# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S54 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 54 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung Waffe gegen das Papſttum, aus den Händen reißen will, iſt die geiſt⸗ liche Sattheit, der überdruß gegen das teure Wort, der ſich einſtellt und dann auch Weltſinn und Weltweſen zur Folge hat. Das iſt ohne Zweifel die größte Gefahr. Weder die falſche Wiſſenſchaft noch auch die falſche Union würde uns Schaden tun können, wenn nicht dies dazukommt, daß man das Evangelium nicht mehr leiden will, daß es einem ekelt vor dieſer „loſen Speiſe“, daß man dieſer himmliſchen Nahrung ſatt geworden iſt und nach neuen Dingen trachtet. Wie hat ſchon Luther über dieſe Sattheit, über dieſe Verachtung des Evangeliums, geklagt! Und daß ſich ſolche Sattheit, dieſer überdruß, auch in unſern Gemeinden zeigt und je länger, je mehr ſich zeigen wird, das wird wohl niemand leugnen wollen. Bei dieſer Lauheit, bei dieſem überdruß kann das Evangelium äußerlich wohl bleiben, es ſteht auf dem Papier, es wird auch noch gepredigt, aber es hört auf, die Lebens⸗ macht zu ſein, die das ganze Denken und Tun unſerer Gemeinden beeinflußt, lenkt und leitet. Wenn es ſo ſteht, dann verliert man auch das Vertrauen zu dem Evangelium; dann kommt man dahin, daß man ihm auch im Kampf gegen Rom keine Kraft mehr zutraut, daß man nach andern menſchlichen Mitteln ſich umſieht, die beſſer und ſchneller helfen ſollen. Hier gilt es ganz beſonders, daß wir wachen und beten und arbeiten mit dem Evangelium, daß wir es nicht durch Sattheit und überdruß verlieren und alſo untüchtig zum rechten, ernſten Kampf gegen Rom werden. Das zweite, worauf es ankommt, wenn wir den Kampf gegen das Papſttum zu Rom recht führen wollen, iſt dieſes, daß wir die Waffe des Evangeliums nicht nur haben und ſie durch Got⸗ tes Gnade behalten, ſondern daß wir ſie auch treu und fleißig gebrauchen. Die beſten Waffen helfen im Kampf nichts, wenn man ſie nicht gebraucht. Wir dürfen das Evangelium nicht liegen laſſen, ſondern müſſen es eifrig in Schwang ſetzen, mit dem Evangelium uns gegen dieſen Feind verteidigen und auch mit dem Evangelium einen friſchen, fröhlichen Offenſivkrieg gegen ihn führen, daß wir ihn aus ſeinen Poſitionen vertreiben. Es wird gut und heilſam ſein, wenn wir uns auch das wieder in kurzen Zügen vergegenwärtigen. Wie man das Evangelium recht gebrauchen ſolle gegen das Papſt⸗ tum, dazu gibt Luther uns die rechte Anweiſung. Er ſchreibt einmal: „Dreierlei ſollſt du dazu tun [den Greueln des Papſtes zu wehren]. Das erſte, du ſollſt erkennen deine Sünde, welche Gottes ſtrenge Gerech⸗ tigkeit mit ſolchem endechriſtiſchen Regiment geplagt hat, wie St. Paulus 2 Theſſ. 2, 11. 12 verkündigt: ‚Gott wird ihnen zuſenden irrige Lehre und Regiment darum, daß ſie die Liebe der Wahrheit nicht angenommen haben, damit ſie ſelig würden.‘ Es iſt eitel unſere Schuld, alles, was der Papſt mit den Seinen an unſerm Gut, Leib und Seele getan hat. Darum mußt du zuvor die Sünde bekennen und ablegen, ehe du der Strafe und Plage willſt los ſein, ſonſt wirſt du wider den Spieß treten,