# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1858_S365 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Verwirret die Gewissen nicht. 365 Apostels. Wo es sich um Lehre handelte, wo Irrthümer in den Gemeinden auflamen, da zeigte er keine Spur von der Duldsamkeit, welche er Röm. 14. den schwachen, ängstlichen Gewissen bewies, die nur in der Praxis nicht wagten, von ihren Christenrechten vollen Gebrauch zu machen und sich ihrer evangel. Freiheit unbefangen zu bedienen; vielmehr trat er da mit der kräftigen Verkündigung der reinen Lehre auf, legte die Wahrheit auf's klarste und überzeugendste dar, wies den Irrthum in seiner Gottwidrigkeit und Thorheit auf und wandte die ganze Fülle apostolischer Erkenntniß, die ganze Schärfe zwingender Beweisführung, die ganze Macht erschütternder Beredtsamkeit auf, um die in der Lehre Irrenden zur vollen Wahrheit in allen Stücken zurückzuführen. Und wer trotz alles Lockens und Mahnens des Geistes Gottes, der in der apostolischen Predigt wirkte, der Wahrheit widerstand und im Irrthum trotzig beharrte, den verfluchte er als einen Feind des Evangeliums. Daß sich diese Auffassung der klaren Worte des Apostels auch dem Hrn. Pfarrer Wucherer aufgedrängt hat, zeigt schon dieser Ausspruch desselben: „Der gewaltige Prediger der Gerechtigkeit aus dem Glauben allein ohne des Gesetzes Werke hat doch Weitherzigkeit genug, Leute zu tragen, deren Praxis zwar dieser Hauptlehre zu widerstreiten und von ihr abzuführen scheint, deren Bekenntniß aber rein und deren Herz treu und redlich ist, wie sich an ihrem ganzen Wesen zeigt.“ Um so mehr ist es darum zum Erstaunen, daß Wucherer diese Distinction nicht festhält, sondern in seiner Anwendung auf den jetzt innerhalb der lutherischen Kirche herrschenden Lehrstreit die Sache gradezu umkehrt. Denn heutiges Tags ist ja nicht Streit zwischen Christen, die im Bekenntniß des Glaubens und der Lehre völlig einig und nur in der Praxis verschieden sind, sondern vielmehr zwischen Christen, die in Hauptstücken des Bekenntnisses nicht einig und darum auch in der Praxis nicht völlig einig sind. Eine solche Anwendung des apostolischen Wortes Röm. 14, 1. hat auch keinen Schein von Berechtigung, eben weil dort von etwas ganz anderem die Rede ist. Aber im Verlause seines Aufsatzes zeigt Pfr. Wucherer deutlich, warum er den ernsten Lehrstreit zwischen den Lutheranern der Gegenwart beseitigt wünsche. Es ist ihm das Zeugniß für die reine Lehre von Kirche und Amt und die Verwerfung des Chiliasmus zuwider, weil er davon Verwirrung der Gewissen und Zertrennung der Kirche fürchtet. Aber wir können vom entschiedenen Zeugniß der Wahrheit durchaus nichts weder für das Seelenheil des Einzelnen noch für die Wohlfahrt der ganzen Kirche fürchten, sondern erwarten und hoffen allein daraus alles Gute, allen Segen, alles Fortschreiten. Wir haben das Beispiel des Herrn Christi und aller Apostel für uns, und insonderheit St. Pauli, die alle die Wahrheit nicht um des Friedens willen verschwiegen, sondern laut und kräftig und in allen Stücken bis in den Tod bezeugt haben, trotzdem daß der Herr Christus den größten Theil des jüdischen Volks, der damaligen sichtbaren Kirche, und insonderheit die eifrigen Pharisäer von sich abstieß, ja wegen seiner „Harten Rede“ gingen viele seiner Jünger hinter sich und wandelten hin⸗