# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 48 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung dem politiſchen Kampf nicht vordrängen, ſelbſt wenn ſie es als Bürger tun wollen. Man unterſcheidet oft nicht den Paſtor und den Bürger, und ſo ſtehen wir leicht in Gefahr, zum wenigſten einen böſen Schein zu geben. Und auch das ſollen wir meiden. Gewiß, die Kirche darf und ſoll auch die Gefahren aufdecken, die dem Staat von ſeiten des Papſttums drohen, ſie kann und ſoll die ſittlichen und ſozialen Schäden darlegen, die das Papſttum mit ſich bringt für unſer Land und ſeine öffentliche Wohlfahrt, beſonders die Gefahren für bürgerliche und reli⸗ giöſe Freiheit. So hat es auch Luther immer wieder getan. Er hat in ſeinen Schriften nicht nur die Chriſten gewarnt vor den Menſchen⸗ ſatzungen und der Werkgerechtigkeit des Papſtes, ſondern auch ſeine Deutſchen, z. B. den chriſtlichen Adel deutſcher Nation, auf die ſozialen Schäden hingewieſen, auf die Habſucht des Papſttums, auf ſeine über⸗ griffe in die Rechte der Fürſten und Nationen, und dargelegt, daß der Papſt kein Recht, weder ein göttliches noch ein menſchliches, dazu auf⸗ weiſen kann. — Die Kirche kann und ſoll ferner ihre Glieder, die Chriſten, ermahnen, wie in andern Stücken, ſo auch in dieſem Stück ihre Pflicht ihrem Lande gegenüber treu und gewiſſenhaft zu erfüllen, mit den geſetzlichen Mitteln, die ihnen zu Gebote ſtehen, ihr Land gegen dieſen böſen Feind zu ſchützen; aber wie ſie das nun tun, welche Mittel und Methoden ſie anwenden, darüber hat die Kirche nichts zu beſtimmen. Sie kann und darf keine Vorſchriften machen, ſich überhaupt nicht darum kümmern, für welche Parteien, für welche Männer ihre Glieder etwa bei den Wahlen ſtimmen u. dgl. m. Wir handeln hier ebenſo, wie wir ſonſt die Chriſten ermahnen, in ihrem weltlichen Beruf, als Farmer, als Schuſter und Schneider, als Ärzte und Advokaten, und was ſie ſein mögen, treu und fleißig, gewiſſenhaft ihre Pflicht zu tun, ohne daß wir uns im einzelnen in dieſe verſchiedenen Berufsarten und ihre Aus⸗ übung einmiſchen. Es gilt aber, wie geſagt, hier große Vorſicht, daß wir nicht die Kirche in die Politik bringen, ſonſt würden wir nur unſern Kampf gegen das Papſttum gefährden. Den rechten, geiſtlichen Kampf gegen den Papſt führen können wir allein durch das Evangelium. Die Gewiſſen der Leute vom Papſt und ſeinen Menſchenſatzungen frei⸗ machen und ſeiner ſchändlichen Werkgerechtigkeit und ſeinem Vertrauen auf Menſchenverdienſt, dazu helfen nicht äußere Geſetze, nicht die Macht⸗ mittel des Staates, dazu helfen nicht die Gründe der menſchlichen Vernunft, menſchlicher Weisheit und Wiſſenſchaft und Kunſt, und was man ſonſt von menſchlichen Mitteln herbeibringen mag, das kann Gott allein tun, und er will es tun, wie er uns durch ſeinen Apoſtel hat offen⸗ baren laſſen, „durch den Geiſt ſeines Mundes“, durch das Evangelium. Das zeigt beſonders auch die Geſchichte der gottgeſegneten Reformation. Wie iſt es zur Reformation gekommen, die dem Papſt einen Schaden zugefügt hat wie kein anderes Ereignis in der Weltgeſchichte? Gott ſelbſt hat hier eingegriffen. Luther hat