Thy Grace”. Es rührt einem das Herz, wenn man abends in ländlicher Stille daſitzt, und aus der Hütte am Rand des Fichtenwaldes da drüben und über das Baumwollfeld daher dringt an unſer Ohr aus dem Munde ſchwarzer Kinder das in unſerer Kindheit gelernte Lied „Müde bin ich, geh' zur Ruh'“: Now the light has gone away, Savior, listen while I pray, Asking Thee to watch and keep, And to send me quiet sleep. Nicht alle Negerkinder, die unſere Schulen beſuchen, ſchließen ſich auch der lutheriſchen Kirche an. Doch der göttliche Same, der hier ausgeſtreut wird, geht vielleicht ſpäter auf. Ein Miſſionar verlor einen Knaben aus der Schule und aus den Augen. Nach einigen Jahren fand er ihn faſt zufällig auf dem Krankenbett. „Herr Paſtor, ich ſetze meine Hoffnung ganz auf meinen HErrn JEſum“, ſagte der kranke Knabe. Der Strahl dieſer Hoffnung leuchtete ihm dann bald hinüber ins himm⸗ liſche Paradies, wo er ſeinen JEſum jetzt ſieht „von Angeſicht zu An⸗ geſicht in ew'ger Freud' und ſel'gem Licht“. Lehrer Dietrich Meibohm, der ſchon über achtundzwanzig Jahre Hunderte von Negerkindern zu Chriſto, dem Kinderfreund, geführt hat (er hatte einmal 120 in der Klaſſe anweſend), erzählt folgendes Erlebnis: „Einmal kam nach Schluß der Schule eine reichgekleidete Negerin in den Schulhof und fragte mich, ob ich der Lehrer M. ſei. Als ich dies bejahte, erklärte ſie: ‚Ich komme von Defiance, und meine jetzige Schwägerin, Klara B., die früher bei Ihnen in die Schule gegangen iſt, hat mich gebeten, Sie zu grüßen. Sie ſagte mir, ſie würde ihren Heiland nie kennen gelernt haben, wenn ſie nicht in Ihre Schule gekommen wäre.‘“ So läßt Gott es die Miſſionsarbeiter in der Schule ſchon hier nach Jahren erfahren, daß ihre Arbeit doch nicht vergeblich war. Erſt der Jüngſte Tag wird es offenbaren, wie viele Negerkinder durch die Schule auf den Weg gebracht worden ſind, der in den Himmel führt. In den Gottesdienſten unſerer Negergemeinden geht es ganz anders her als in den lärmenden, wilden „Gottesdienſten“ der gewöhnlichen Negerkirchen. Wenn unſere lutheriſchen Neger in ihre Kirche kommen, ehe der Gottesdienſt angefangen hat, ſetzen ſie ſich ruhig hin; und wenn ſie leſen können, öffnen ſie etwa das Geſangbuch und leſen darin. Kräftig erſchallt der Gemeindegeſang. Sie ſingen mit Vorliebe unſere ſchönen lutheriſchen Lieder. Es hört ſich fein an. Beim erſtmaligen Beſuch treten dem weißen Beſucher etwa Tränen in die Augen. Nun hält der Paſtor die Predigt. Sie iſt bibliſch⸗lutheriſch. Gottes Wort und Luthers Lehr' wird in ruhiger, erbaulicher Weiſe vor⸗ getragen, von den farbigen Paſtoren (18) ſowohl als von den weißen. Andächtig und aufmerkſam hören die Leute zu. Zuweilen dauert der Gottesdienſt drei bis vier Stunden. Sonderlich an neuen Orten können die Leute ſich kaum ſatt hören. Ein Glied der Miſſionskommiſſion viſitierte einſt eine Station, an der vor etwa fünf Monaten die Arbeit