# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1916. 49 nicht aus ſich ſelbſt heraus den Gedanken gefaßt, den Papſt anzugreifen, und über die Wege nachgedacht, wie er das am beſten tun könnte, mit der beſten Ausſicht auf Erfolg. Als Luther auftrat, da dachte er gar nicht daran, das Papſttum anzugreifen. Gott hat ſelbſt, als die rechte Zeit gekommen war, da er ſein Volk aus dieſer Knechtſchaft erlöſen wollte, ſich ſeinen Reformator zubereitet. Und wir wiſſen, wie Gott das getan hat. Er hat Luther zu tiefer Erkenntnis ſeines eigenen Ver⸗ derbens geführt, aber vor allen Dingen zu tiefer Erkenntnis der retten⸗ den Gnade Gottes im Evangelium. Dieſes Evangelium, deſſen Kraft er an ſich ſelbſt ſo lebendig erfahren hatte, hat er als ein berufener Prediger und Doktor der Heiligen Schrift ſeinen Chriſten verkündigt, es durch Wort und Schrift verteidigt, und darüber kam ihm das Papſt⸗ tum in den Weg mit ſeinem Ablaßkram und andern Mißbräuchen. So kam es zum Kampf. Mit dem Evangelium hat Luther gekämpft, durch das Evangelium den Papſt überwunden und Ungezählte ſeiner Zeit⸗ genoſſen aus der Knechtſchaft und Gewiſſenstyrannei des Papſtes errettet und ſie zur ſeligen Freiheit der Kinder Gottes geführt. Das hat Luther ſelbſt auch immer und immer wieder ausgeſprochen. Er hat ſich nicht ſelbſt die Ehre gegeben, ſondern allein Gott und dem Evan⸗ gelium. „Es iſt nicht unſer Werk“, ſo ſchreibt er z. B. X, 368, „das jetzt geht in der Welt. Es iſt nicht möglich, daß ein Menſch ſollte allein ſolch ein Weſen anfangen und fortführen. Es iſt ohne mein Bedenken und Ratſchlag ſo fern gekommen, es ſoll auch ohne meinen Rat wohl hinausgehen, und die Pforten der Hölle ſollen's nicht hindern. Ein anderer Mann iſt's, der das Rädlein treibt, den ſehen die Papiſten nicht, und geben's uns ſchuld; ſie ſollen's aber ſchier innewerden. . . . Er muß ohne Hand und allein mit dem Mund zerſtört werden, da hilft nichts vor.“ Immer wieder und wieder betont es Luther, daß er nicht mit weltlichen Waffen, mit äußerer Macht und Gewalt, gegen den Papſt kämpfe oder mit Waffen der menſchlichen Vernunft, ſondern allein mit den Waffen des göttlichen Wortes, mit dem Evangelium. So leſen wir in einer jener berühmten acht Predigten, die Luther in Wittenberg hielt, als er von der Wartburg dahin zurückkehrte und die ganze Stadt in Aufruhr fand, weil man angefangen hatte, mit äußerer Gewalt zu reformieren: „Summa Summarum: Predigen will ich's, ſagen will ich's, ſchreiben will ich's, aber zwingen und dringen mit Gewalt will ich niemand; denn der Glaube will willig und ungenötigt ſein und ohne Zwang angenommen werden. Nehmet ein Exempel an mir. Ich bin dem Papſt, dem Ablaß und allen Papiſten entgegengeſtanden, aber mit keiner Gewalt, mit keinem Frevel, mit keinem Stürmen, ſondern Gottes Wort habe ich allein getrieben, gepredigt und geſchrieben; ſonſt habe ich gar nichts dazu getan. Dasſelbe Wort, wenn ich geſchlafen habe, oder bin guter Dinge geweſen, hat ſo viel zuwege gebracht, daß das Papſttum ſo ſchwach und ohnmächtig worden iſt, daß ihm noch nie kein Fürſt noch Kaiſer ſo viel hat können abbrechen. Ich habe es nicht getan;