# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1916. 9 proteſtantiſcher Bevölkerung die Sache ſo dar, als ſei die Kluft zwiſchen Katholiken und Proteſtanten nicht ſo tief und weit, wie man es in gewiſſen Kreiſen darſtelle. Man redet den Chriſten gern vor, die römiſche Kirche werde von den proteſtantiſchen, beſonders auch von den lutheriſchen Predigern ſchändlich verleumdet, ihre Lehren würden entſtellt, es würde ihr vieles untergeſchoben, was ſie nie gelehrt habe und nicht lehren wolle, ja verabſcheue. Dieſe Prediger ſeien darauf aus, weil ſie eben aus der Schrift die römiſche Kirche nicht überwinden könnten, ſie durch ihre Lügen zu verderben. So ſchreibt, um nur ein Beiſpiel an⸗ zuführen, Kardinal Gibbons in ſeinem bekannten, weitverbreiteten Buch: “The Faith of Our Fathers” alſo: „Die katholiſche Lehre wird beharrlich durch die einflußreichſten Organe entſtellt. Sie wird angegriffen in Romanen, in illuſtrierten Zeitſchriften und ſogenannten Geſchichts⸗ büchern. In einem großen Teil der Preſſe und beſonders auf der Kanzel, welche der Liebe und Wahrheit geweiht ſein ſollte, iſt ſie das Opfer der ſchmutzigſten Verleumdungen. über ihre reine, himmliſche Stirne breiten ihre Feinde eine häßliche Larve und geben ſie dann den Schmä⸗ hungen und dem Hohn der Menge preis. Es ergeht ihr wie ihrem Bräutigam JEſus, der mit einem Scharlachmantel bekleidet, mit Dornen gekrönt und alſo entſtellt durch einen rohen Haufen verſpottet wurde. Sie fürchten ſich, von ihr die Wahrheit zu ſagen; denn ‚ſo groß und herrlich iſt die Macht der Wahrheit, daß ſchon ihr Anblick ſie zu lieben zwingt‘.“ (Aus der autoriſierten deutſchen überſetzung. Einleitung, S. 4.) Man ſucht die Sonderlehren der römiſchen Kirche, die den Nicht⸗ katholiken beſonders anſtößig ſind, möglichſt im milden Licht erſcheinen zu laſſen, oder man ſtellt ſie möglichſt in den Hintergrund oder ver⸗ ſchweigt ſie dieſen Leuten gegenüber ganz und gar. Man ſucht die falſchen Lehren mit der Schrift zu beweiſen und ſchreckt dabei vor keiner Fälſchung der Schrift zurück. In den Hauptlehren ſei man doch eins, ſo hört man ſie auch wohl auf jener Seite ſagen. Alles, was die proteſtantiſchen Chriſten zu tun hätten, ſei nur dieſes, unter das milde, väterliche Regiment des allerheiligſten Vaters und unfehlbaren Lehrers der Chriſtenheit und in die Gemeinſchaft der alleinſeligmachenden Mut⸗ terkirche zurückzukehren, die ihre reumütigen Kinder mit offenen Armen wieder aufnehmen werde. Stünde die Sache zwiſchen uns und dem Papſttum alſo, dann wäre es natürlich unnötig, ja ſogar ſündlich, zum ernſten Kampf gegen den Papſt als einen bitteren und überaus gefährlichen Feind Chriſti auf⸗ zufordern, dann wäre es am Platz, ernſtliche Vereinigungsverſuche mit Rom einzuleiten. Aber die Sache ſteht ganz anders. Wir ſagen: Das Papſttum iſt nicht nur heute noch derſelbe bittere und gefährliche Feind Chriſti und ſeines Evange⸗ liums, der es in den Tagen der Reformation war, ſondern es hat ſich in ſeiner Bosheit nur noch mehr verhärtet und verſtockt. Das haben wir jetzt kurz darzulegen.