# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1858_S355 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kraußold und die Lehre vom Amt. 355 sellschaft"; wie man ja freilich das Unkraut von dem Weizen gerade dem Begriffe nach scheiden muß, obgleich dasselbe auf dem Acker dem Weizen fort und fort beigemischt bleibt. Carpzov, den Kr. sonst wiederholt vergleicht, schreibt daher ausdrücklich: „Das Wort Kirche nimmt die Augsb. Conf. nicht in dem weiten Sinne, wie sie sowohl Spreu als Getreide begreift und sofern unter dem Namen der Kirche alle diejenigen verstanden werden, welche getauft sind und den Ungläubigen oder Heiden und Nichtgetauften entgegengesetzt werden; sondern in dem stricten, eigentlichen und ursprünglichen Sinne: für die Menge derjenigen, welche mit Christo, als ihrem Haupt, und unter sich gegenseitig durch wahren Glauben und lautere Liebe auf dieser Erde vereinigt sind, wie die Apologie dies S. 144. 146. 149. 154. erklärt und der 8. Artikel gegen den Anfang gewahrt hat. Dieser Bedeutung sind die Nichtheiligen und Heuchler, sei es in der Lehre oder in den Sitten, die der Kirche beigemischt sind, nicht entgegen. Denn etwas anderes ist ein Cötus, der aus Heuchlern und wahrhaft und aufrichtig Glaubenden besteht, etwas anderes ist ein Cötus, dem die Heuchler beigemischt sind. Die eigentlich so genannte Kirche ist nicht ein Cötus, der aus Heuchlern und Nichtheiligen besteht, sondern ein Cötus, dem Heuchler und Nichtheilige beigemischt sind. Wie dies die A. C. im 8. Art. zu Anfange vorsichtig erklärt." (Isag. in libb. eccl. Luth. Symb. p. 305.) — Diejenigen freilich, welche die Verheißungen der sichtbaren Kirche gegeben und die Prediger als solche mit zur Kirche gerechnet haben wollen, brauchen nothwendig die Gottlosen und Heuchler in ihrer Kirche; sie sehen recht wohl, daß, wenn sie die Gottlosen nicht in den Begriff der Kirche mit aufnehmen und dieselben nicht zu ihr gehören lassen dürfen, die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes die unsichtbare sein müsse: aber hiermit offenbaren sie eben nur, daß sie den lutherischen Kirchenbegriff nicht haben. Nach ihnen sollte der 8. Artikel so gefaßt sein: „Wiewohl die christliche Kirche eigentlich nichts anderes ist, denn die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch dieweil in diesem Leben viel falscher Christen und Heuchler" — zur Kirche gehören u. s. w.; — aber so konnte eben die Augustana nach biblisch⸗lutherischer Lehre von der Kirche nicht fortfahren, sondern also: „viel falscher Christen und Heuchler sein, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, so sind die Sacrament gleichwohl kräftig" ꝛc. Kraußold scheint daher auch gar wohl gefühlt zu haben, daß seine Theorie nicht in dem 8. Artikel der Augsb. Conf. zu finden sei. Er schreibt daher: „Der Art. VIII. der Conf. Aug. hat seine Schwierigkeiten(!), weil in der Fassung des Satzes die Gegensätze seiner Glieder nicht klar hervortreten." Ja, ja, wir wollen es gern glauben, daß Hr. Dr. Kraußold in dem Artikel „Schwierigkeiten" und Unklares sah; dieses liegt aber nicht in dem Bekenntniß, sondern in seinem eigenen Kopfe; denn es ist in der That „schwierig", etwas aus dem Bekenntniß herauszulesen, was nicht darin steht, und wovon man doch so herzlich wünschte, es darin zu finden. Weil nun Kraußold's Lehre von der Kirche falsch ist, so ist auch noth-