# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1916_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Verhandlungen der ſechsundzwanzigſten Verſammlung ſeinen Glauben verleugnet hatte und zum Calvinismus abgefallen war, ſo war doch ſein Land und Volk dem Evangelium treu geblieben. Mit Freude und Dank gegen Gott konnte die lutheriſche Kirche ihre erſte Jahrhundertfeier im Jahre 1617 begehen. Durch viele Waſſer der Trübſale und Verfolgung hindurch hatte der HErr ſeine Kirche errettet. Bei Gelegenheit dieſer Feier hatten die Römiſchen mit großer Zuverſicht geweisſagt, daß die lutheriſche Kirche das zweite Jahrhundert nicht überdauern, daß eine zweite Jahrhundertfeier nicht ſtattfinden werde. Und es ſchien eine Zeitlang, als ſollte dieſe Weisſagung ſich erfüllen. Ein Jahr nach jener Jubelfeier begann der ſchrecklichſte aller Religionskriege, der Dreißigjährige Krieg, im Jahre 1618. Der Teufel wollte durch rohe Gewalt, durch Krieg und Blutvergießen, das Wort Gottes in deutſchen Landen ausrotten. Unſägliches Elend hat dieſer entſetzliche Krieg über ganz Deutſchland und auch über unſere luthe⸗ riſche Kirche gebracht. Aber wieder ſah Gott in Gnaden darein. Nach dreißig langen, ſchweren Jahren war endlich der Krieg vorbei, und Paul Gerhardt konnte 1653 wieder ſingen von dem „güldnen, edlen, werten Fried' in unſerm Vaterland“. Die lutheriſche Kirche hat auch dieſen Sturm durch Gottes Gnade überſtanden und konnte mit Jubel und Dank 1717 ihre zweite Jahrhundertfeier der Reformation begehen. Allerdings hatte ſie in großen Kreiſen das alte Evangelium nicht mehr ganz rein bewahrt. Die lutheriſche Kirche ſtand damals unter der Herrſchaft des Pietismus, der die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Zentrum der Lehre gedrängt und die Heiligung und Frömmigkeit an ihre Stelle geſetzt hatte. So trat unſere Kirche ihr drittes Jahrhundert an. Und nun ging es ſchnell bergab. Auf den Pietismus folgte die Auf⸗ klärung und der vulgäre Rationalismus, der mit dem Evangelium und mit Gottes Wort, aller göttlichen Offenbarung, ganz aufräumen wollte und an ſeine Stelle die Vernunft zu ſetzen gedachte. So kam das Jahr 1817 heran, aber es war ein trauriges Feſt, das die Kirche damals feierte. Nicht mehr Gottes Wort und Luthers Lehre war das Loſungs⸗ wort bei den allermeiſten, ſondern Vernunft, Aufklärung und Freiheit von Gottes Wort. Und diejenigen, die es noch mehr ernſt nahmen mit dem Chriſtentum, feierten das Jubeljahr dadurch, daß ſie jene falſche Union zwiſchen der reformierten und lutheriſchen Kirche vollzogen, die Vereinigung von Wahrheit und Irrtum. Es ſchien, als ſollte das reine Evangelium nun ganz untergehen. Aber wieder half Gott über Bitten und Verſtehen. Ein neues Glaubensleben erwachte wieder in den deutſchen Landen, und wieder fielen viele dem Lichte zu. Aber leider kehrte man nicht völlig zu Luther und dem alten Evangelium zurück, und ſo ging es bald wieder rückwärts, immer ſchneller und ſchneller auf abſchüſſiger Bahn. Vernunft und falſche Wiſſenſchaftlichkeit beherrſcht die Kirche drüben. Man hat in weiten Kreiſen das sola Scriptura und das sola gratia längſt wieder verloren. Offener Unglaube hat viele ergriffen. Und nun iſt zur Strafe dieſes Abfalls der furchtbare Krieg