# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der achtundzwanzigſten Verſammlung etwas gilt; wenn die Gnade Gottes in ſouveräner Majeſtät beides bei⸗ ſeiteſchiebt und ohne irgendwelche weitere Rückſicht Sünder ſelig macht, was könnte dann einen Menſchen wohl noch bewegen, im Intereſſe der Rechtſchaffenheit auch nur die geringſte Anſtrengung zu machen? Dann muß ja die Welt moraliſch verſumpfen. Um das zu verhüten, hält es der natürliche Menſch für ſeine unabweisbare Pflicht, den Wahn von der freien Gnade zu bekämpfen und mit Stumpf und Stiel auszurotten. Als Paulus mit JEſu Predigt die Welt durchzog, wurde ſeine Lehre nicht nur ſpottend ſo zuſammengefaßt: „Laſſet uns übel tun, auf daß Gutes daraus komme!“ Röm. 3, 8, ſondern er und ſeine Anhänger wurden auch aufs wütendſte verfolgt. Genau dasſelbe müſſen wir ge⸗ wärtigen, wenn wir das unverfälſchte Evangelium verkündigen. Wir werden dadurch nicht die bewundernden Blicke einer ſtaunenden Welt auf uns lenken, ſondern beißenden Spott und blutigen Haß. Wie ſollen wir aber Evangelium predigen, da doch auch wir in dem natürlichen Sinn geboren ſind? Es muß eine fundamentale Änderung in unſerer ganzen Anſchauungsweiſe, in unſerm ganzen Gefühlsleben, in Gemüt und Willen vor ſich gehen. Wir müſſen Buße tun, wir müſſen uns bekehren, wir müſſen von neuem geboren werden, der Geiſt muß durch den Glauben ein neues Leben in uns ſchaffen, ein Leben, gegen das wir uns aus aller Macht wehren, bis es der Geiſt durch die überſchwenglichkeit ſeiner Gnade in uns pflanzt und uns aus Geſetzes⸗ menſchen zu Evangeliumsmenſchen, aus Lohnknechten zu Gnaden⸗ kindern macht. Nun hat uns JEſus zu ſeinen Zeugen ernannt und gemacht durch die Kraft des Geiſtes. Was bedeutet das? Was iſt die Art eines Zeugen? Wodurch unterſcheidet ſich die Tätigkeit eines Zeugen von andern Betätigungen? Eins geht aus dem bisher Geſagten ſchon hervor: Unſere Aufgabe geht über die eines gewöhnlichen Zeugen weit hinaus. Ein gewöhn⸗ licher Zeuge hat die Wahrheit ſolchen Leuten zu erhärten, die ſie noch gar nicht oder nicht genügend kannten. Unſer Zeugenamt bringt es mit ſich, daß wir die Wahrheit ſolchen Leuten gegenüber behaupten, die, ſobald ſie ſie hören, ſie und ihre Zeugen auf das grimmigſte haſſen und bekämpfen. Unſere Zeugenarbeit iſt deshalb nicht einfach eine Sache der Aufklärung. Zeugnis iſt mehr als Verkündigung. Wir ſind aller⸗ dings auch dazu berufen, daß wir Boten des HErrn JEſu ſein und ſein Evangelium verkündigen ſollen, aber noch viel mehr. Es mag jemand eine Botſchaft übermitteln, die er nur vom Hören⸗ ſagen kennt; es mag ihm der eigentliche Inhalt der Botſchaft verborgen ſein, er überbringt nur Worte; ja es mag jemand der Bote einer Sache ſein, die er ſelbſt nicht glaubt. Aber Zeuge kann einer nur in einer ſolchen Sache ſein, die er ſelbſt erlebt und erfahren hat. Dafür ſorgt unſer HErr JEſus, der uns zu ſeinen Zeugen haben will, zuerſt, daß wir die Kraft des Heiligen Geiſtes empfangen und durch dieſe Kraft ihn als unſern Heiland im Glauben erleben und erfahren. Und das er⸗