# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1916. 19 exiſtiert, und zugleich eine zweifache Machtvollkommenheit auf Erden zu unterſcheiden iſt: die eine, die natürlich iſt, welche für den Frieden der menſchlichen Geſellſchaft und die weltlichen Geſchäfte Fürſorge trägt, die andere aber, deren Urſprung übernatürlich iſt, die dem Staate Gottes vorſteht, nämlich der Kirche Chriſti, welche Gewalt zum Frieden und der ewigen Seligkeit der Seelen von Gott geſtiftet iſt. Dieſe Pflichten aber der zweifachen Gewalt ſind auf das weiſeſte alſo geordnet, daß ſie Gott geben ſollen, was Gottes iſt, und um Gottes willen dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt.“ Wenn man aber aus ſolchen und ähnlichen Aus⸗ ſprüchen, an denen in den Bullen und Enzykliken der Päpſte kein Mangel iſt, ſchließen wollte, daß die römiſche Kirche in dieſem Stück wenigſtens dem Worte Gottes gemäß lehre, ſo wird man ſich bald getäuſcht ſehen. Wer entſcheidet die Frage, welche Dinge in das weltliche, und welche in das geiſtliche Gebiet und Reich gehören? Kann da der römiſche Chriſt etwa die Sache nach Gottes Wort und nach ſeinem Gewiſſen ſelbſt ent⸗ ſcheiden? Gewißlich nicht. Die Frage, welche Dinge dem Kaiſer zu geben ſind, und zwar um Gottes und des Gewiſſens willen, gehört ohne Zweifel in das Gebiet der Moral, in das Gebiet des chriſtlichen Lebens, alſo in das geiſtliche Gebiet. Auf dieſem Gebiet iſt aber der Papſt der unfehlbare Lehrer, der oberſte Richter, gegen deſſen Entſcheidung es keine Appellation im Himmel und auf Erden gibt. Vom Papſt hat der Chriſt nach römiſcher Lehre es ſich ſagen zu laſſen, welche Dinge er dem Kaiſer, ſeiner weltlichen Obrigkeit, geben ſoll und darf. Der Papſt hat darüber zu entſcheiden, ob die weltliche Macht in ihren Schranken bleibt, und wann ſie dieſelben überſchreitet. Und die Päpſte ſind auch keines⸗ wegs ſehr zurückhaltend geweſen, dieſe ihre angebliche Prärogative der weltlichen Obrigkeit gegenüber anzuwenden. Sie haben wiederholt es ſich angemaßt, auch in die weltliche Geſetzgebung der Staaten einzu⸗ greifen und Geſetze der Staaten für ungültig zu erklären. Und die Päpſte, gerade auch die Päpſte der letzten Zeit, haben es wiederholt aus⸗ geſprochen, wie ſie über das Verhältnis der Kirche zum Staate denken, wie ſie dieſes Verhältnis anſehen, was ſie von Religions⸗ und Gewiſſens⸗ freiheit halten. So hat z. B. Papſt Alexander VIII. in ſeiner Enzyklika „Inter multiplices“ vom 4. Auguſt 1690 dieſen Satz verdammt: „Daß dem ſeligen Petrus und ſeinen Nachfolgern, den Statthaltern Chriſti, und der Kirche ſelbſt die Macht über geiſtliche Dinge, die zum ewigen Heil gehören, von Gott gegeben ſei, nicht aber über die bürger⸗ lichen und zeitlichen, nach dem Wort des HErrn: ‚Mein Reich iſt nicht von dieſer Welt‘ (Joh. 18, 36); und wiederum: ‚Gebt daher dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt, und Gotte, was Gottes iſt‘; und daß daher das apoſtoliſche Wort feſtſtehe: ‚Jedermann ſei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es iſt keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit iſt, die iſt von Gott verordnet. Wer ſich nun wider die Obrigkeit ſetzt, der widerſtrebt Gottes Ordnung‘ (Röm. 13, 1. 2), daß daher die Könige und Fürſten in weltlichen Dingen keiner kirchlichen