# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1858_S377 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Rambach über die Fehler der Declamation beim dem Halten der Predigten. 377 bringen kann, sondern man verursacht auch dadurch, daß die Sache, die man vorträgt, nicht distinct vernommen werden kann wegen des lärmenden Geräusches der Stimme, das in der Kirche wiederschallt. 3. Exilitas vocis, wenn man allzu sachte und leise redet, dadurch der Prediger verursacht, daß die Zuhörer zum Theil schlafen, zum Theil träumen, zum Theil (in großen Kirchen) discurriren, oder in einem Buche lesen u. s. w., weil sie seinen Vortrag nicht verstehen und das Wenigste davon hören können. 4. Nimia vocis inæquitas, wenn die Stimme gar zu ungleich ist, da man z. B. gewisse Worte in einer Periode, die doch eben keine besondere Emphase (Nachdruck) haben, mit einer starken erhobenen Stimme herausschreit, bald aber die Stimme wieder so tief herunter fallen läßt, daß die wenigsten Zuhörer es hören können, und also gleich ist einem Schiffe, das bald von den Wellen bis an den Himmel hinauf geworfen, und bald wieder in den Abgrund herunter gestürzt wird. Das zeugt von einer großen Schwachheit der Urtheilskraft. Man greift sich auch oft im Anfange zu stark an, daß man hernach gegen das Ende bei der Application eine matte Stimme hat; daher man die Kräfte sparen muß, die Application mit dem gehörigen Ernst und Nachdruck vorzutragen. Es gehört auch dahin die üble Gewohnheit, daß man die Anfangsworte einer Periode zu laut hersagt, die letzten Sylben aber verschluckt und verschlingt, und sie den Ohren der Zuhörer entzieht, so daß sie es entweder errathen müssen, oder einen verstümmelten Sinn davon haben. 5. Omnimoda vocis æqualitas et monotonia, da man alles in Einem Ton hersagt, und nicht nach Beschaffenheit der Sache die Stimme verändert. Dadurch setzt man sich in den Verdacht, daß man seine Predigt auf eine kindische Art auswendig gelernt habe. Am Ende der Periode immer einerlei Ton behalten (den Ton nicht sinken lassen oder bei der Frage nicht heben) und gleichsam die Perioden hersingen, das ist auch der Gemeine ekelhaft. 6. Nimia tarditas, wenn man die Worte allzu langsam hersagt und den Zuhörern gleichsam vorbuchstabirt und an einer Schnur herzählt. 7. Nimia festinatio et praecipitantia linguae, wenn die Worte zu hastig wie ein schneller Platzregen daherfallen; wenn man nicht länger inne hält, wo ein Punct steht in der Rede, als wo ein Komma ist, und nicht anders thut, als ob jemand mit einer Peitsche hinter dem Rücken stünde und einen beständig antriebe fortzufahren, daß die Predigt zu Ende komme. Ueber solcher Hast geschieht es dann insonderheit, daß man sich leicht verredet und z. B. die Worte ausspricht Joh. 20., und es steht doch 1 Joh. 3., oder: wie der heilige Apostel Paulus sagt 1 Joh. 2. u. s. f. 8. Affectatio, wenn man einen affectirten oratorischen oder s. g. Canzelton annimmt, den man sonst in seiner Rede gar nicht zu haben pflegt, wenn man außer der Canzel redet; oder wenn man Andere nachahmen will, da doch die Stimme nicht dazu geschickt ist. 9. Inconsulta vocis interruptio, wenn man in dem Odemholen sich nicht nach dem Sinne richtet, sondern mitten im Komma, ja wohl