# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1916. 11 Formalprinzip der Reformation, die Wahrheit, daß allein die Heilige Schrift, das geoffenbarte Wort Gottes, Artikel des Glaubens ſtellen kann und ſonſt niemand, auch kein Engel vom Himmel, daß die Gewiſſen allein an das klare Gottes Wort zu binden ſind und ſonſt an nichts im Himmel und auf Erden. Sie ſetzen dagegen feſt, daß neben der Heiligen Schrift auch die mündlichen überlieferungen und der gemeinſame Konſens der Väter Quelle des Glaubens ſeien. Dazu kommt noch, daß das Konzil feſtſetzt, daß niemand die Schrift auslegen könne und dürfe als nur die Kirche, das heißt, mit andern Worten, der Papſt und ſeine Kleriſei. Und ebenſo hat der Papſt zu entſcheiden, was eigentlich die Tradition, die mündliche überlieferung, ſei. So ſteht es ſchließlich allein in der Gewalt des Papſtes, zu beſtimmen, was göttliche Lehre iſt und was nicht, was ein Menſch bei ſeiner Seligkeit zu glauben hat und was nicht, was er bei Verluſt ſeiner Seligkeit tun oder laſſen ſoll. — Die Beſchlüſſe des Tridentiner Konzils zerſtören ferner das Materialprinzip der Reformation, das heißt, die Wahrheit, daß der Menſch ohne des Geſetzes Werk, allein durch Gottes Gnade, allein um Chriſti willen, allein durch den Glauben vor Gott gerecht und ſelig wird. Die römiſche Kirche lehrt in dieſem ihrem Haupt⸗ bekenntnis heute noch, daß der Menſch nicht allein aus Gnaden ſelig werden kann, ſondern ſeine Seligkeit ſich ſelbſt wenigſtens zum Teil mitverdienen muß. Sie verflucht den, der da lehrt, daß der Menſch ohne des Geſetzes Werk, allein durch den Glauben ſelig wird. Sie lehrt daher auch, daß ein Chriſt ſeines Gnadenſtandes und ſeiner Seligkeit nicht gewiß ſein könne noch dürfe, ja, ſie verflucht den, der auf Grund der Schrift das lehrt, und ſo raubt ſie den Chriſten allen wahren Troſt und führt ſie zum Zweifel, ja, ſoviel auf ihre Lehre ankommt, zur Ver⸗ zweiflung. — Das Tridentiner Konzil hält ferner den ganzen Greuel der Meſſe aufrecht und lehrt, daß in der Meſſe ein eigentliches und wahres Opfer dargebracht werde, daß der Prieſter das einige Opfer Chriſti für die Sünde immer aufs neue wiederhole, daß alſo die Meſſe in Wahrheit ein Sündopfer ſei. Sie verflucht feierlich jeden, der da ſagt, daß das Meßopfer nur ein Opfer des Lobes und Dankes oder ein bloßes Gedächtnis des Opfers, am Kreuz geſchehen, ſei, nicht aber ein Sündopfer, daß es allein dem etwas nützt, der den Leib des HErrn genießt, daß es aber nicht für die Lebendigen und die Toten, für die Sünden, Strafen, Genugtuungen und andere notwendige Dinge dar⸗ gebracht werden ſolle. So könnten wir fortfahren und bei jedem Artikel zeigen, wie das Tridentiner Konzil ſich gegen jede Wahrheit wendet, die durch die Reformation aus Gottes Wort wieder ans Licht geſtellt war, wie ſie ihre ſchändlichen Menſchenfündlein feierlich behauptet und den mit ihrem Fluch belegt, der nach dem klaren Wort Gottes lehrt und ihre Menſchengebote verwirft. Und ſo lehrt die römiſche Kirche heute noch. In einem Punkt hat ſich das Tridentiner Konzil noch nicht ganz klar und beſtimmt ausgeſprochen, nämlich über die Oberhoheit des