# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1922. 13 ſie möglichſt großen Einfluß beſitzen; dazu muß ihnen alles dienen, ihr Geld, ihre Kenntniſſe, ihre Verbindungen, ihr Amt uſw. Darin wähnen ſie ſich glücklich, daß viele Menſchen von ihnen abhängig ſind. Dazu erſtreben ſie wohl auch dieſes, daß ihr Vaterland möglichſt ſtark und mächtig ſei, daß andere Länder ſich vor ihm fürchten oder Anleh⸗ nung an dasſelbe ſuchen. Andere ſuchen ihre Seligkeit darin, daß ſie möglichſt wohlgeordnete Zuſtände ſchaffen. Es iſt ihnen unerträglich, daß ſo viel Ungleichheit, ſo viel Not und Elend auf Erden ſein ſoll. Sie wenigſtens wollen an ihrem Teil tun, was in ihren Kräften ſteht, um dieſen übelſtänden ab⸗ zuhelfen. Und darin, daß ſie andere glücklich machen, ſuchen ſie ihr eigenes Glück. — Dergleichen ließe ſich noch manches aufzählen. Können ſolche Leute Zeugen des HErrn JEſu ſein? Ihre An⸗ ſichten ſcheinen ja weit auseinanderzugehen und ſich gegenſeitig zu widerſprechen, doch in dem einen Stück ſtimmen ſie vollſtändig überein: Sie alle ſuchen das Glück, die Seligkeit, hier auf Erden. Sie ſind irdiſch geſinnt. Das iſt unſer Heiland nicht. Er iſt nicht gekommen, den Himmel auf die Erde zu bringen, ſondern uns von der Erde zu ſich in den Himmel zu ziehen. Er predigt in eigener Perſon und durch ſeine Apoſtel: „Was hülfe es dem Menſchen, ſo er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an ſeiner Seele?“ Matth. 16, 26. Darum iſt es heidniſcher Aberglaube und Götzendienſt, nach den Gütern dieſer Erde zu trachten und ſich hier Schätze zu ſammeln. So wenig iſt dieſe Erde geeignet, die Seligkeit zu beherbergen, daß ſie vielmehr hoffnungslos im argen liegt und mit all ihrer Luſt vergehen muß. Wer darum ſein Leben, ſein Gutes, hier auf Erden ſucht, verſcherzt die Seligkeit und wird darüber Pein leiden in der Hölle und in der Qual. Daß man aber die Seligkeit auf Erden zu ſuchen habe, iſt nicht ein leichter, verzeihlicher Irrtum des natürlichen Menſchen; das iſt eine Grundlüge ſeines ganzen Weſens. Der natürliche Menſch kann nicht anders als irdiſch geſinnt ſein und muß ſeinem innerſten Weſen nach den himmliſchen Sinn als Torheit bekämpfen. Es wird von dem natür⸗ lichen Menſchen nicht nur im Spott geſagt: Den Himmel überlaſſen wir den Pfaffen und den Spatzen; nein, im giftigen Ernſt wird der himmliſche Sinn bekämpft, weil er die Leute hindere, hier auf Erden erträgliche, geordnete Zuſtände herbeizuführen. — Die Hohenprieſter geben dieſer Geſinnung Ausdruck, wenn ſie ihr Einſchreiten gegen JEſum ſo motivieren: „Laſſen wir ihn alſo, ſo werden ſie alle an ihn glauben. So kommen dann die Römer und nehmen uns Land und Leute.“ So entſchieden halten ſie an ihrer Lüge feſt, daß ſie ſich um dieſer prinzipiellen Differenz willen nicht allein für berechtigt, ſondern für verpflichtet halten, JEſum aus dem Wege zu räumen. Wer etwa zaudert, dieſe Konſequenz zu ziehen, iſt nach Kaiphas' Urteil ein Mann, der nichts weiß und nichts bedenkt, Joh. 11, 47—50. Das war auch unſer Sinn, als der Heiland uns zu ſeinen Zeugen ernannte. Wir zeugten von Natur nicht für ihn, ſondern gegen ihn.