# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1912_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der Ev.⸗Luth. Synodalkonferenz von Nordamerika. 1912. 13 Der Apoſtel redet nicht von einem unerreichbaren, in der Luft ſchweben⸗ den und in der Luft bleibenden Ideal, ſondern von durchführbarer und durchzuführender Praxis, wenn er die Chriſten ermahnt: „Sehet auf auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen!“ — Doch man ruft aus: Wie können die Chriſten — die einfältigen Chriſten — die Anderslehrenden ſicher erkennen und zwiſchen Wahr⸗ heit und Irrtum unterſcheiden? Gerade die einfältigen Chriſten kön⸗ nen das. Ihr Heiland, der ſie an ſeiner Rede bleiben heißt, hat ihnen auch das Mittel dazu in die Hand gegeben. Die Heilige Schrift, das Wort der Propheten und Apoſtel, iſt für die Chriſten nicht eine Samm⸗ lung von Rätſeln, ſondern ihres Fußes Leuchte und ein Licht auf ihrem Wege. Die Chriſten können nur dann in ihren Gedanken, in ihren Reden und in ihrem Urteil irren, wenn ſie das Licht des Wortes Got⸗ tes unter den Scheffel ſtellen. Wenn ſie ihr Licht und Recht gebrauchen, wenn ſie ihres HErrn Rede hören und glauben, ſo erkennen ſie die Wahrheit, und die Wahrheit macht ſie frei von aller Knechtſchaft der Menſchenlehre. Der HErr ſagt ausdrücklich, daß ſeine Schafe ihres Hirten Stimme erkennen. Des Fremden Stimme aber kennen ſie nicht, ſondern fliehen vor ihm, Joh. 10, 3—5. Erinnern wir einander nur, daß wir das Wort Chriſti unter uns reichlich wohnen laſſen, dann macht es auch die Albernen weiſe. Man wirft endlich noch ein: Aber der Erfolg! Der Erfolg, auf dieſe Weiſe die Trennung aufzuheben, iſt doch ein ſehr zweifelhafter. Man muß an dem Erfolg verzweifeln, wenn man auf die Vergangen⸗ heit ſieht und in der Gegenwart Umſchau hält. Der Erfolg, teure Väter und Brüder, iſt nicht unſere, ſondern Gottes Sache, der uns dieſe Weiſe, Einigkeit zu ſchaffen und Trennung zu beſeitigen, vorgeſchrieben hat. übrigens dürfen wir uns auch über den Erfolg nicht beklagen. Die Synodalkonferenz hat nicht trennend, ſondern ſammelnd gewirkt. Sie iſt trotz Abfalls von ihr ſtetig gewachſen, und ſie iſt noch immer die zahlreichſte lutheriſche Kirchengemeinſchaft in den Vereinigten Staa⸗ ten. Man hat uns von allem Anfang an den Untergang geweisſagt. In den letzten Monaten hat man dieſe Weisſagung wiederholt. Sie wird nicht wahr werden. Um zweierlei vornehmlich wollen wir Gott bitten. Erſtlich um Demut. Es iſt nicht unſer Verdienſt, ſondern allein Gottes Gnade, daß wir nicht anders lehren, ſondern Gottes Wort bekennen. Dieſe Demut ſoll auch in allem, was wir reden und ſchrei⸗ ben, bemerkbar ſein. Ob wir wohl das Fleiſch an uns haben, ſo ſollen wir doch nicht fleiſchlicherweiſe ſtreiten. Wir wollen auch nicht jeden, der gelegentlich irregeht, ſofort als falſchen Lehrer behandeln. Wunder iſt's nicht, führt Luther aus, daß jemand in dieſen hohen Dingen, die uns von Natur ſo fremd ſind, zuweilen eigene Gedanken hat und etwa in den Worten fehlt. Luther bekennt das von ſich ſelbſt, und wir wer⸗ den mit demſelben Bekenntnis nicht zurückhalten. Aber wir ſollen den eigenen Gedanken nicht nachgeben, ſondern alsbald wieder zu Gottes