# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 14 Verhandlungen der achtundzwanzigſten Verſammlung Sollen wir ſeine Zeugen ſein, ſo muß erſt eine gründliche Umwandlung unſerer Anſchauungsweiſe, unſers Herzens und Gemütes ſtattfinden. Wir müſſen lernen, das für Wahrheit, die einzige Wahrheit, zu er⸗ kennen, was wir bisher als verderblichen Irrtum verwarfen. Wir müſſen lernen, das als das höchſte Glück zu lieben, was wir bisher als den Tod verabſcheuten. Wir müſſen lernen, nach dem mit aller Macht zu ſtreben, gegen das wir uns vorher wehrten und das wir bis aufs Blut bekämpften. Erſt dadurch, daß unſer natürlicher Sinn in ſein gerades Gegenteil verwandelt wird, werden wir inſtand geſetzt, JEſu Zeugen zu ſein. Das iſt noch nicht alles. Ein weiterer einſchneidender Unterſchied zwiſchen der Anſchauung und Geſinnung des natürlichen Menſchen und unſers Heilandes betrifft den Weg, der zur Seligkeit führt. Die Ant⸗ wort des natürlichen Menſchen mag in den mannigfaltigſten Formen gegeben werden, ſie läuft weſentlich immer auf dieſe Meinung hinaus: Wer ſelig werden will, muß ſich die Seligkeit ſelbſt verſchaffen. Jeder iſt ſeines Glückes Schmied. Das iſt bei Hinz und Kunz auf der Gaſſe ſo, das iſt auch die Weisheit des tiefſten Denkers und größten Philo⸗ ſophen: Wir müſſen uns unſere Seligkeit ſelbſt erarbeiten, ſelbſt er⸗ werben, ſelbſt verdienen. Der höchſte ſittliche Grundſatz, den die natür⸗ liche Vernunft kennt, iſt die Idee der Vergeltung. Das fordern Recht und Gerechtigkeit, daß jede gute Tat ihre angemeſſene Belohnung und jede böſe Tat ihre entſprechende Beſtrafung finde. Was hiergegen ver⸗ ſtößt, iſt unrecht. Unter dieſe Regel, meint die natürliche Vernunft, muß ſich auch Gott beugen. Wenn ſie deshalb von Gottes Gerechtigkeit hört, kann ſie nicht weiter, als an Lohn und Strafe denken. Und was ſie ſich dabei für ordinäre Vorſtellungen von gut und böſe macht, brauchen wir hier noch gar nicht einmal in Betracht zu ziehen. Deshalb iſt für ſie auch der einzige Weg zur Erlangung der Seligkeit der des Verdienſtes. Das gerade Gegenteil verkündigt der HErr JEſus. Er ſagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“, Joh. 14, 6. Er erklärt: „Niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel herniederkommen iſt, nämlich des Men⸗ ſchen Sohn, der im Himmel iſt“, Joh. 3, 13. Da ſpricht es der HErr JEſus aus, daß der Himmel zu fern iſt, durch Werke ihn zu erſteigen. Es iſt nur einer, der in den Himmel einzugehen vermag, und der andere in den Himmel bringen kann, das iſt er ſelbſt. Auch dem beſten, dem gerechteſten Menſchen bleibt der Himmel verſchloſſen, wenn er außer JEſu ſich den Eingang zu erzwingen ſucht. Das klingt dem natürlichen Menſchen wie ein Hohn auf alle Gerechtigkeit, daß bei dem Handel des Seligwerdens die eigenen Werke ſo gar nichts gelten ſollen. Um Menſchen ſelig zu machen, haben JEſus und ſeine Apoſtel ihnen die Vergebung der Sünden verkündigt. Und dabei haben ſie auch nicht erſt gefragt, wie groß und ſchwer etwa die Sünden ſeien, welche Mühe ſich der betreffende ſchon gegeben habe, ſie zu überwinden