# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1922_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1922. 11 nicht alle Mühe geben, daß wir vielleicht die Opfer ſcheuen, daß wir uns vor Gefahr fürchten, unſern Kindern das Evangelium zu übermitteln, würde zeigen, daß unſere Stellung zum Evangelium nicht geſund iſt. Und welche und welcherlei Früchte erwarten wir, wenn wir in einem ungeſunden Geiſte Miſſion treiben? Unſere Arbeit muß ja ungeſund werden und naturgemäß ungeſunde Früchte zeitigen. Wenn wir des⸗ halb die Erziehung unſerer Kinder liegen laſſen, ſo iſt der Schade ſofort ein doppelter. Wo unſer Chriſtentum geſund iſt, da iſt das Evangelium der höchſte Schatz unſerer Seelen, an dem wir Troſt und Erquickung, Kraft und Leben haben. Ohne das Evangelium wollen wir nicht ſein, können wir nicht ſein. Lieber alles gewagt, alles entbehrt, alles ge⸗ litten, als das Evangelium fahren laſſen. Solchen Sinn ſchafft eben das Evangelium in uns. Dabei iſt es dann unmöglich, daß wir nicht auch unſern Kindern dieſen Schatz als unſer köſtlichſtes Erbgut zu über⸗ mitteln ſuchen. Darum iſt das Erziehungsgeſchäft das wichtigſte Werk, das wir treiben, das am allerunmittelbarſten aus unſerm perſönlichen Glau⸗ bensleben hervorwächſt. Dieſes Werk müſſen wir treiben, nicht infolge eines äußerlichen Zwanges, ſondern eines allerinnerſten Herzens⸗ dranges. Dieſes Werk müſſen wir daher auch mit aller Energie be⸗ treiben. Dieſes Werk aber müſſen wir auch völlig frei und ungehemmt treiben. Wir können uns um unſers Heilandes willen von niemand dreinreden laſſen. Wir können uns nicht vorſchreiben laſſen, wie wir es treiben ſollen; es fließt ja aus unſerm Glaubensleben. Wir können uns mit niemand, der nicht voll und ganz mit uns auf demſelben Glaubensgrunde ſteht, in die Erziehungsarbeit teilen; das wäre nur möglich, wenn unſer Glaube nicht mehr Glaube wäre. Wie der Glaube, ſo iſt auch die Erziehung eine Herzensangelegen⸗ heit. Das fühlt auch die ungläubige Pädagogik. Allgemein wird der Satz angenommen, daß nur der erziehen könne, der ſelbſt erzogen iſt, oder beſſer, der beſtändig an ſeiner eigenen Erziehung weiterarbeitet. Damit ſtimmt man der Wahrheit zu, daß die Arbeit der Erziehung eine Sache des Herzens iſt. Nur was meinem eigenen Herzen als Ideal vorſchwebt, kann ich in die Herzen der Kinder zu pflanzen mich recht bemühen. Erziehungsarbeit, die nicht aus dem Herzen kommt, ver⸗ äußerlicht und ſinkt zur Mietlingsarbeit herab. Die Stellung darum, die eine Kirche zur Erziehung ihrer Kinder einnimmt, und die Art und Weiſe, wie ſie dieſe Arbeit beſorgt, zeigt eigentlich am unmittelbarſten den Geiſt, von dem ſie beherrſcht iſt. Wir können deshalb, da wir unſer fünfzigjähriges Beſtehen feiern, kaum durch Behandlung eines paſſenderen Themas zeigen, daß wir vom ſelben Geiſt durchdrungen ſind wie unſere Väter, die Gründer der Synodal⸗ konferenz, als des Themas, das wir nicht eigentlich zu dieſem Zweck ge⸗ wählt haben, ſondern das uns von Gott ſelbſt durch die Umſtände geſtellt iſt.