# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung unterſtützen, ſchützen und verteidigen. Worauf gründet ſich dieſe Pflicht? Auf die Verpflichtung der bürgerlichen Geſellſchaft, Religion zu bekennen. Denn da die Nationen vom Schöpfer kommen, ſo ſchulden ſie ihm als Nationen Verehrung, Liebe und Gehorſam, geradeſo wie die Individuen. Was iſt demnach die Hauptpflicht der Staatsoberhäupter? Ihre Haupt⸗ pflicht iſt, für ſich ſelbſt die katholiſche Religion zu üben und, ſolange ſie in Macht ſind, ſie zu ſchützen und zu verteidigen. Hat der Staat das Recht und die Pflicht, Lostrennung und Ketzerei zu verbannen (pro- scribe)? Ja, er hat das Recht und die Pflicht, das zu tun, beides zum Wohl des Staates und der einzelnen Gläubigen; denn die religiöſe Einheit iſt die Grundlage der geſellſchaftlichen Einheit. Darf der Staat ſich von der Kirche trennen? Nein, denn er darf ſich von dem oberſten Regiment Chriſti nicht losſagen. Wie heißt man die Lehre, daß der Staat weder das Recht noch die Pflicht hat, ſich mit der Kirche zu ver⸗ einigen und ſie zu ſchützen? Dieſe Lehre heißt Liberalismus. Sie gründet ſich auf die Tatſache, daß die modern menſchliche Geſellſchaft auf der Freiheit des Gewiſſens, der Anbetung, Freiheit der Rede und der Preſſe beruht. Warum muß der Liberalismus verdammt werden? 1. Weil er die Unterordnung des Staats unter die Kirche leugnet; 2. weil er Freiheit und Recht vermiſcht (confounds); 3. weil er die ſoziale Oberhoheit Chriſti verachtet und die daraus abgeleiteten Wohl⸗ taten verwirft.‘ “ (Der Friedensbote, 6. Dezember 1914.) Nach dieſen Ausſprüchen müſſen wir alle die ſchönen Reden von der Harmloſigkeit der römiſchen Kirche in politiſcher Hinſicht, wie ſie uns immer wieder aufgetiſcht werden, verſtehen und korrigieren. Von allen Päpſten, gerade auch von den letzten Päpſten, gilt, mutatis mutandis, was der ſelige D. Gräbner von Leo XIII. geſchrieben hat: „Faſſen wir nun alles, was wir von Leos XIII. öffentlichen und amtlichen Kundgebungen vernommen haben, zuſammen, wie er die Reformation ihrer Lehre nach als Häreſie, ihren Folgen nach als Quelle entſetzlicher Greuel an den Schandpfahl geſtellt, unſere Ehe, die Grundlage unſers ganzen geſell⸗ ſchaftlichen Lebens, als Konkubinat ſchimpfiert, unſere köſtlichſten Rechte und Freiheiten als gott⸗ und vernunftwidrige übel und deren Ver⸗ teidigung als unerlaubt verurteilt, deren Bekämpfung hingegen ſeinen Anhängern auch in unſerm Lande zur heiligen Pflicht gemacht hat, und wenn wir bedenken, daß er das alles geſagt und getan hat, damit es auch über ſeinen Tod hinaus auf alle Zeiten gelte und wirke, und er es dabei verſtanden hat, ſich als Freund und Hort der Völker des Erdkreiſes aufzuſpielen, ſo müſſen wir, auch abgeſehen von allem, was wir ſonſt über das Papſttum zu ſagen haben, dieſes ſagen: Der alte Mann, der am 20. Juli 1903 im Vatikanpalaſt zu Rom geſtorben iſt, war der bitterſte, gefährlichſte und ſchädlichſte Feind, den wir proteſtantiſchen Chriſten und wir amerikaniſchen Proteſtanten und Bürger in den letzten fünfundzwanzig Jahren auf Erden gehabt haben.“ (Proteſtantiſcher Nachruf, S. 22.)