# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1858_S367 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 367 auszudrücken, daß in Deutschland, dem Lande der Wissenschaft, und von einem sonst wackeren Theologen wie Pfr. Wucherer eine derartige Exegese und solche Application auf die Gegenwart producirt werden konnte. Nicht blos vom theologischen, sondern auch vom logischen Gesichtspunkte aus ist es zum Verwundern. Wir hätten nimmermehr erwartet, daß durch Pfr. Wucherer im Kreise der Anhänger Löhe's dasselbe als Pflicht rechter Lutheraner ausgesprochen werden würde, was neulich hier in Amerika auf einer ganz andern Seite, nämlich innerhalb der Generalsynode, ausgesprochen worden ist (Siehe die Mittheilung und Kritik im Septemberhefte). Wer hätte glauben können, von so entgegengesetzten Seiten aus eine Ermahnung zum Abthun des kirchenzertrennenden Lehrstreits, eine Ermahnung zur indifferenten, kampfesscheuen, friedensfaulen Union zu vernehmen? Denn darauf treibt auch der Grundsatz Pfr. Wucherers unwiderstehlich hin. Ist einmal das lautere Wort Gottes nicht mehr das höchste und einige Gut der Kirche, sieht man Unterschiede in wichtigen Puncten der Lehre nicht mehr für so wichtig an, daß man darum ehrlichen Streit führen müsse ohne alle falschen Rücksichten, hält man die äußerliche Einheit höher als die Einheit im Glauben: so können wir nicht einsehen, warum man sich dann nicht konsequenter Weise auch mit Reformirten, Methodisten, Baptisten, Bischöflichen und Katholiken vereinigen kann, namentlich wenn sie äußerlich den Namen „lutherisch" annehmen und sich in die Ordnung der Kirche fügen wollen. Die hiesige Generalsynode ist in der Praxis freilich consequenter als Pfr. Wucherer, aber da der Grundsatz derselbe ist, so wird dieser sich auch zu den Consequenzen bekennen müssen. Bei dieser merkwürdigen Parallele, die in Bezug auf unirtes Prinzip Pfr. Wucherer und die Generalsynode bilden, ist es noch in hohem Grade auffallend, wie so entgegengesetzte Richtungen sich berühren können. Es muß bei beiden eins und dasselbe, wenn auch in verschiedener Form zu Grunde liegen, und das ist — Indifferentismus gegen die reine Lehre und lautere Wahrheit des Evangeliums und Ueberschätzung der äußerlichen kirchlichen Einheit. Und doch hilft ein einziges Wörtlein Gottes mehr zur Erhaltung der Kirche als noch so große Massen. Darum wollen wir das reine Wort Gottes predigen und anhalten, es sei zur rechten Zeit oder zur Unzeit, und vor Freund und Feind die Wahrheit bezeugen, die in Christo Jesu ist. Dazu helfe uns Gott! Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. (Fortsetzung.) VI. Indem wir die Disciplin des Kirchenrechtes übergehen, da dasjenige, was sich hierüber in den ausführlichen dogmatischen Werken unserer Kirche, namentlich in den Locis von der Kirche, vom Amt, von der weltlichen Obrigkeit und von der Ehe zerstreut findet, einem „gemeinen Pfarrherrn“