# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S44 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 44 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung Synode, im Heiligen Geiſt rechtmäßig verſammelt, unter dem Vorſitz der drei Legaten des Apoſtoliſchen Stuhles, ſetzt feſt, bekennt und erklärt uſw.) Im Vatikanum, das den vollendeten Sieg des Papſtes über die Konzilien ausdrücklich feierlich vor aller Welt erklärt hat, lautet es ganz anders. Da redet nicht mehr das Konzil, ſondern aus eigener Machtvollkommenheit der Papſt. Da heißt es: „Nos“ (der Papſt redet von ſich im pluralis majestaticus) „sacro approbante Concilio, docemus et divinitus revelatum dogma esse definimus.“ (Wir, mit Zuſtimmung des heiligen Konzils, lehren und erklären, daß es ein göttlich geoffenbartes Dogma ſei uſw.) Und damit man ja die Sache nicht mißverſtehe, ſo erklärt der Papſt noch ausdrücklich, daß ſeine Lehrdefinitionen „irreformabiles“ ſeien, aus ſich ſelbſt, daß ſie es nicht erſt würden durch die Zuſtimmung der Kirche. Woher kam es, daß ſo große Anſtrengungen ſo vieler, ernſter, wohlmeinender Männer, die von ihren Zeitgenoſſen geſtützt wurden, welche die öffentliche Meinung weiter Kreiſe für ſich hatten, doch ganz vergeblich waren und mit einer ſchmählichen Niederlage endeten? Der Grund war dieſer, daß ſie nicht mit dem Evangelium kämpften. Sie hatten das Grundübel des Papſt⸗ tums nicht erkannt, ſeine ſchändliche Werkgerechtigkeit. Sie hatten ſelbſt das Evangelium in ſeiner Tiefe nicht erkannt, ſondern ſtanden noch in der Werkgerechtigkeit des Papſttums. Sie kämpften mit Konzilsbe⸗ ſchlüſſen gegen einzelne Anmaßungen und ſittliche Mißbräuche des Papſtes. Mit Recht ſagt Kurtz in ſeiner Kirchengeſchichte von dieſem Beſtreben: „Sein Gebrechen aber war dies, daß es eben nur eine Reformation an Haupt und Gliedern, nicht am Geiſt für nötig hielt, daß es die naturwüchſigen Ranken am Baum abſchneiden wollte, ohne ein Neues zu inokulieren. Nur das, was zunächſt drückend war und als offenbar unchriſtlich zutage trat: die übergriffe der Hier⸗ archie, die Gelderpreſſungen des Papſtes, die Sittenloſigkeit des Klerus, die Verſumpfung des Mönchtums u. dgl. m., überhaupt nur Mißbräuche und übelſtände in der hierarchiſchen Verfaſſung und Disziplin, ſollten abgeſtellt werden. Von der Lehre war gar nicht die Rede: die römiſche Faſſung derſelben ſtand von vornherein unantaſtbar feſt. Auch die beſtehenden Kultusformen galten trotz allem paganiſtiſchen Aberglauben, der ſich darin verkörpert hatte, als ebenſo unantaſtbar. Daran, das lautere Evangelium wieder hervorzuholen, dachte niemand. So konnte zu Konſtanz ein Hus auf den Scheiterhaufen gebracht, zu Baſel die unbefleckte Empfängnis der Maria als Glaubensſatz feſtgeſtellt werden.“ (II. S. 349.) Ebenſo ſcheiterten im 17. Jahrhundert die Bemühungen der gallikaniſchen Kirche in Frankreich, obwohl der damals mächtigſte Monarch, Ludwig XIV., ſie unterſtützte, ſich von der Herrſchaft des Papſtes freizumachen. Man hat verſucht mit den Waffen der menſchlichen Ver⸗ nunft dem Papſttum beizukommen. Man hat im Namen der geſunden Vernunft, im Namen der Wiſſenſchaft, gerade auch der modernen Wiſſen⸗