# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1912_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Verhandlungen der vierundzwanzigſten Verſammlung 2. Man iſt zu unſerer Zeit in der Beurteilung der Trennung in der chriſtlichen Kirche nicht frei von Selbſtwiderſpruch. Einerſeits beklagt man die Trennung und hebt — mit Recht — hervor, wieviel mehr die chriſtliche Kirche ausrichten könnte, wenn ſie nicht zertrennt, ſondern auch äußerlich völlig geeint wäre. Andererſeits redet man aber auch vielfach ſo, als ob die Trennung nicht viel zu bedeuten habe, ja wohl gar etwas Gutes und von Gott beabſichtigt ſei. Jede Kirchengemein⸗ ſchaft habe ihre beſonderen Gaben und Vorzüge. Das iſt verkehrtes, menſchliches Urteil. Des Apoſtels Urteil lautet anders. Er ſagt: „Sehet auf auf die, die Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt.“ Er nennt die Zertrennung nicht etwas Gutes oder auch nur Gleichgültiges, ſondern ein Ärgernis. Schon die bloße Tatſache der Trennung iſt ein Ärgernis für die Welt und für ſchwache Chriſten. Die Welt entſchuldigt damit ihren Unglauben, und ſchwache Chriſten werden im Glauben irre. Noch mehr ſpringt das Ärgernis in die Augen, wenn wir hinzunehmen, daß die Zertrennung durch Abweichung von der Lehre Chriſti entſtanden iſt. Andere Lehre führen als Chriſti Wort, iſt ein Schlag in das Angeſicht Chriſti, der allein durch ſein Wort die Kirche lehren und regieren will. Andere Lehre führen als Chriſti Wort, iſt auch ein Schlag in das Angeſicht der Chriſten, deren Chriſtenwürde und Chriſtenherrlichkeit darin beſteht, daß ſie nicht Menſchenwort unterworfen, ſondern allein Chriſti Wort unter⸗ tan ſind. Und endlich auch: Andere Lehre führen als Chriſti Wort, kann immer nur zum Schaden der Seelen geſchehen. Es handelt ſich dabei um Tod und Leben. Menſchenwort, wenn auch noch ſo gut ge⸗ meint, kann nie eine in Sünden tote Menſchheit retten. Das kann allein Gottes Wort. Alles Menſchenwort iſt in der chriſtlichen Kirche wie Gras und alle ſeine Herrlicheit wie des Graſes Blume. Das Gras verdorrt und die Blume fällt ab, wenn die Menſchen ſich auch ein⸗ bilden, daß ſie mit ihrer „Auffaſſung“ oder „Fortbildung“ oder „Er⸗ gänzung“ der chriſtlichen Lehre die ganze Welt zum Licht führen könnten. Nur Gottes Geſetz, ſofern es ohne Abſchwächung und menſchlichen Zuſatz gelehrt wird, macht den Menſchen zu einem wahr⸗ haft armen Sünder. Nur Gottes Evangelium, ſofern es ohne Ein⸗ miſchung von des Geſetzes Werken verkündigt wird, erzeugt den Glau⸗ ben an Chriſtum, gibt das höchſte Gut hier auf Erden, die Gewißheit der Gnade und Seligkeit, und gibt Kraft und Luſt, den ſchmalen Weg zum ewigen Leben zu wandeln. Jede Änderung des Evangeliums durch Beimiſchung von Menſchenwerken, ob man ſie geradezu Verdienſt oder nur richtiges Verhalten nennt, iſt Gift und Tod für das geiſtliche Leben, ſtellt ſich als ein Hindernis, als eine Falle, als ein Ärgernis zwiſchen die Menſchen und die ihnen von Chriſto erworbene Gnade und Seligkeit. Daher der Eifer des Apoſtels, daß er über alle, die das Evangelium Chriſti anders lehren, als er es gelehrt hat, den Fluch ausſpricht, Gal. 1, 8.