# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S45 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1916. 45 ſchaft, gegen den Papſt geſtritten mit den Waffen menſchlicher Weisheit und Philoſophie. Auch in der römiſchen Kirche hat man das verſucht, und der ſogenannte Modernismus, der die angeblichen Reſultate der modernen Wiſſenſchaft in das päpſtliche Lehrſyſtem einführen will, war die Folge. Er iſt prompt vom Papſt, beſonders von Pius X., in ſeiner Bulle „Pascendi dominici gregis“ vom 8. September 1907 verdammt worden. Welchen Ausgang dieſer Streit nehmen wird, iſt nicht ſchwer vorauszuſehen. Durch menſchliche Weisheit, Vernunft und Wiſſenſchaft werden die Gewiſſen nicht vom Papſt freigemacht. Beſonders haben je und je auch die weltlichen Fürſten, die Völker und Staaten ſich gegen den Papſt und ſeine An⸗ maßungen und übergriffe gewehrt. Das ganze Mittelalter hallt wider vom Kampf des deutſchen Kaiſers und anderer Fürſten und ihrer Völker gegen den Papſt zu Rom. Die weltlichen Reiche konnten ja nicht anders, ſie mußten ſich gegen die Anmaßungen Roms, gegen ſeine übergriffe, wehren, wenn ſie anders einigermaßen ihre Freiheit und Unabhängigkeit vom römiſchen Stuhl wahren wollten. Auf beiden Seiten wurde der Krieg nicht mit geiſtlichen, ſondern mit fleiſchlichen Waffen geführt. Der Staat hat keine andern Waffen und ſoll keine andern anwenden als die Waffen der geſetzlichen Verordnungen und, ſo man ihnen nicht gehorcht, der äußeren Gewalt, das Schwert, das er nicht umſonſt trägt. Mit dieſen Waffen haben die Fürſten und Reiche gegen Rom gekämpft. Und Rom kämpfte mit Bann und Interdikt und, wenn das nicht half, auch mit äußerer Gewalt, mit Abſetzung der Könige und Kaiſer, mit Ent⸗ bindung ihrer Untertanen vom geleiſteten Eid der Treue und, wo es die Macht und die Gelegenheit fand, auch mit Krieg und Blutvergießen, indem es ein Volk auf das andere hetzte. Gewiß, es iſt in dieſem Kampfe einzelnen mächtigen Fürſten und Reichen gelungen, die weltliche Macht des Papſtes zeitweilig zu unterdrücken, ſich ſeiner Anmaßungen zu erwehren, aber die Gewalt des Papſtes über die Gewiſſen blieb un⸗ gebrochen; auch der Papſt, der keine weltliche Gewalt hat und ausüben kann, herrſcht unumſchränkt über die Gewiſſen aller Leute, die innerlich nicht von ihm frei geworden ſind. — Das klarſte Exempel der Neuzeit, wie wenig der Staat mit aller ſeiner Macht gegen die geiſtliche Macht des Papſttums ausrichten kann, iſt wohl der Kampf des preußiſchen Staates gegen Rom in den ſiebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Auch der große, der gewaltige Staatsmann ſeiner Zeit, Bismarck mußte ſich vor dieſer Macht zurückziehen. Dieſer Kampf gegen Rom auf bürgerlichem und ſtaatlichem Gebiet tobt auch heute noch, auch in unſerm Lande. Und dieſer Kampf hat auch ſeine Berechtigung. Der Papſt trachtet auch heute noch nach politi⸗ ſcher, weltlicher Macht, er beanſprucht auch heute noch das Recht, in die Angelegenheiten des Staates dreinzureden. Dieſer Kampf muß mit weltlichen, äußeren Mitteln geführt werden, in unſerm Lande haupt⸗ ſächlich auch durch den Stimmkaſten. Dieſer Kampf iſt, wie geſagt,