# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1922. 19 Was haben wir unter den veränderten Verhältniſſen als Zeugen JEſu zu tun? Es iſt klar, daß mit Abſolvierung der Elementarſchule die Zeit der Erziehung noch nicht abgeſchloſſen iſt. Im Gegenteil, der junge Menſch tritt jetzt in eine Periode ein, die, wenn richtig geleitet, für das ganze Leben den ſegensreichſten Einfluß haben kann, die aber auch, wenn nicht richtig geleitet, den ſittlichen und religiöſen Ruin be⸗ deuten kann. Es iſt allgemein bekannt, wie wichtig dieſe ſogenannten Entwicklungsjahre für die Erziehung ſind. Man braucht dieſe Dinge nur zu nennen, ſo iſt für einen Zeugen JEſu Chriſti auch ſofort klar, was er zu tun hat. Da unter den ge⸗ gebenen Verhältniſſen das Zeugnis kaum anders als durch die Form einer Schule ausgerichtet werden kann, ſo müſſen wir eben hie und da im Lande, beſonders in lutheriſchen Zentren, Hochſchulen ins Leben rufen. Es mag das große Geldopfer erfordern, es mag den Prediger⸗ mangel momentan verſchärfen, das ſind nicht die Dinge, die einen Zeugen JEſu beſtimmen. Er iſt ſtets Zeuge, alles andere ſind (im Vergleich zu dem Zeugnis) geringfügige Nebenfragen. So iſt ein Chriſt allezeit nichts und will nichts weiter ſein als ein Zeuge JEſu Chriſti. Wenn er ſeine Arbeit im Reiche Gottes verrichtet, ſo iſt ſein einziges Werkzeug das Zeugnis; und wenn er für die Sache des Reiches Gottes kämpft, ſo weiß er von keiner andern Waffe als dem Zeugnis. Er iſt ſich im Kampf des unverſöhnlichen Gegenſatzes bewußt und zeugt, zeugt mit ſeinem Wort, zeugt mit ſeinem Wandel, zeugt mit ſeinem Gut, zeugt mit ſeinem Leiden und Tod. Und ſein Heiland, der ihn zu ſeinem Zeugen ernannt hat, ſteht ihm bei und gibt ihm durch das Zeugnis den Sieg. V. Weil unſer Schulweſen Sache des Reiches Gottes iſt, wird Gott uns mächtig beiſtehen und den Kampf zum Siege führen. Was heißt Sieg? Wir machen uns oft noch recht fleiſchliche Ge⸗ danken darüber und vergeſſen, daß ein Sieg, den ein Zeuge JEſu anſtrebt, doch ganz anders ausſieht als ein Sieg, den ein Feldherr oder ein Poli⸗ tiker oder ein Geſchäftsmann oder ein Advokat oder ein Disputant u. dgl. zu erringen ſucht. Wir verſtehen unter Sieg im Schulkampf gerne etwa dies, daß den Feinden, die ja unſere Ziele in der Schulerziehung gar nicht kennen, die Augen über unſere Schulen aufgehen, daß ſie unſere Leiſtungen anerkennen, anſtaunen und aus Gegnern zu Bewunderern unſerer Schule gemacht werden, ohne daß ſie jedoch dabei ihre Grund⸗ ſtellung zu Chriſto ändern. Oder wir verſtehen unter Sieg gar dies, daß die Feinde an der Schulfrage ſich ſo gründlich die Finger ver⸗ brennen, daß ſie um ihrer eigenen politiſchen Exiſtenz willen ſie in Zu⸗ kunft nicht wieder anzurühren wagen. Solche und ähnliche Gedanken machen wir uns gerne, wenn wir vom Sieg im Schulkampf reden. Das iſt gefährlich. Da wir eben das Fleiſch noch an uns haben, ſo werden derartige Gedanken bei keinem unter uns ausbleiben; aber