# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1858_S356 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 356 Kraußold und die Lehre vom Amt. wendig seine Lehre vom Amte falsch. Wer nicht davon ausgeht, daß die Kirche „eigentlich" die unsichtbare Gemeinde der Gläubigen und Heiligen sei und daß eine sichtbare Gesammtheit nur in einem synekdochischen Sinne Kirche genannt werde d. h. darum, weil ein Theil dieser sichtbaren Gemeinschaft wirklich Kirche d. i. eine Sammlung von Gläubigen ist, und wer dies nicht consequent fest hält: der muß nothwendig irre gehen bei der Frage nach dem Verhältniß des Amtes zur Kirche. Römische Betrachtung der Kirche bringt römischen Begriff vom Amte. Zum Glück ist Kraußold in seiner falschen Lehre von der Kirche nicht consequent, rettet daher in seinem Begriff vom Amte noch manches Biblisch-lutherisches. Der Hauptfehler aber der Kraußoldschen Schrift in Absicht auf die Lehre vom Amte ist, daß sie, um die göttliche unmittelbare Einsetzung des Pfarramtes zu retten, dasselbe nicht als eine göttliche Ordnung faßt, in welcher das der ganzen Kirche unmittelbar gegebene Amt öffentlich ausgeübt werden soll, sondern es im Grunde für einen besonderen Stand ansieht; indem sie der Kirche das Amt nur insofern beilegt, als die Kirche Pastoren hat, also nicht, wie das Bekenntniß sagt, unmittelbar, sondern mittelbar. Merkwürdig ist hierbei, daß Kr. nichts desto weniger den Begriff des Standes von dem des Amtes absondern will und sich des Wortes unmittelbar zur Bezeichnung der Art, wie die Kirche das Amt habe, bedient, ja letzteres Wort auf eine gewisse Art und Weise betont, und doch den darin liegenden Begriff leugnet! Hören wir ihn selbst. Von der bekannten Stelle aus dem Tractat „von der Gewalt und Oberkeit des Pabstes", der anhangsweise den Schmalk. Artikeln beigegeben ist, redend, schreibt Kraußold: „Der Sinn ist demnach: Gleichwie die Verheißung des Evangelii der ganzen Kirche ohne Vermittlung einer besondern Person zugehört, ebenso auch die claves (Schlüssel). Der Accent und Nachdruck liegt offenbar auf principaliter (ursprünglich) und immediate (unmittelbar). Denn daß die Schlüssel auch der Kirche gehören, das hat die kath. Kirche nie geleugnet; aber das hat sie geleugnet, daß sie ihr principaliter et immediate gehören, sondern sie gehören ihr nur mediate, nehmlich durch den Primat Petri, resp. durch den Primat des Pabstes. Ihm sind sie principaliter gegeben, und durch ihn (mediate) erst der Kirche. — Umgekehrt ist es nach evangelischer und protestantischer Lehre. Hier sind die Schlüssel nicht der Kirche erst durch den Pabst zu Theil geworden, sondern unmittelbar. Wienach das? — „„Denn,"" sagt der deutsche Text, und diese Begründung ist wohl zu beachten! „„Denn gleichwie die Verheißung des Evangelii gewiß und ohne Mittel der ganzen Kirche zugehört, also gehören die Schlüssel ohne Mittel der ganzen Kirche, dieweil die Schlüssel nichts anderes sind, denn das Amt, dadurch solche Verheißung Jedermann, der es begehrt, wird mitgetheilt (scl. ministerium verbi). Darum kann man in keinem Wege aus solchen Sprüchen eine sondere Gewalt der Oberkeit (aliquam praerogativam seu superioritatem seu dominationem) gründen, die Petrus vor den andern Aposteln gehabt hat oder haben hat sollen. Daß aber steht: Auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen (Matth. 16, 18.), da muß