# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung Kirche beſchränkt, ſondern alle proteſtantiſchen Kirchen nehmen mehr oder weniger daran teil. Was in dieſen Kirchen ſich noch von Gottes Wort findet, was ſie vom Evangelium noch haben, das haben ſie der Reformation Luthers zu verdanken. Selbſt auch die römiſche Kirche ſpürt ihre Segnungen. Und der volle Segen war von Gott auch ihnen zugedacht wie allen Menſchen; denn Gott will, daß allen Menſchen geholfen werde, und daß alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, zur Erkenntnis des reinen Evangeliums, das allein die Menſchen ſelig machen kann. Aus eigener Schuld ſind ſie desſelben verluſtig gegangen. Aus eigener Schuld haben ſie weſentliche Stücke des göttlichen Wortes, das Gott ſo hell und klar durch Luther wieder auf den Leuchter geſtellt hat, entweder überhaupt nicht angenommen oder es wieder fahren laſſen, weil es ſich mit der Vernunft nicht reimen läßt oder ſonſt dem Fleiſch unangenehm iſt. Ebenſo ſteht es in der einſt ſo reichgeſegneten Kirche der Reformation in Deutſchland. Auch ſie hat durch ihre Schuld das Erbe verloren und iſt zum großen Teil dem Unglauben anheimgefallen. Gerade in unſerer Zeit hat man faſt überall in der äußeren Chriſtenheit das Evangelium preisgegeben. Wohl redet man viel vom Evangelium, rühmt es auch wohl mit vielen hohen Worten, aber man weiß vielfach nicht mehr, was Evangelium iſt. Man nennt dies das Evangelium, daß der Menſch nach der “Golden Rule” lebt und dadurch ſich die Ver⸗ gebung der Sünden erwirbt, dadurch auf dieſer Erde glücklich und end⸗ lich auch ewig ſelig wird. “The fatherhood of God and the brotherhood of all men”, das iſt das Evangelium eines ſehr großen Teils der heutigen ſogenannten Chriſtenheit. Von dem Evangelium, daß der Menſch allein aus Gnaden ſelig wird, durch die Erlöſung, ſo durch Chriſtum geſchehen iſt, durch den Glauben an ihn, daß der Menſch aus ſeinen Kräften gar nichts zu dieſem Werk tun kann, ſeien es nun natürliche oder von Gott ihm dargebotene Gnadenkräfte, daß jeder Menſch von Natur im geiſt⸗ lichen Tode liegt und darin bleibt, bis Gott ihn aus ſeiner allmächtigen Kraft, durch ſein lebenbringendes Wort, zum Leben erweckt, davon will man nichts wiſſen. Das widerſtreitet der Vernunft, der Sittlichkeit, der moraliſchen Perſönlichkeit und Verantwortlichkeit der Menſchen, vor allem dem natürlichen Stolz, der Selbſtgerechtigkeit. Anders — wir dürfen es mit innigem Dank gegen unſern treuen Gott ſagen — ſteht es bei uns. Wir haben und genießen noch in vollem Maße den Segen, gerade auch den geiſtlichen Segen der Refor⸗ mation. Wir haben noch das reine Evangelium. Gott hat uns ſein Evangelium in ſeiner ganzen Fülle geſchenkt in dieſem Land, das damals faſt noch ganz unbekannt war, als Luther ſeine 95 Theſen anſchlug an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg und damit öffentlich gegen den greulichen Ablaßhandel des Papſtes auftrat, als er, ein ſchwacher, geringgeachteter Mönch, wie ein David, in Worms dem Goliath ent⸗ gegentrat und im Vertrauen auf Gott ſeinen himmliſchen Vater, das Evangelium vor Kaiſer und Reich unerſchrocken bekannte. Gott