# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung Nation ausgedrückt hat für die Ernennung etlicher Erzbiſchöfe zu Kardi⸗ nälen. Denken wir daran, mit welcher Arroganz dieſe Kardinäle ſich als Fürſten der Kirche den Staatsbeamten gegenüber gezeigt haben, wie ſie den Vorrang vor allen Beamten des Staates beanſpruchten mit Ausnahme des Präſidenten. Kein noch ſo berühmter Mann, kein Staatsmann, Präſident uſw. iſt wohl je mit ſo großen Ehren, mit ſolchem Enthuſiasmus in unſerm Lande empfangen worden als der Erzbiſchof von New York, D. Farley, als er, mit der Kardinalswürde bekleidet, von Rom zurückkehrte. Es iſt in römiſchen Kreiſen mehr als einmal aus⸗ geſprochen worden, daß Rom auch nach politiſcher Macht trachtet, daß es danach ſtrebt, auch in unſerm Lande, ähnlich wie in Deutſchland die Zentrumspartei, eine beſondere Partei zu gründen mit römiſchen Ten⸗ denzen. Daß man noch nicht weiter gegangen iſt, kommt nur daher, weil man erkennt, daß die Zeit noch nicht reif iſt, daß man erſt das Volk in ſeinem Denken und ſeinen Anſchauungen noch römiſcher gemacht haben muß. überall, wo wir hinblicken, nicht nur auf religiöſem Gebiet, ſon⸗ dern auch auf allen Gebieten des bürgerlichen Lebens, ſehen wir Roms emſige Tätigkeit, Roms immer bedeutender werdenden Einfluß. Es iſt auch in bezug auf unſer Land Wahrheit, was Prof. Theodor Kolde ſchreibt in bezug auf die europäiſchen Nationen in ſeiner Schrift „Der Katholizismus und das zwanzigſte Jahrhundert“: „Es mag uns Pro⸗ teſtanten gefallen oder nicht, wer die Geſchichte des Papſttums an ſich vorüberziehen läßt, muß zugeben, daß ſeit den Tagen Innozenz' III. das Papſttum niemals eine glänzendere und mächtigere Stellung ein⸗ genommen hat als heutzutage. Nicht nur die katholiſchen Fürſten, faſt noch mehr proteſtantiſche, überbieten ſich in faktiſchen und redneriſchen Huldigungen gegenüber dem klugen Greiſe auf dem römiſchen Biſchofs⸗ ſtuhle, der es wagen durfte, die Reformation eine Peſt zu nennen. . . . Die Ultramontanen beherrſchen unſere Parlamente, ſie machen unſere Geſetze, ſie befinden über die Bedürfniſſe der evangeliſchen Kirche. Je länger, je mehr dringt die Forderung durch, daß nicht die Tüchtigkeit, ſondern die Stellung zur römiſchen Kirche bei der Anſtellung der Be⸗ amten, vor allem der Gelehrten, zu entſcheiden hat. ‚Wie ſtellt ſich die römiſche Kirche dazu? Wird es die Kurie billigen?‘ davon hängt ſchon nicht mehr ſelten bei ſehr weltlichen innerſtaatlichen Angelegenheiten die Stellungnahme unſerer Staatsmänner ab; denn ein Wink von Rom kann mittelſt der wohlgeſchulten Zentrumsfraktionen die ganze Geſetz⸗ gebungsmaſchine ins Stocken bringen. Und was wohl das Erſtaunlichſte iſt, was ein Innozenz vergeblich erſtrebt hat, wogegen ſich katholiſche Fürſten und Völker immer aufgebäumt haben, das Schiedsrichteramt über Recht und Unrecht im politiſchen Kampf der Fürſten und Völker, das hat dem Papſttum zuerſt eine proteſtantiſche Macht zuerkannt, und nicht am wenigſten um deswillen hat, wie ſchon bemerkt, vielleicht nie⸗ mals ein Papſt, mag er auch ſonſt durch die Macht der Tradition und durch die jeſuitiſche Kamarilla vielfach beengt ſein, nach außen hin