# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Verhandlungen der achtundzwanzigſten Verſammlung Mit wenigen Ausnahmen iſt das Predigen der farbigen Paſtoren im höchſten Grade ein die Gefühle aufregendes (emotional in the highest degree), und der Paſtor hält ſich in dem Grade erfolgreich, als es ihm gelingt, die Leute in der ganzen Verſammlung hinzureißen zu Stöhnen, wildem Schreien und Umhertanzen, bis ſie endlich in bewußtloſe Ent⸗ zückung fallen (finally going into a trance). Eine der Hauptaufgaben der meiſten dieſer Prediger beſteht darin, ihren Gehalt aufzutreiben, und dieſem Zweck wird alles andere untergeordnet. Der größte Teil des Gottesdienſtes ſcheint zu beſtehen in Verſuchen, Geld aus den Far⸗ bigen herauszuſchlagen. Nicht einer unter zwanzig Negerpredigern hat Kredit in ſeiner Nachbarſchaft, und wer ſie am beſten kennt, traut ihnen am wenigſten ſowohl in Geldſachen als in moraliſcher Hinſicht im all⸗ gemeinen. . . . Viele Kirchenglieder wiſſen ſo wenig vom wahren Chri⸗ ſtentum wie irgendwelche Leute in Afrika oder Japan und haben es ebenſo nötig wie Heiden in fernen Landen, daß unter ihnen miſſioniert wird.“ So weit Booker Waſhington. Was er ſagt, können unſere Miſ⸗ ſionare im Süden hundertfach beſtätigen. Wie arbeiten unſere Miſſionare nun unter dieſen armen, verführ⸗ ten, abergläubiſchen Negern? Die Hauptarbeit geſchieht mit in der Miſſionsſchule. Wir haben im ganzen 35 Miſſionsſchulen, in denen 9 ſchulehaltende Pa⸗ ſtoren, 14 Lehrer ſowie 35 Lehrerinnen tätig ſind. Dieſe Schulen werden von etwa 2800 jüngeren und älteren Schülern beſucht. Unter den älteren Schülern ſind zuweilen auch ſolche, die ſchon ſtimmen könnten. Es nimmt ſich ſonderbar aus, wenn dieſe mit den Abcſchützen in einer Klaſſe ſind. Doch ſie genieren ſich nicht. Unter den Schülern ſind alle Schattierungen von Schwarz vertreten. Einigen würde es ein Nordländer kaum anſehen, daß ſie dem Südländer als Neger gelten. Die Kinder kommen zumeiſt aus Hütten der Armut und in armſeliger Kleidung. In den Städten ſind ſie meiſtens auf den Straßen aufge⸗ wachſen. Vom lieben Heiland wiſſen ſie wenig oder gar nichts. “I knowed a whole heap about Him; but I done forgot it all”, ſagte ein großer Junge, als er in die Miſſionsſchule eintrat. Ein fünfzehn⸗ jähriges Mädchen meinte, wir feierten Weihnachten, “because Lincoln made the Niggers free”. Anſtand und Ordnung haben ſie meiſtens nicht gelernt. Wild und ſchmutzig kommen ſie erſt zur Schule. Der Lehrer hat ſeine liebe Not, bis er ſie bändigt. — Was lernen ſie denn in den Miſſionsſchulen? Leſen, Schreiben, Rechnen und andere Dinge, die ihnen für dies Leben nützlich ſind. Unſere Schulen haben den Ruf, daß ſie etwas Tüchtiges leiſten. Während des Krieges, als man unſere Schulen in Verdacht hatte, mußte der ſüdländiſche Berichterſtatter in einer New Yorker Zeitung von unſern Schulen erklären: “They have done, first and last, no doubt, a very creditable work”, das heißt, ſie haben je und je ſehr Gutes geleiſtet. Wenn ein Feind dies ſagt, dann wird es wohl wahr ſein. Doch das Beſte, was die Kinder in unſern Miſſionsſchulen lernen,