# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1922. 15 und ein beſſeres Leben zu führen, auch nicht, was er geleiſtet, welche Opfer er gebracht habe u. dgl., um die begangenen Sünden wieder gut⸗ zumachen; ſie haben auch nicht Bedingungen geſtellt, die nach Er⸗ langung der Vergebung erfüllt werden müßten. Sie haben ohne Ver⸗ klauſulierung die Vergebung verkündigt. Sie gingen dabei einfach von der Vorausſetzung aus, daß alle Menſchen Sünder, nichts als Sünder ſind und alle in gleicher Verdammnis liegen, und daß für alle die Recht⸗ fertigung vorhanden iſt und ihnen nur zugeſprochen zu werden braucht. Das iſt der natürlichen Vernunft abermals ein Hohn auf alle Gerechtig⸗ keit, daß man durch das einfache Glauben einer Botſchaft ſelig wer⸗ den ſoll. Auf die Frage: „Was ſoll ich tun, daß ich ſelig werde?“ ant⸗ worten JEſu Boten: „Glaube an den HErrn JEſum Chriſtum“, Apoſt. 16, 31. JEſus Chriſtus iſt das Brot des Lebens; er iſt die Tür zum Himmel; ihm iſt gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden; es iſt in keinem andern Heil; vor ihm müſſen ſich beugen aller Knie, und alle Zungen müſſen bekennen, daß er der HErr ſei. JEſus Chriſtus hat unſere Sünden auf ſich genommen. Er hat ſich unſere Gottloſigkeit anrechnen laſſen. Er hat unſere Schuld in ſeinem Gewiſſen gefühlt, als ob ſie ſeine eigene wäre. Er hat Gottes Zorn, Tod und Verdammnis dafür erduldet. Und wiewohl Gott ſein gnädiges Angeſicht von ihm abwandte und der Zorn Gottes ſo brennend ihn traf wie nur einen Verdammten in der Hölle, ſo hielt er doch auch in der dunkelſten Stunde, der ſchwerſten Prüfung, in kindlichem Glau⸗ ben an ſeinem Vater feſt, machte dadurch den Unglauben, in dem das ganze menſchliche Geſchlecht liegt, wieder gut und leiſtete in dieſem Glauben eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Er iſt der ſtellvertretende Heiland aller Welt. Darum werden die Menſchen zu ihm gewieſen und angeleitet, an ihn zu glauben und durch den Glauben an ihn ſelig zu werden. Für den natürlichen Verſtand aber ſteht der Gedanke der morali⸗ ſchen Stellvertretung in unverſöhnlichem Gegenſatz zur Gerechtigkeit. Iſt es ſchon ungerecht, eine gute Tat nicht gebührend zu belohnen, ſo iſt es der Gipfel der Ungerechtigkeit, einen Unſchuldigen für die Miſſetaten eines andern büßen zu laſſen. Und es iſt Torheit, die nur ins Ver⸗ derben führen kann, von dem Leiden eines andern die Tilgung der eigenen Schuld zu erhoffen. Auch dieſe Anſchauung von Lohn und Strafe, die Idee der Ver⸗ geltung, iſt dem natürlichen Menſchen tief eingewurzelt, ja, ſie iſt ein Stück ſeines Weſens. Er kann nicht anders, er muß die geiſtliche Wahr⸗ heit von freier Gnade für eine Torheit halten, und zwar nicht für eine harmloſe Ungereimtheit, über die man lacht, worauf man dann mit einem bedauerlichen Achſelzucken zur Tagesordnung übergeht; nein, er hält ſie für einen grundſtürzenden Irrtum, für eine Lüge, die alle Zucht und Ordnung untergräbt und untergraben muß. Wenn in dem Handel der Seligkeit nicht des Menſchen eigenes Tun, weder Gutes noch Böſes,