# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung der Papſt zu entſcheiden.) „Sie bezieht ſich alſo auch nicht auf die Natur und die Bewegungen der Planeten, noch bezieht ſie ſich auf rein politiſche Fragen“ (welches die ſind, hat natürlich wieder allein der Papſt zu entſcheiden), „z. B. welche Regierungsform eine Nation zu wählen hat, oder für welche Kandidaten wir ſtimmen ſollen. Folglich verſtößt die Unfehlbarkeit des Papſtes auch keineswegs gegen die bürger⸗ liche Gewalt. Denn die Gerichtsbarkeit des Papſtes bezieht ſich auf geiſtliche Gegenſtände, während es Sache des Staates iſt, für das zeit⸗ liche Wohl der Untertanen zu ſorgen.“ (Gl. d. Väter, S. 93.) Beſon⸗ ders rühmt die römiſche Kleriſei das Beſtreben ihrer Kirche, die religiöſe und bürgerliche Freiheit unſers Landes aufrechtzuerhalten. Derſelbe Kardinal ſchreibt: „Unter religiöſer Freiheit verſtehen wir das freie Recht, Gott zu verehren nach den Forderungen eines redlichen Gewiſſens und eine Religionsform auszuüben, die im ganzen in übereinſtimmung ſteht mit unſern Pflichten gegen Gott. Jeder Akt, der die Gewiſſens⸗ freiheit bricht, wird mit Recht Intoleranz genannt. Dieſe religiöſe Freiheit iſt das unſtreitige Recht eines jeden Menſchen, weil ſie einer ſtrengen Pflicht entſpricht, die Gott uns auferlegt hat. — Ein Menſch erfreut ſich bürgerlicher Freiheit, wenn er unabhängig iſt vom will⸗ kürlichen Willen anderer und durch billige Geſetze regiert wird, welche für die Wohlfahrt der Geſellſchaft eingeführt ſind. Solange er in Gemeinſchaft mit ſeinen Mitbürgern die Geſetze des Staates beobachtet, iſt ihm jede auferlegte ausnahmsweiſe Einſchränkung in der Ausübung ſeiner bürgerlichen Rechte eine Verletzung ſeiner bürgerlichen Frei⸗ heit. — Nun behaupte ich — und glaube es an der Hand der Geſchichte nachweiſen zu können —, daß die katholiſche Kirche immer die eifrige Beſchützerin der religiöſen und bürgerlichen Freiheit geweſen ſei, und daß, woimmer Eingriffe in dieſe heiligen Menſchenrechte von gläubigen Katholiken begangen worden ſind, ſolche Ungerechtigkeiten, weit entfernt, von der Kirche ſanktioniert worden zu ſein, mit handgreiflicher Ver⸗ letzung ihrer Autorität begangen worden ſind.“ (S. 142.) Immer wieder betonen die Prälaten der römiſchen Kirche ihre Liebe für die bürgerliche und religiöſe Freiheit, ihren Abſcheu gegen die Einmiſchung der Kirche in die weltlichen Angelegenheiten des Staates und Volkes. Sie beſchuldigen als bigotte Leute alle die, welche irgendeine Gefahr in dieſer Hinſicht von ſeiten der römiſchen Kirche wittern und davor warnen. — Wie ſteht es in dieſer Sache nach den wirklich authentiſchen Äußerungen der Kirche, nach den Äußerungen der Päpſte? Wohl lehrt die römiſche Kirche ausdrücklich, daß es nach Gottes Willen und Ordnung zwei Reiche in dieſer Welt gebe und geben ſolle, das weltliche und das geiſtliche Reich, die wohl zu unterſcheiden ſeien. Sie führt hierbei gern und oft das Wort Chriſti an: „Gebt dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt, und Gotte, was Gottes iſt!“ In ſeiner Enzyklika „Etsi multa luctuosa“ vom Jahre 1873 ſchreibt Pius IX.: „Der Glaube lehrt, und die menſch⸗ liche Vernunft beſtätigt es, daß eine doppelte Ordnung der Dinge