# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1912_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der vierundzwanzigſten Verſammlung lutheriſchen Kirche, wenn die Chriſten ſich von den Leuten ferngehalten hätten, die eigenes Wort führen von der chriſtlichen Kirche und dem Predigtamt, von der Bekehrung und der gnädigen Erwählung. Kurz, Meidung derer, die anders lehren als Chriſti Apoſtel, das iſt das von Gott vorgeſchriebene einfache und ſicher wirkende Mittel, die Trennung in der Chriſtenheit zu beſeitigen. Nach Gottes Wort treten Anders⸗ lehrende in der chriſtlichen Kirche unter Gottes Zulaſſung nicht dazu auf, daß man ſich zu ihnen halte, ſondern zu dem Zweck, daß man ſie meide. Wie der Apoſtel ausdrücklich einſchärft: „Es müſſen Rotten unter euch ſein, auf daß die, ſo rechtſchaffen ſind, offenbar unter euch werden“, 1 Kor. 11, 19. Dieſe Lektion müſſen die Chriſten immer⸗ fort aus Gottes Wort lernen. Aber ſtatt dieſe von Gott vorgeſchrie⸗ bene einfache und wirkungsvolle Weiſe zu befolgen, verſucht man menſch⸗ lich erfundene Weiſen, die aus übel nur ärger machen. Namentlich verſucht man die Weiſe, daß man es einander erläßt, in allen Lehren bei Gottes Wort zu bleiben. Man nennt das Einigkeit, was nach Gottes Wort Trennung iſt! Gegen die in Gottes Wort vorgeſchriebene Behandlung der Anders⸗ lehrenden macht man mehrere Einwendungen. Man ſagt: Die Leute, welche nicht in allen Stücken bei Gottes Wort bleiben, ſondern anders lehren, ſind doch oft gelehrte, wiſſenſchaftlich gebildete Leute, denen man auch redliche Abſichten nicht abſprechen kann. Vor den Kenntniſſen und dem Ernſt und guten Willen dieſer Leute muß man doch Reſpekt haben. Reſpekt vor den Anderslehrenden — das iſt recht eigentlich die Signatur unſerer Zeit. Dieſes ganze Urteil iſt wider Gottes Wort. Vergeblich ſuchen wir in der Heiligen Schrift nach Reſpekt vor Anders⸗ lehrenden. Was ihre Wiſſenſchaft und Kenntniſſe anlangt, ſo ſagt der Apoſtel: „So jemand anders lehret und bleibet nicht bei den Worten unſers HErrn JEſu Chriſti, der iſt verdüſtert und weiß nichts“, 1 Tim. 6, 3. Ein ſolcher gibt ein Wiſſen von göttlichen Dingen vor, das er gar nicht hat, und hält in Selbſtbetrug ſeine Ignoranz für Wiſſenſchaft. Und was die edlen Motive betrifft, ſo ſagt der Apoſtel in unſerm Text von den Anderslehrenden: „Solche dienen nicht dem HErrn JEſu Chriſto, ſondern ihrem Bauch.“ Damit iſt nicht geſagt, daß ſie in allen Fällen grobe Schwelger ſind und in groben Sünden des Geizes und des Fleiſches leben. Aber wohl iſt damit geſagt, daß ſie in allen Fällen nicht Chriſtum, ſondern ſich ſelbſt meinen, nicht Chriſti Wort, ſondern ihre eigene Meinung vortragen wollen, nicht die chriſtliche Kirche, ſondern ihren eigenen Ruhm oder ihre eigene Partei im Sinne haben. Der HErr ſagt: „Wer von ihm ſelbſt redet, der ſuchet ſeine eigene Ehre“, Joh. 7, 16. Das iſt ein gewaltiges Wort, das wir alle wohl beherzigen ſollen! Nur inſofern jemand nicht eigenes Intereſſe hat, ſondern allein Chriſtum und ſein Wort meint, iſt er auch wahr⸗ haftig und keine Ungerechtigkeit bei ihm, das heißt, redet er auch Got⸗ tes und nicht eigenes Wort. Aber iſt die Meidung aller Anderslehrenden nicht ein unerreich⸗ barer, idealer Zuſtand? So urteilen Menſchen, anders der Apoſtel.