# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der achtundzwanzigſten Verſammlung mal einen Sieg ſeiner Macht für unſere Schule verleihen will. Aber eine Verheißung haben wir dafür nicht. Wenn wir daher zu ſehr auf einen ſolchen Sieg rechnen, wenn wir uns zu ſehr um ihn bemühen, mögen wir bitter enttäuſcht werden. Ja, es mag geſchehen, daß wir dabei durch unſere eigenen Bemühungen die Sache verderben und gerade den eigentlichen Sieg aus den Händen verlieren. Worin beſteht denn nun der eigentliche Sieg? Das liegt im Weſen des Kampfes, der ja ein Kampf des Zeugniſſes iſt. Der Sieg beſteht darin, daß wir ſelbſt im Zeugnis immer feſter gegründet und in der Verrichtung des Zeugniſſes immer klarer, entſchiedener und freudiger werden. Dazu gehört mancherlei, vor allen Dingen Buße. Wenn wir uns in den Gedanken einwiegen, daß wir bisher unſere Schulſache, unſere Schularbeit und unſere Schulkämpfe immer ordentlich geführt haben und noch führen, ſo ſind wir ſchon verloren. Es genügt auch nicht, daß wir ſo im allgemeinen ſagen, daß nicht alles ganz korrekt geweſen ſei, daß viel Schwachheit und Mängel mit untergelaufen ſeien; nein, wir müſſen forſchen und ſuchen, wo wir gegen unſern Zeugenberuf gefehlt haben. Da ließe ſich mancherlei ſagen. Doch da ich nicht meiner Brü⸗ der Herzen prüfen kann, ſo kann ich auch nur von ſolchen Fehlern reden, die ich in mir ſelbſt gefunden habe. Da ich aber in gewiſſem Sinne auch nur ein Kind meiner Zeit bin, ſo dürfte die Annahme nicht ganz ohne Grund ſein, daß ſich dieſelben Fehler auch bei andern finden. Da finde ich bei mir einige Dinge, die gegen das Zeugenamt im allgemeinen verſtoßen, die dann aber natürlich auch meine Schularbeit beeinfluſſen. Zuerſt vergeſſe ich immer wieder, und ſo ſehr leicht, daß das Zeugenamt das Höchſte auf Erden iſt, und meine Begierden ſchweifen hinüber zu den Gütern dieſer Erde. Ein herrliches Kirchen⸗ eigentum macht leicht tieferen Eindruck auf mich als die Predigt des Evangeliums. — Wenn mich meine Beobachtung nicht täuſcht, iſt dieſe Anfechtung bei uns ſehr allgemein. Sodann entſchwindet mir oft das klare Bewußtſein davon, daß Chriſtus und die Welt unverſöhnliche Gegenſätze ſind. Ich vergeſſe es, daß ich mit dem rechten Zeugnis von Chriſto mir unfehlbar den Haß der Welt zuziehen muß. Ich gebe mich dem Gedanken hin, wenn die Welt mich nur genauer kennte, müſſe ſie mich bewundern und lieben und mir gratulieren. — Und wiederum ſcheint mir meine Beobachtung zu zeigen, daß auch dieſe Anfechtung weite Kreiſe unter uns plagt. Endlich merke ich auch dies bei mir: Mein Werdegang fällt in eine Zeit, da das Evangelium bei uns in gewiſſen ausgebildeten Formen vorlag. Nun gewinnen bei mir häufig die Formen übermäßig an Be⸗ deutung, während das eigentliche Leben ſtark zurücktritt. Es ſtellt ſich Verholzung, Erſtarrung ein. üppig treibende Waſſerſchoſſe täuſchen wohl Leben vor, ſind aber eigentlich ein Zeichen von Erkrankung. — Und wiederum ſcheint es mir, daß ich nicht der einzige bin, der von dieſer Anfechtung zu leiden hat.