# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 15_S118 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — — ihnen Gewiſſensſache iſt, unſtudirte Prediger zu haben; daß ſie aber ſo frech ſind, trotz ihrer eingeſtandenen Ignoranz, zu behaupten, daß die erſten kirchlichen Schriftſteller Patrone ihrer gottloſen Schwärmerei und ihrer Ver— werfung der klaren Worte Chriſti ſeien, das iſt unverzeihlich. Jene Worte enthalten zwei geſchichtliche Verfälſchungen. Erſtlich iſt es unwahr, daß die erſten Kirchen nur die geiſtliche, aber nicht die leibtiche Gegenwart Chriſti im heil. Abend⸗ mahl gelehrt haben. Wir müſſen leider hier ſelbſt zu unſerer Schande bekennen, daß wir, als wir durch Gottes Gnade vor 17 Jahren als studiosus theologiae zu Leipzig erweckt wurden, uns auch erſt aus Vernunftſtolz über⸗ reden wollten, Chriſti Worte: „Das iſt mein Leib“ ꝛc. könne man unmöglich, wie ſie lauten, nehmen. Chriſtus habe damit gewiß etwas anderes ausdrücken wollen, als was dieſe ein— fachen Worte wirklich ſagen. Wohl ein Jahr lang wehrten wir uns, hier unſere Vernunft dem Worte deſſen, der nicht lügt, zu unterwer⸗ fen. Wir dachten aber oft bei uns ſelbſt: ſollte es ſich zeigen, daß ſchon die erſte Kirche Chriſti Worte, wie ſie lauten, verſtanden habe, dann ſei es doch wohl gefährlich, davon abzu— gehen, ja außer Zweifel, daß der buchſtäbliche Sinn der rechte ſei. Was geſchah? Gott, der mit der Schwachheit Geduld hat, ſchickte es, daß uns in dieſer Zeit die Briefe der apoſtoli⸗ ſchen Väter in die Hände kamen. Wir laſen! dieſelben mit großem Intereſſe und gerade ſie, wurden in Gottes Hand das Mittel, uns von unſerem „reformirten“ Unglauben zu heilen. Später jedoch wurde es uns offenbar, wie fre— velhaft wir gehandelt hatten; denn iſt es nicht frevelhaft, Gottes klarem Wort nicht eher glau— ben zu wollen, als bis Menſchen ihm Zeugniß geben? Wäre es nicht auch möglich geweſen, daß die Schriftſteller ſchon der erſtenſchriſtlichen Zeit von Gottes Wort ſich hätten abführen laſſen? Vielleicht iſt es manchem nicht unlieb, einige Zeugniſſe der erſten kirchlichen Schreiber von der leiblichen Gegenwart Chriſti im heiligen Abendmahl zu leſen. Wir haben uns Zeug⸗ niſſe aus allen Jahrhunderten geſammelt, welche wir vielleicht ſpäter einmal vollſtändig mittheilen werden. Für diesmal laſſen wir nur einige aus der erſten Zeit folgen. Das Zeugniß, welches uns herrlich zu ſtat— ten kam, als wir uns noch von dem Winde der Menſchengedanken hatten wägen und wiegen laſſen, fanden wir im Briefe des Ignatius. Derſelbe war Biſchof zu Antiochien in Syrien. Er ſagt ſelbſt in ſeinem Briefe an die Ge— meinde zu Smyrna, er „habe den HErrn ſelbſt nach ſeiner Auferſtehung im Fleiſche geſehen.“ Chryſoſtomus erzählt von ihm, daß er mit den Apoſteln, inſonderheit mit Johannes einen ver— trauten Umgang gepflogen habe. Sein Wahl— ſpruch war: „Meine Liebe iſt gekreuzigt.“ Als der Kaiſer Trajan einſtmals nach Antiochien kam und Ignatius vor demſelben den Gekreu- zigten freimüthig bekannte, ſo verurtheilte der Kaiſer ihn, nach Rom gebracht und daſelbſt zur Beluſtigung des römiſchen Volks den Lö⸗ 118 wen vorgeworfen und von ihnen zerriſſen zu werden. Sogleich wurde Ignatius in Ketten gelegt, und nach Rom abgeführt, wo er dann im Jahre 115 den Märtyrertod mit großer Freudigkeit erduldete. Auf ſeiner letzten Reiſe nach Rom ſchrieb Ignatius mehrere Briefe, welche wir noch haben. In denſelben warnt der theure Märtyrer die Gemeinde vor der Verführung der ſchon damals zahlreichen Irr— lehrer und ermahnt ſie zur Beſtändigkeit. Un⸗ ter andern warnt er in ſeinen Briefen an die Gemeinde zu Smyrna dieſelbe vor den ketzeri⸗ ſchen Doketen, welche lehrten, Chriſtus habe nur einen Scheinkörper gehabt, die daher natürlich das heilige Abendmahl verachteten. Dies wurde daher auch dem Ignatius eine Veranlaſſung, ſich über das heil. Abendmahl anszuſprechen. Er ſchreibt aber in dem ange⸗ zogenen Briefe (e. 7.) Folgendes: „Sie“ (die ketzeriſchen Doketen) „enthalten ſich von dem Genuß des heil. Abendmahls und vom Gebet“ (bei Haltung deſſelben), „weil ſie nicht beken— nen, daß das heil. Abendmahl der Leib unſeres Heilandes IEſu Chriſti ſe i, der für unſere Sünden gelitten und wel⸗ chen der Vater nach ſeiner Güte auferweckt hat. Die nun dieſer göttlichen Gabe widerſprechen, kommen um mitten im Zank, es wäre ihnen aber nützlicher, Liebe zu üben, auf daß ſie auch wieder auferſtünden. Darum iſt es billig, ſich von ſolchen enthalten, und weder in öffentlicher noch beſonderer Unterredung ihrer zu gedenken, ſondern Acht haben auf die Pro— pheten, vornehmlich auf das Evangelium“ ꝛc. Derſelbe Ignatins ſchreibt in ſeinem Briefe an die Philadelphier (c. 4.): „Befleißiget euch, daß Ihr Ein Abendmahl gebrauchet. Denn es iſt Ein Fleiſch unſers HErrn IEſu Chriſti, und Ein Kelch in der Vereinigung mit ſeinem Blut.“ Begehren die Herrn Methodi— ſten noch mehr Zeugniſſe, daß in den erſten Jahrhunderten der chriſtlichen Zeitrechnung die rechtgläubigen Chriſten keine andere, als die lutheriſche Lehre vom heil. Abendmahle ge— glaubt und bekannt haben? In nächſter Num— mer ſollen noch einige folgen. (Schluß folgt.) Amas de Bourg. Es iſt bekannt, daß der römiſche Stuhl es nicht ohne Erfolg einſt verſucht hat, die Könige der Erde zu ſeinen Vaſallen, und dieſe ſeine Vaſallen zu ſeinen Henkern zu machen, und daß ihnen letzteres beſonders bei den Königen von Frankreich und Spanien am meiſten geglückt iſt. Es iſt gewiß gut, wenn man in unſerer Zeit, wo die „zärtliche Mutter“ ihre irrenden Kinder nicht verbrennt, ſondern mit zarten und zärtlichen Worten ruft und lockt, fortwährend an die Blutſchulden der römiſchen Kirche erin— nert, wofür ſie noch immer nicht Buße gethan hat. Zu ſolcher Erinnerung diene folgende Geſchichte. Bei einer den 15. Juni 1559 von Heinrich dem II., König von Fraukreich, gehaltenen Lit de justice (feierliche Königsſitzung,) hatte der Parlamentsrath Amas de Bourg kühn und frei die Sache der ſchrecklich verfolgten Prote— ſtauten vertheidigt. Der darüber aufs heftigſte erzürnte König ließ ihn und vier andere Räthe, die ſeines Sinnes waren, verhaften. Er er— griff mit ſeinen Leidensgefährten alle juridi⸗ ſchen Vertheidigungsmittel, allein ſeine Geſin⸗ nung verhehlte er ſo wenig, daß er vielmehr in einem öffentlichen Glaubensbekenntniß unge— ſcheut bekannte, er ſei ein Feind des nur auf Menſchenſatzungen ſich gründenden Pabſtthums und erkenne nur allein die Heilige Schrift als Quell der Wahrheit und als Richtſchnur des Lebens an. Bei einem ſolchen Bekenntniß hieß es freilich: Was bedürfen wir weiter Zeugniß, er iſt des Todes ſchuldig. So wurde er dann verurtheilt, er ſolle gehenkt und ſein todter Körper dann verbrannt werden. Beim Empfang ſeines Urtheils hielt er an ſeine Richter eine Rede, die alle bewegte und viele bis zu Thränen rührte. — „Ich danke,“ ſprach er, „Gott, daß er mich der Gnade würdigt. für ihn zu ſterben, und euch bedauere und vergebe ich, weil ihr durch die ſinnverwirrende Botin der Hölle, die tödtliche Feindin der Wahrheit, durch die Lüge euch habt täuſchen laſſen. Wie? Furcht ſollte uns ergreifen und erſchüttern? Sollten wir nicht vielmehr kühn, ja unüber⸗ windlich ſein, da wir wiſſen, daß nur Meuſchen wider uns ſind, Gott aber für uns iſt. Unſer Vater im Himmel, du hilfſt uns und ſchenkſt uns Licht, die Wahrheit zu erkennen, Kraft, ſie zu bekennen. Oeffnue, o HErr, öffne auch dei— nen Widerſachern die Augen, damit ſie einſehen, daß ihnen gefallen dir mißfallen, ihnen gehor⸗— chen dir widerſtreben heißt. Ihr weint? Wei⸗ net nicht über uns, weinet über euch ſelbſt, da ihr die Stimme des ſtrafenden Geiſtes hört, ohne ihr zu folgen. — Wir, die Gerichteten, freuen uns des Gerichts und jauchzen in den Flammen, die ihr anzündet. Welche Fallſtricke man uns auch lege, welches Ulebel man uns auch zufüge, nichts kann uns von unſerem HErrn und Meiſter, IEſus Chriſtus, ſcheiden. Wir wiſſen es, zur Schlachtbank beſtimmt ſind wir, gleich dem Lamme Gottes. Aber man tödte, man zermalme uns! die in dem HErrn geſtor-— ben ſind, werden auferſtehen und leben. Soilte ich wohl zagen? Ich bin ein Chriſt, ja ich bin ein Chriſt, ſterbend will ich laut den Ruhm meines HErrn IEſu ausrufen. So komm denn, Henker, ergreife mich und führe mich zum Tode.“ Standhaft ging er demſelben entgegen. Er wandte ſich noch einmal an das Volk und weit tönten und wirkten die Worte, welche er auf dem Schaffot ſprach, dann entbkößte er ſein Haupt und als er in die Höhe gezogen ward, rief er aus: O mein Gott, verlaß mich nicht, damit ich dich nicht verlaſſe. Er ſtarb acht und dreibig Jahre alt, von Vielen bedauert, in ganz Paris, ja in ganz Frankreich als einer der edelſten Männer bekannt. Gebetseifer eines Predigers. Von Bugenhagen, Luthers Beichtvater, wird erzählt, daß es ihm in früheren Jahren oftmals begegnet ſei, daß er vor der Presdigt im Gebete vor Gott die Stunde der Predigt ſelbſt vergaß, und daß er bei einer ſolchen Ge— legenheit einmal mit den Worten die Kanzel betreten habe: „Wundert euch nicht, lieben Freunde, ich bin von Goit aufgehalten worden, mit dem ich in ein langes Geſpräch von der Kirche, der Univerſität, der Stadt (Witten⸗ berg) und der ganzen Chriſtenheit gerathen bin.“ Bezahlt. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. H. Johanning. 1. 2. „ „ 3. „die Herren Brink, F. Ellerbu Kollmeier, J. M. Krauß. ſch o 3. Jahrg. Herr Paſt. J. M. Krauß. 4. H. Kollmeier. 1. Hälfie ves 4. Jabrg. Herr J. M. Krauß. Erhalten von Paſt. Wege $14.00. Erhalten für die lutber. Heidenmiſſion am Fluſſe Cass, Mich., von der lutheriſchen Gemeinde in Bucyrus, Crawford Co., O., durch Hrn. Paſt. J. Krauß 82.00. Gedruckt bei Arthur Olshauſen. * —