# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1858_S383 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 383 II. Ausland. Die Amenische Gemeinde. So schreibt uns ein Freund aus Deutschland: Sie hat ihren Mittelpunkt in München⸗Gladbach und ist die Stiftung eines schwärmerischen Judenchristen, Israel Pick, welcher in mancherlei Schriftchen den Grundsatz aufgestellt und zu verbreiten gesucht hat, daß die Juden Jesum als ihren Messias anbeten, aber als Christen sich nicht in den bestehenden Christengemeinden verlieren, sondern eine unvermischte Judenkirche bilden sollen, und welcher den großen Heidenapostel St. Paulus anklagt und schmäht, weil er nicht die Gläubigen aus den Juden von denen aus den Heiden geschieden gehalten hat. Da nun seine Judenkirche vorläufig keine Aussicht und Hoffnung hat, so hat er sich an einsältige Heidenchristen gemacht und ihnen vorgehalten, sie müßten dem Volke Gottes, d. h. dem in Zukunft gläubig werdenden Volke Israel, Weg und Stätte bereiten und aus der sie umgebenden hoffnungslos verdorbenen Welt hinausflüchten in das gelobte Land, wo sich das Israel Gottes sammeln werde u. s. w. Es bildete sich um den Pick eine neue Secte, welche, weil sie glaubt, alle Weissagungen wären nun Amen, d. h. ihrer Erfüllung nahe, sich die Benennung amenische Gemeinde gibt, und die nichts Geringeres vor hat, als nach Palästina auszuwandern. Die lutherische Conferenz in Rothenmoor wird auch in den Zeitungen erwähnt. Sie machen sich darüber lustig, daß die strenggläubige Partei unter sich nicht einig ist und mußen einzelne schroffklingende Aeußerungen auf. So soll Brömel gesagt haben, er bete mit keinem Menschen, der von reformirter Irrlehre nicht lassen wolle, während ein Göttinger (Diekhoff) als Wortführer des entgegengesetzten Extrems figurirt, Philippi im Kampf gegen Beide als Repräsentant der richtigen Mitte. — Brömel hat diese Annonce für so wichtig gehalten, daß er sich gleichfalls in einer Zeitung gegen seinen Verleumder vertheidigt. Baierlein. Im Hamburger Correspondenten wurde die Leipziger Mission eingehend besprochen und auch Baierleins rühmlichst gedacht. — Die Welt nimmt Notiz von der Kirche und zieht den Hut, wo sie eine Kraft wittert, die sich in augenfälligen Werken erweist. Dennoch haßt sie die Wahrheit und weissagt den „Dunkelmännern“ nichts Gutes, seit nun, wie es heißt, der König von Preußen seinem Bruder förmlich die Regentschaft übertragen hat. Denn ihm schreibt sie's, die Gott nicht kennt, allein zu, daß der einfältige Bibelglaube das Haupt aufgehoben hat. Napoleon. Wie man die Häuser ausbessert, wenn der Winter vor der Thür ist, so suchen die hohen Potentaten in dieser unheilschwangern Zeit alles hinwegzuräumen, was den Frieden stören möchte. Napoleon verbietet zu dem Ende die Verbreitung solcher protestantischer Tractate, die Leidenschaften erregen könnten, welche verschollenen Zeiten angehören. — Wenn's still ist, spannen die Fischer ihre Netze aus. Rußland. Der Kaiser Alexander II. hat das unter der vorigen Regierung erlassene Verbot der Verbreitung von Bibeln in Rußland von Seiten der Bibelgesellschaft nicht nur aufgehoben, sondern auch der Bibelgesellschaft eine jährliche Unterstützung von 25,000 Silberrubeln zugesichert. Pastor Brunn schreibt aus Steden in Nassau: „Unser kirchliches Leben geht nach wie vor seinen ruhigen stillen Gang dahin. Gottlob hat mich der HErr im letzten Winter bis hiehin bei voller Gesundheit gelassen, so daß ich ununterbrochen mein Amt thun konnte. Durch die Verwaltung der Gemündener Gemeine bin ich doppelt in Anspruch genommen. Dort müssen wir unsre Gottesdienste immer noch im Walde halten, weil die wüthende Dorfpolizei uns nicht im Orte selbst gewähren läßt. Wir hoffen indeß zuversichtlich, daß es bald anders werde, wenn es der Wille Gottes ist, daß uns durch menschliche Werkzeuge geholfen werden soll. .. Drückend ist für uns nur der Zustand der Gemündener und dann Br. Hein's Aufenthalt in dem fernen und kostspieligen Frankfurt. Gott hat ihn zwar wunderbar dort erhalten; wir zweifeln daher nicht im geringsten auch an der ferneren Hülfe und Führung. Nächstens denken wir unsre rheinische Pastoralconferenz in