# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S52 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 52 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung dem alles auf den Knien liegt. Was die Wiſſenſchaft ſagt, was ſie als die einwandfreien Reſultate ihrer Forſchungen ausgibt, das nimmt die Menge unbeſehen an, das gilt als unumſtößliche Wahrheit. Jede auch noch ſo tolle Hypotheſe irgendeines Gelehrten, die in kurzer Zeit doch wieder verſchwindet, gilt als Evangelium. Wehe dem, der dieſen Götzen nicht mit anbeten, ſondern auch gegen die Anmaßungen der falſchen Wiſſenſchaft ſich ſeine Denkfreiheit bewahren will! Und die Wiſſenſchaft, oder was man heute ſo nennt, hat mit der Bibel längſt aufgeräumt, hat ſie als die Darlegung einer längſt überwundenen Weltanſchauung bei⸗ ſeitegeſchoben. Beſonders das Evangelium, daß Chriſtus, der Sohn Gottes, die Menſchen erlöſt hat durch ſein Blutvergießen, daß wir allein durch den Glauben an ihn ſelig werden, gilt dieſer Wiſſenſchaft als ein Kinderſpiel, als Narrheit und Torheit. Wer noch daran feſthält, wer das noch als Wahrheit und Wirklichkeit bekennt, auf den ſieht ſie mit vornehmer Geringſchätzung herab, den läßt man einfach fallen als einen rückſtändigen Menſchen, deſſen Tun man nicht faſſen kann, und geht über ihm zur Tagesordnung über. Es iſt nicht ganz leicht, die Verachtung aller derer zu tragen, die in wiſſenſchaftlicher Hinſicht etwas gelten. Die äußere Kirche hat ſich längſt vor dieſem Götzen gebeugt, hat ihm allerlei Konzeſſionen auf Koſten der göttlichen Wahrheit gemacht, ja, ſeinetwegen zum Teil das ganze Evangelium preisgegeben. Und wenn die Kirche ſich auch einmal zu einem Zeugnis gegen die falſche Wiſſenſchaft aufrafft, ſo geſchieht das vielfach mit vielen Komplimenten und Bücklingen, die das Zeugnis wieder abſchwächen. Man will eben in keinem Fall als unwiſſenſchaftlich, als Ignorant gelten. Auch wir ſtehen in Gefahr, hier ſchwach zu werden. Unſer Fleiſch mag auch die Schmach Chriſti nicht tragen. Fangen wir erſt an, der Wiſſenſchaft Konzeſſionen zu machen, ihretwegen an dem Wort zu drehen und zu deuteln, dann werden wir das Evangelium bald verlieren, dann iſt es auch aus mit dem rechten Kampf gegen Rom. Hüten wir uns vor dieſer Gefahr! Es iſt ja nichts Neues, daß die menſchliche Weisheit und Wiſſenſchaftlichkeit gegen das Evangelium Sturm läuft. Eine weitere ſchwere Gefahr, die uns droht, iſt der in der äußeren Chriſtenheit jetzt herrſchende Indifferentismus, die Gleich⸗ gültigkeit gegen die Lehre, und der daraus ſich er⸗ gebende Unionismus, der falſche Unionsgeiſt. Man ſchreit nach Vereinigung wenigſtens der proteſtantiſchen Kirchen. Es fehlt auch an ſolchen nicht, die ſelbſt die römiſche Kirche in dieſe Ver⸗ einigung mit einſchließen wollen, ja auch Mohammedaner, Juden, Hindus uſw., alle, die noch an ein höheres Weſen glauben. In den Hauptſachen ſei man doch einig; auf die Lehrunterſchiede komme nicht viel an, die könne man als Meinungsverſchiedenheiten ruhig beſtehen laſſen und ſich über ſie hinweg die Bruderhand reichen. Man ſchmückt dies Tun gern mit dem Mantel der chriſtlichen Liebe. Wer hier nicht mitmachen will, den ſieht man an als einen liebloſen, fanatiſchen,