# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung eine Schweſterkirche, an der ja manche Flecken und Mängel ſeien, die man aber doch als eine wertvolle Bundesgenoſſin gegen den Unglauben willkommen heißen müſſe. Es iſt auch gar nicht zu verwundern, daß dieſe Leute das Papſttum in ſeinen eigentlichen Greueln nicht erkennen. Im tiefſten Grunde ſtimmen ſie mit ihm überein. Sie wollen auch ſich ſelbſt ſelig machen durch ihre Werke, durch ihre Tugenden, durch ihre Selbſtverleugnung, oder wie ſie es nennen mögen. Das Evangelium von der freien, unverdienten Gnade Gottes in Chriſto iſt auch ihnen, gerade wie dem Papſt, eine Torheit, ein Anſtoß und Ärgernis, ein Greuel, wenn ſie es auch nicht ſo emphatiſch ausſprechen wie der römiſche Papſt. — Die römiſche Kirche verſteht es, ſich einen großen Schein beſonderer Heiligkeit zu geben. Wie bewundert die Welt die Heiligkeit und Geiſtlichkeit der römiſchen Prieſter, die auf die Ehe, auf das Familienleben, verzichten, nur um ſo beſſer Gott und der Kirche, der Sache der Religion und der Menſchheit dienen zu können! Wie ſtaunt ſie die Heiligkeit und Selbſtverleugnung der Mönche und Nonnen an, beſonders der letzteren, die den Freuden der Welt den Abſchied geben und ſich ganz Gott und ihren Mitmenſchen widmen, wie ſie vorgeben, ein „gottgeweihtes“ Leben führen! Daß das alles häufig nur Schein iſt, im beſten Fall aber nichts anderes als Selbſtgerechtigkeit, womit man ſich den Himmel verdienen will, und ſich dabei über ſeine Mitmenſchen erhebt und Chriſtum und ſein Verdienſt verleugnet und ſchmäht, davon weiß und erkennt die Welt nichts. — Die römiſche Kirche rühmt ſich ihrer großen Liebestätigkeit gegen Kranke, Arme und Notleidende, ſie weiſt hin auf ihre vielen großen Hoſpitäler, Waiſenhäuſer, Altenheime und andere Anſtalten, die dazu dienen, die leibliche Not zu lindern. Das bewundert die Welt als wahrhaft chriſtliche Werke, als wahre chriſt⸗ liche Liebe und erkennt und ahnt es nicht, daß das alles nur dient und dienen ſoll zu um ſo größerer Ehre des Papſtes und ſeines Syſtems, daß das alles wiederum herfließt aus der Selbſtgerechtigkeit, zur Schmach Chriſti. — Die römiſche Kirche rühmt ſich auch gern als die eigentliche Erhalterin der ſtaatlichen und bürgerlichen Ordnung, ſie ſtellt ſich dar als den feſten, ſicheren Damm gegen die Fluten des Sozialismus, des Anarchismus, aller geſetzumſtürzenden Gewalten, die ſich jetzt breit⸗ machen. Sie bietet ihre wertvollen Dienſte in dieſer Hinſicht gern dem Staatsweſen an. Das bewundert die Welt, ſie ſtaunt ihre feſtgeſchloſſene Macht und Organiſation an. Man redet wohl von dem Papſt als von dem ehrwürdigen Greis im Vatikan zu Rom, der ſeine Macht, die ganze geſchloſſene Organiſation ſeiner Hierarchie und Kirche, ſtets in die Wag⸗ ſchale der bürgerlichen Ordnung, der bürgerlichen Freiheit, der Achtung vor dem Geſetz und der weltlichen Obrigkeit wirft, der ſeinen großen Einfluß, ſeine Gewalt ſtets dazu gebraucht, Frieden und Wohlfahrt unter den Völkern zu mehren oder, wenn ſie geſtört ſind, wiederher⸗ zuſtellen. — Dazu kommen dann noch manche Äußerlichkeiten: ihre gewaltigen, impoſanten Kirchen und Kathedralen, die Feierlichkeit und