# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1920_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1920. 7 Die Ausbildung dagegen für ſolche Berufsarten, die weder direkt im Dienſt des Staates noch der Kirche ſtehen, iſt Sache der einzelnen. Der Staat mag angemeſſene Geſetze erlaſſen, damit ſeine Bürger z. B. nicht Quackſalbern ſchutzlos preisgegeben ſind, aber daraus folgt nicht, daß er nun ſelbſt die Ausbildung von Ärzten in die Hand nehmen müſſe oder unbeſchadet dürfe. — Die Kirche hat die Aufgabe, allen Men⸗ ſchen, zumal ihren eigenen Gliedern, das Evangelium zu verkündigen. Das mag praktiſch zur Folge haben, daß die Kirche auch die Vorberei⸗ tung auf ſogenannte weltliche Berufe in die Hand nimmt, zumal ſo⸗ lange es ſich um Schüler, die noch in den eigentlichen Erziehungsjahren ſtehen, handelt, bei denen ſich eben Erziehung und Unterricht nicht trennen läßt. So kommt alles immer wieder darauf zurück, daß die Eltern die von Gott beſtellten Erzieher ſind, daß ſie die Verantwortung tragen, und daß deshalb niemand ihr Recht, ihre Kinder nach eigenem Er⸗ meſſen zu erziehen, beeinträchtigen darf. Daneben hat die Kirche, als Trägerin des Evangeliums, die Aufgabe, für Erziehung zu ſorgen. Das ſind die Güter, um die es ſich für uns immer handelt, wenn wir uns mit der Schule beſchäftigen; ſo auch im gegenwärtigen Kampf. Zur Ausübung der Erziehungspflicht und zur Erreichung guter Erziehungsreſultate hat ſich bisher das Inſtitut der chriſtlichen Ge⸗ meindeſchule als ſehr brauchbar erwieſen. Es dürfte ſchwer fallen, einen vollwertigen Erſatz für ſie zu finden. Aber doch iſt es nicht dieſe beſtimmte Form der chriſtlichen Erziehung, um die es uns zu tun iſt, wiewohl wir ſie ſehr hoch ſchätzen. Sie iſt nicht von Gott geboten, ſie iſt nicht abſolut nötig, das Ziel zu erreichen. Wollten wir das be⸗ haupten, ſo würden wir alle Leute verurteilen, die unſer Syſtem nicht hatten, die aber ihren Kindern vielleicht eine viel beſſere Erziehung an⸗ gedeihen ließen als ſo manche Eltern innerhalb der chriſtlichen Kirche. Man denke an die Erzväter des Alten Teſtaments, an die erſten Chriſten unter den Heiden zur Zeit, da die Kirche gegründet wurde; und dann halte man daneben die Gleichgültigkeit mancher Eltern heutigestages: Die Hausandachten werden vernachläſſigt, der Verkehr der Kinder wird nicht überwacht, um die Lektüre kümmert man ſich nicht u. dgl. m. Nun iſt es ſehr leicht möglich, die beſte Form ihres Inhalts zu entleeren. Man denke an Predigt und Gottesdienſt; wie vielfach wer⸗ den ſie ihres Inhalts entleert, während die ſchöne Form erhalten bleibt! Ich brauche nur an die Rationaliſtenzeit oder an Sektenkanzeln zu er⸗ innern. Oder man denke an das Chriſtentum im allgemeinen. Bei wie vielen Leuten iſt der Glaube erſtorben, während die Form auf das gewiſſenhafteſte gewahrt wird. So kann es uns auch mit unſerer Schule gehen, ja mancherlei Anzeichen deuten darauf hin, daß es uns mit ihr zum Teil ſchon ſo geht. Iſt nicht mancherwärts der Religions⸗ unterricht ſchon zum „Fach“ geworden? Worauf wird in der Schule das Hauptgewicht gelegt? Nach welchen Leiſtungen wird der Wert einer