# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung Wir ſagen da nicht Dinge, die einem Lutheraner neu wären. Wir wiſſen längſt, daß es ſo ſteht, aber es iſt auch uns gut und heilſam, daß wir uns gerade bei unſerer Jubelfeier wieder lebendig daran erinnern. Wollen wir das Papſttum und die römiſche Kirche in ihrem eigent⸗ lichen Weſen recht erkennen und beurteilen lernen, ſo dürfen wir nicht die Bewunderer dieſer Inſtitution unter den Proteſtanten oder ihre Verteidiger zu Rate ziehen, auch nicht die gelegentlichen Ausſprüche dieſer oder jener katholiſchen Theologen, auch wenn ſie eine noch ſo hohe Stellung in der römiſchen Kirche einnehmen ſollten, Biſchöfe, Erz⸗ biſchöfe oder Kardinäle wären, ſondern wir müſſen zu den Quellen gehen, zu den öffentlichen Bekenntniſſen dieſer Kirche, an denen ſie heute noch feſthält, und zu den Ausſprüchen ihrer, wie ſie behauptet, unfehl⸗ baren Lehrer, der Päpſte ſelbſt. Da lernen wir das Papſttum und die römiſche Kirche kennen, hören, was ſie lehrt, wie ſie ſich zum Evan⸗ gelium, zu Gottes Wort, ſtellt, welche Vorrechte ſie fordert uſw. — Das Hauptbekenntnis der römiſchen Kirche ſind heute noch die Be⸗ ſchlüſſe und Kanones des Tridentiner Konzils. Durch dieſes Konzil inſonderheit, durch ſeine Beſchlüſſe, hat die römiſche Kirche ſich als Sekte etabliert, hat das reine Evangelium, das lautere Wort Gottes, das ihr durch Luther und ſeine Mitarbeiter ſo gewaltig bezeugt war, feierlich verworfen, hat alle die mit dem Fluch belegt, die es predigen und bekennen. Die Beſchlüſſe des Tridentiner Konzils ſind gleichſam die endgültige Antwort, welche die römiſche Kirche ihrem Gott und Heiland, der auch ſie in Gnaden durch das Evangelium zu ſich gerufen hatte, gegeben hat, ihr entſcheidendes, und gültiges Nein gegen das göttliche Zeugnis des Evangeliums. Gerade durch dieſes Konzil hat die römiſche Kirche ſich in ihrer Bosheit gegen Chriſtum und ſein Evangelium verhärtet und verſtockt. Und dieſes Bekenntnis hat heute noch in dieſer Kirche völlige Gültigkeit, es beſteht noch zu Recht. Nicht einen Buchſtaben, nicht einen Tüttel davon hat die römiſche Kirche je widerrufen oder zurückgenommen; ſie hält an allen Feſtſetzungen der Lehre, an allen Verfluchungen feſt. Und dieſes Bekenntnis wird in der römiſchen Kirche nicht etwa als ein überbleibſel aus alter Zeit behandelt, als eine ehrwürdige geſchichtliche Größe, die man zwar etwa aus Pietät ſtehen läßt, aber um die ſich niemand kümmert, ſondern nach dieſem Bekenntnis lehrt die Kirche in ihren Schulen die Kinder, danach wird gepredigt auf allen Kanzeln, danach wird amtiert in allen Gemeinden, darauf werden ihre Prieſter und Lehrer endlich verpflichtet, auf dieſen Dekreten und Kanones ruht der Catechismus Romanus, das Normal⸗ lehrbuch der römiſchen Kirche. „Auf dieſen Beſchlüſſen“, ſo ſagt mit Recht P. Tſchackert in der „Realenzyklopädie für proteſtantiſche Theo⸗ logie und Kirche“ (Bd. 20, S. 106), „ruht der ganze moderne Katholi⸗ zismus; ſie gelten tatſächlich in der ganzen römiſch⸗katholiſchen Welt, auch wo ſie nicht formell verkündigt ſind.“ Was ſetzen nun die Be⸗ ſchlüſſe des Tridentiner Konzils feſt? Sie zerſtören zunächſt das