# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1858_S379 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Literatur. 379 flächlichkeit des Unterrichts in amerikanischen Colleges darlegt und in allen Fächern ernsteren Fleiß und gründlichers Studium wünscht, so sind wir von Herzen mit ihm einverstanden, und wie wir selbst die Verwirklichung dieses auch in uns lebenden Wunsches an unserm geringen Theile uns zur täglichen Aufgabe machen, so würden wir uns nur freuen, wenn dem Dr. Reynolds zunächst in Springfield und dann auch in verwandten Anstalten die Ausführung seiner Grundsätze in diesem Stücke gelänge, so weit es unter unsern hiesigen Verhältnissen nur möglich ist. Aber um so bedauerlicher ist es, in einer solchen Rede, die gerade dazu bestimmt ist, ein Bekenntniß in Bezug auf Stellung und Ansichten abzulegen (s. den Eingang, S. 7), von einem Manne wie Dr. Reynolds, der noch neuerdings für einen Lutheraner hat gelten wollen, auch kein Wort zu vernehmen, womit er sich zum Glauben der lutherischen Kirche, deren Brod er ißt, bekannt hätte, sondern im Gegentheil hat er darin mit aller Entschiedenheit unirte Grundsätze als seine Ueberzeugung ausgesprochen, und alles, was denselben entgegengesetzt ist, verächtlich zu machen gesucht. Es finden sich in seiner Rede folgende Sätze: „Kann der Mann, welcher in den classischen Meisterwerken Griechenland's und Rom's die inhärente Kraft, die Culturfähigkeit und das erhabene Streben seines Geschlechts erkennt, mit dem Schiboleth einer Secte zufrieden bleiben, welches höchstens nur Eine Darstellungsweise des Glaubens ist, der die einzige Form einer universellen Religion ist und das einzige feste Band für den allgemeinen Bruderbund der Menschheit.“ Was man in Springfield unter „Secte“ alles versteht, wie darum auch der vorstehende Satz von den Zuhörern verstanden werden mußte, zeigt das Wort des Herrn Stuart, des Präsidenten des Boards der Trustees, im Anfange seiner Ansprache an Dr. Reynolds, wo er sagt, die Lutheraner in Illinois wollten durch die Universität zu Springfield „der Verpflichtung nachkommen, welche sie so gut wie jede andere religiöse Secte gegen die Wissenschaft hätten.“ Ferner sagt Dr. Reynolds: „Wenn Anhänglichkeit an die unterscheidenden Lehren des Christenthums, an große Grundsätze des Glaubens und Lebens, an die große historische Wirksamkeit einer religiösen Gesellschaft, an das Gedächtniß von Märtyrern, welche ihr Zeugniß mit ihrem Blute besiegelten, und an das Gedächtniß der (puritanischen!!) Pilgerväter (pilgrim fathers), welche dem Zorn der Tyrannen, den Wellen des Oceans und den Schrecknissen dieser westlichen Wildniß trotzten, um hier einen Altar und Tempel des wahren Glaubens, wie sie ihn aus Gottes eigenem Worte empfangen hatten, aufzurichten — wenn dies die Grundlage ist, worauf die Anhänglichkeit an irgend eine besondere Denomination beruht (also auch an die lutherische?!), so wird Niemand, der an die Allmacht der Wahrheit, an die Lieblichkeit der Tugend oder das himmlische Wesen der Frömmigkeit glaubt, oder der etwas von der Unauflöslichkeit des Bandes weiß, welches die Gegenwart an die Vergangenheit bindet, oder die Glieder derselben Familie an einander, irgend eine Besorgniß haben, daß die aufge⸗