# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1920_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1920. 9 Achſelzucken, wenn wir uns die Genüſſe dieſer Welt verſagen, ſondern das ſagen wir mit einem gewiſſen Stolz, weil wir eine beſſere Heimat haben. Deshalb ſammeln wir uns nicht Schätze auf Erden, ſind nicht eitler Ehre geizig, ſuchen nicht Freude; ja wir ſind bereit, das Kreuz zu tragen, Armut und Schande auf uns zu nehmen, uns haſſen zu laſſen. Die Güter, die uns Gott etwa zufallen läßt, genießen wir mit Dank, aber unſer Auge bleibt immer auf den Himmel gerichtet; den ſuchen wir für unſere Perſon zu erreichen, und wir ſuchen andere mit⸗ zubringen. Darin erblicken wir unſere höchſte, ja eigentlich unſere ein⸗ zige Aufgabe hier auf Erden, der wir alles opfern. In dieſem Sinne wird aller Unterricht und alle Erziehung in der chriſtlichen Gemeindeſchule gehandhabt. Alle Wiſſenſchaft wird in dem Sinne getrieben, daß ſie nur Kot iſt im Vergleich zum Evangelium; daß alles nur inſofern eigentlichen Wert hat, als es der Seligkeit förderlich iſt. Die Staatsſchule dagegen verfolgt rein irdiſche Ziele. Die Zög⸗ linge ſollen zu tüchtigen Erdenbürgern, zu guten Bürgern des Landes, zu Patrioten herangebildet werden. Die chriſtliche Schule erreicht ja dieſes Ziel auch, viel beſſer noch als die Staatsſchule, weil ſie die Kinder im rechten Geiſt erzieht; aber ſie verfolgt ein viel höheres Ziel, während die Staatsſchule eben kein höheres kennt. Wenn ſie in der Staatsſchule Moral treiben, ſo lehren ſie einerſeits, daß man ſich hüten müſſe vor dem Laſter, z. B. des Saufens, des Be⸗ trügens, der Hurerei und ähnlichen, wegen der üblen Folgen für Ge⸗ ſundheit, Eigentum und Ehre vor Gott und Menſchen. Andererſeits dringen ſie auf das üben ordinärer Wohltätigkeit aus natürlichem Mit⸗ gefühl wegen der Ehre, die man dadurch erlangt, wegen des Gefühls der Befriedigung, das man dabei hat, wegen des Dankes, den man erntet. Das iſt irdiſcher Sinn, gröberes oder feineres Epikureertum. Wir können uns ja dem Einfluß dieſes Geiſtes nicht entziehen. Seit dem Sündenfall iſt dem Menſchen der irdiſche Sinn natürlich. In heutiger Zeit liegt er auch ſozuſagen in der Luft. Die Tagespreſſe, Zeit⸗ ſchriften, Univerſitäten, politiſche Rednerbühne, Unterhaltungen uſw., alles atmet ihn. Erziehen wir nun unſere Kinder im chriſtlichen Sinn, daß ſie dem rechten Ziel zuſtreben, ſo können ſie das Gift durch Gottes Gnade wieder ausſcheiden. Laſſen wir ſie aber von vornherein im irdiſchen Sinn erziehen, ſo kann es ja nicht ausbleiben, daß bald unſer ganzes Kirchenweſen davon durchſeucht wird. Das iſt der Ruin der Kirche. Der Geiſt einer Schule zeigt ſich auch in den Vorausſetzungen, von denen man ausgeht, in der Grundlage, die man annimmt, um darauf zu bauen. Die chriſtliche Gemeindeſchule ſetzt zweierlei voraus; erſtlich die Erbſünde. Der Verſtand der Kinder iſt nicht nur geſchwächt, er iſt in geiſtlichen Dingen verkehrt. Seine Grundſätze ſind verkehrt, und die Wahrheit erſcheint ihm als Torheit. — Der Geſchmack der Kinder iſt